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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-02-01 · Heft 2 (1.2.1884) · p. Seite 32

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 2 (1.2.1884)
Date
1884-02-01
Page
Seite 32 (sequence 8)
Language
German
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32 Briefchen, während der Philosoph seinen Vortrag über Züchtigkeit hielt, so unterbrach die Dame sich nicht länger als nötig war, um eine wol befriedigende Antwort zu schreiben, und hörte dann aufmerksam weiter. Diese Philosophen dienten den Damen auch als Reisebekleider, und sie tvurden mit dem Tänzer, dem Koch und dem Frieseur auf den letzten Wagen gepackt. Die römische Kaiserzeit war ein Gemisch von Blut und Lust. Das größte Vergnügen der Römer und Römerinnen bestand darin, Sterben zu sehen, an menschlichen Qualen sich zu weiden. Man findet, sagt Senecca, ebensoviele Laster als Menschen. Wo Mann und Weib in Zuchtlosigkeit wetteiferten, die heiligen Ehebande gelockert und gelöst waren, da fehlte der Jugend die elterliche Erziehung, und in den Händen der sittenlosen griechischen Sklaven und Sklavinnen wurde das Gemüt der unschuldigen Kinder frühzeitig vergiftet, deren Augen die Lüste der großen'Welt schamlos enthüllt. Die Bemühungen besserer Familien, einsichtiger Eltern, scheiterten an den feindlichen Einflüssen der Umgebung, an der vergifteten geistigen Athmosphäre. Juvenal berichtet, der Knabe treibt's in der Regel wie der Alte, den er beerbt; die Töchter können die Liebhaber der Mutter der Reihe nach hersagen, und nach dem Diktate der Mutter schreiben sie die Liebesbillette. Alle Laster der Stadt scheinen den Kindern angeboren. Der Mangel einer nationalen, einer den elterlichen Einflüssen entzogenen Schule, war verhängnisvoll für das Römerreich. Einzelne Kaiser errichteten öffentliche Schulanstalten, ich nenne Vespasian, Gracian, Hadrian, Marc Antonius; für arme Kinder edler Abkunft bezahlte Alexander Severus das Schulgeld. Um dem massenhaften Proletariate in Rom und Constantinopel eine Gunst zu beweisen, läßt Nerva Kinder armer Eltern auf öffentliche Kosten verpflegen; Trajan übernahm bei Regierungsantritt die Erziehung von ca. 5300 armen Kindern, Antonin der Fromme errichtete eine Erziehungsanstalt für arme Mädchen. Allein die Vorsorge für Pflege und Ernährung konnte die geistige Not nicht lindern. Zu einer staatlichen Organisirung des Volksunterrichtes, zu einer gesetzlichen Norniirung der Unterrichtspflicht konnte der römisch heidnische Geist sich nicht aufschwingen. Abwechsenld erscheint ein Tyrann auf dem Throne, wie Commodus, welcher jeden Gebildeten als einen Feind haßte und in seiner Umgebung nur Narren und Schauspieler duldete, oder Heliogabalus, der alle Lehrer vertreiben und morden ließ, und einen ehemaligen Schauspieler zum obersten Leiter des gesammten Erziehungs- und Unterrichtswesens ernannte. Allmählig hatte sich der Kreis der Gebildeten immer mehr verringert; die Unbildung hörte auf, eine Schande zu sein, seitdem unwissende lind rohe Creaturen die höchsten Ehrenstellen bekleideten. Vom Kaiser Augustus erzählte man sich, er habe einen Consular-Agenten wegen gewöhnlicher Sprachfehler von seinem Posten abberufen müssen; später wurde Marc Aurel, als er aus dem Felde in lateinischer Sprache einen Tagesbefehl erteilte, von den hohen Officieren und der gesainmten Umgebung nicht verstanden ivegen seiner gewühlten Ausdrücke. (Schluß folgt.)

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