Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1884)
- Date
- 1884-02-01
- Page
- Seite 31 (sequence 7)
- Language
- German
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31 vier Tribunen und zwei Auktionatoren, welche altes Gerümpel feilboten. Der öffentliche Ausrufer war erkoren, die Braut heimzuführen. Ein Lehrer aber konnte im Vorhinein in eine solche Konkurrenz nicht zu treten wagen, wiewol einzelne kluge Lehrer es auch zu großem Vermögen gebracht haben. Die Schulen befanden sich gewöhnlich in den entlegensten Winkeln der Stadt, waren Privatunternehmungen von Menschen, welche bereits im Leben Schiffbruch gelitten hatten. Auch der griechische Pädagoge, der Sklavensohn als Lehrer und Erzieher, war von Griechenland in das Römerreich eingewandert.' „Gleich den anderen Sklaven, erzählt Lucian, that er Knechtdienste mit gekrümmtem Rücken von Morgen bis Abends, und wenn Zahltag war stand er inmitten anderer Sklaven um seinen Monatslohn in Enipfang zu nehmen." Chilon, ein Sklave des älteren Cato, unterrichtete dessen Sohn und noch andere Kinder, deren Zahlungen freilich nicht ihm, sondern seinem eigenniitzigen Herrn zu Gute kamen. Der Mädchenstand bei den Römerinnen war nur kurz. Kaum dem Kindesalter entwachsen wurden sie schon verlobt und vermült. Die Sorgen der Mutter, daß dem Töchterchen Schönheit zu teil werden möchte, die Angst vor - dem Besähreien und dem bösen Blicke, hatten die Kinderstuben jener Zeit mit den heutigen gemein. Die Mädchen lernten weibliche Arbeiten, Spinnen und Weben, Töchter höherer Stände erhielten auch literarischen Unterricht, jedoch meistens im Hause. Zwischen Hauslehrern und Töchtern kam es zuweilen zu unerwünschten Verhältnissen und das erforderte die rege Wachsamkeit der Mutter. Ans die Ausbildung in Musik und Tanz wurde besonderer Wert gelegt. Mit dem zurückgelegten zwölften Jahre trat die zur Ehe erforderliche Volljährigkeit ein; mit dem zwanzisten Lebensjahre war die Römerin alte Jungfer, und verfiel der Strafe, welche Kaiser Augustus gegen Ehelose verhängt hat. Oft wurden die Töchter schon als Kinder verlobt. Über sein Hab und Gut besaß das römische Weib ausschließliches Eigentumsrecht, und römische Frauen hielten sich Geschäftsführer, welche witzigen Dichtern zu mancherlei Epigrammen Stoff gegeben. „Wer ist das krausgelockte Männchen, das deiner Frau unaufhörlich in das Ohr zischelt"? fragt der Dichter Mareial einen nachsichtigen Ehemann. „Er besorgt die Angelegenheiten meiner Frau." „Ich fürchte, fügt der Dichter hinzu, er besorgt deine eigenen Angelegenheiten." Marcial war ein Feind reicher Frauen. „Warum ich keine reiche Frau heirate? weil ich nicht Lust habe, die Frau meiner Frau zu werden." Der Pantoffel war schon den Römern das Symbol weiblicher Obinacht und Oberhoheit, und mancher Mann hat sich für Bezahlung zur Scheinehe herbei^elassen, um einer reichen Dame die Freiheit zu sichern. Um so zahlreicher waren die Ehescheidungen in der römischen Kaiserzeit. Tertulian versichert, daß manche Frauen blos heiraten, um sich scheiden zu lassen, und nach Juvenal wurden die Ehepacten schon gelöst, ehe die Blätter an den Hochzeitskränzen verwelkt waren, und manches mutige Weib brachte es zu acht Männern in fünf Jahren. Die Frauen dieses Zeitalters beschäftigten sich lieber mit Literatur, und selbst mit Philosophie, als mit Kindererziehung; die Damen redeten griechisch und wußten zierliche griechische Verse in die Unterhaltung zu flechten. Zur Zeit Marc Aurels.. hielten vornehme Damen auch Philosophen und Rethoren von ehrwürdigem Äußern mit langen grauen Bärten unter ihrem Gesinde; die Kinder waren der Gewissenhaftigkeit der Sklaven überlassen. Anders aber, als bei Tafel oder während des Ankleidens, fand die Römerin keine Zeit, die Vorlesung ihres Philosophen anzuhören. Kam gerade die Zofe und brachte irgendein heimliches