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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-02-01 · Heft 2 (1.2.1884) · p. Seite 26

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 2 (1.2.1884)
Date
1884-02-01
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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26 den Menschen von der Erde ab, verschlossen vor seinem Blicke die blühende Welt, lehrten ihn das Leben verachten, der Fröhlichkeit entsagen, raubten ihm die Geistesfrische und Herzensruhe, verwandelten ihin die irdische Welt in eine Stätte des FluHs, in ein Thal des Jammers, aus dein zu fliehen des Menschen höchste Pflicht und Seligkeit wäre. Der gesunde Geist der Wahrheit, der in unserer Lehre lebt und mit ihr auch bei ihren Bekennern sich eingelebt hat, war uns selbst in den Zeiten, in denen wir thatsächlich uns überall auf dieser Erde fremd und verlassen fühlen mußten, eine Stütze froher Hoffnung und beglückender Gemütsruhe und hat den Blick und Sinn für die Wunder der Schöpfung, die stets uns umgeben, in tiefster Seele uns bewahrt, uns den Weg gezeigt, auf dem Lebensfreude und Gesinnungshoheit, Frohsinn und Frömmigkeit sich friedlich vereinen. Ja, indem das Judentum das Leben beherrschen will, will es uns nicht demselben entziehen, daß wir es nicht genießen oder es etwa gar verachten sollen, es will uns vielmehr mit demselben befreunden, will die Lust am Dasein, aber auch die Lust an der Arbeit, an der Erkenntnis, an der Tugend in uns wecken und uns die Augen öffnen, daß wir dasselbe nicht mit einseitigem Blicke betrachten, nicht etwa nur an dem Segen der Erde uns erquicken, sondern auch jene Seligkeit genießen, welche im Bewußtsein geistiger Hoheit, im Gefül sittlicher Würde, in der Hoffnung ewigen Lebens liegt. Abgeschlossen von der Welt lebten unsere Väter und doch hatten sie ein Herz fiir dieselbe; so viel Kummer und Sorge auf ihrer Seele lasteten, sie freuten sich doch, wenn die Freude des Himmels durch die Schöpfung leuchtete, der erste Strahl der Frühlingssonne die Erde berührte und vor dem wachsenden Lichte die nebelgraue Winterszeit entschwand; sie feierten einen Tag der Freude, wenn an den kahlen Zweigen der entblätterten Bäume wiederum Triebe des Wachstums hervortraten und das Erwachen der sonnigen Pracht des Lenzes verkiindeten. Das „Neujahr der Bäume" nennen unsere Weisen den 15. Tag des Monats Schebat. Konnte zwar diese Bezeichnung nur für das unter einem milderen Himmelsstrich gelegene Palästina gelten und sollte durch diesen Ausspruch eigentlich blos eine Zeitgrenze hinsichtlich der Verzehntung der Baumfrucht festgesetzt werden, so haben unsere Vorfahren dennoch auch überall, und ob auch für die Uebung -jener Vorschriften kein Boden inehr vorhanden war, das „Neujahr der Bäume" nicht vorübergehen lassen, ohne sich mit ihnen zu freuen und die Erneuerung des Lebens und Wachstums fröhlich zu begrüßen. Ja wenn an den alten knorrigen Stämmen, über deren Häuptern schon Jahrhunderte dahingezogen waren, doch wiederum die zarten grünen Triebe hervorsproßen und von dem erstarrten Erdreiche die Eisrinde dahinschmolz, um den verborgenen Saatkeimen den Weg zum Lichte zu öffnen, da war das für Israel ein Zeugnis der schöpferischen Gnade des Herrn, ein Sinnbild des eigenen unvergänglichen Lebens, ein Sporn der Hoffnung und ein Weckruf zu unverdrossener Thätigkeit, ein Spiegel der herrlichen Zukunft, die in dem Reiche des erlösenden Gottes der Gerechten harret. Israel war stets das Volk der Hoffnung, das Volk der Zukunft; es trägt das Bewußtsein in sich, daß wie das irdische so auch das geistige Leben wohl ermatten und stillstehen, aber nie völlig erlöschen und verschwinden könne. Auch auf den Gefilden der Erkenntnis, auf den Gebieten des sittlichen Lebens muß, wenn auch von Zeit zu Zeit ein verhörender Winter über sie hinschreitet, der alle Kräfte ersprießlichen Schaffens lahmlegt, doch wieder ein verheißungsvoller lichtverkündender Frühling emporsteigen. In dem Glauben an die unvergängliche Kraft des Geistes, an die ewige Lebensmacht der Wahrheit wurzelt die Hoffnung des Heiles, die

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