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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-02-01 · Heft 2 (1.2.1884) · p. Seite 30

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 2 (1.2.1884)
Date
1884-02-01
Page
Seite 30 (sequence 6)
Language
German
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30 alter der römischen Kaiser war der römischen Jugend auch jede sittliche Erziehungsgrundlage genommen. In der republikanischen Jugendzeit des römischen Volkes herrschte häusliche Zucht und Sitte, und Cato konnte als Censor den Manlius aus dem Senate stoßen, weil er es gewagt hat, in Gegenwart seiner Tochter die Gattin zu küssen. Sittsamkeit und Schamhaftigkeit waren Tugenden, welche der junge Römer in Zeiten der Republik als mütterliche Beigabe empfangen. „Ich liebe mehr, sagte Cato, die welche erröten, als die welche erbleichen, denn Schamröte ist die Farbe der Tugend." Wie in Griechenland waren auch im Römerreiche Gymnastik und Musik Hauptelemente der Erziehung. Den ersten Unterricht erteilten die Väter sehr oft selber. Der ältere Cato unterrichtete seinen Sohn und verfaßte für denselben eigens die nötigen Schulbücher. Cicero unterrichtete seinen Sohn und seinen Neffen. Indessen findet man schon in den ältesten römischen Nachrichten der Schulen erwähnt, als Privatanstalten, Familienschulen. In der Geschichte der Virginia bei Livius und Dionys von Halycarnaß finden wir die bestimmte Erwähnung einer Mädchenschule unter den Krambuden am Forum. 60 Jahre später lebte der vielberufene Schulmeister von Falerii, welcher,, die ihm anvertrauten vornehmen Kinder unter dem Vorwände körperlicher Übungen vor die Stadt führte und verräterischer Weise dem römischen Feldherr Camillus in die Hände spielte. 3 Jahre später, als die Rönier als Feinde im nahen Tibur einzogen, ließen sich die Bewohner in ihren Geschäften keineswegs stören, ja „die Schulen hallten von den Stimmen der Lernenden wider". Durch Spurius Carvilius erhielt das römische Schulwesen einen neuen Aufschwung ums Jahr 225 v. Chr. Der Elementarunterricht, d. h. der Cursus beim Literator oder Grammatisten umfaßte zunächst Lesen, Schreiben und Rechnen. Das Rechnen geschah mit den Fingern, mit Steinchen und Rechentafeln. Die Kenntnis der griechischen Sprache und Literatur wurde ebenso gepflegt, als die lateinische Muttersprache, denn das Griechische war die Sprache der Gebildeten. Daß der eigene Nationalstolz den Bürger verpflichte, von seinen Kindern fremde Bildungselemente, die Kenntnis anderer Völkersprachen fernzuhalten, war dem römischen Ideen gange nicht einleuchtend. Gegen Ende der Republik gab es in Rom an 20 Elementarschulen. Der Unterricht begann mit oder vor Tagesanbruch. Marcial hänselt den Schulmeister wegen seines schlafraubenden Metiers. Früher als Schmied oder Weber muß er aufstehen, klagt Juvenal. Für Schuldisciplin sorgte Rohrstock und Peitsche. Obrilius wird von seinem Schüler Horaz der „Prügelreiche" genannt und Marcial redet von den „traurigen Gerten, Sceptern der Pädagogen." Ovid nennt die Lehrer „die Besitzlosen", und mancher Jugendbildner flüchtete sich aus den kümmerlichen Verhältnissen in den Soldatendienst. Obrilius, ein ehemaliger Soldat und Amtsdiener, der Lehrer geworden war, hauste in einem Dachstübchen und verfaßte als Greis von beinahe 100 Jahren ein Buch über die Kränkungen, welche die Rohheit und Eitelkeit zärtlicher Eltern den Lehrern zufügten. Juvenal beklagt, daß man den kargen Lehrsold so lässig zahle, und oft erst nach gerichtlicher Klage. Bei Marcial bewerben sich um ein Mädchen zehn Dichter, sieben Anwälte,

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