Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1884)
- Date
- 1884-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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fojmlär-räeitscfrafflicfy o tt ri tss t* Ht 11 c t~ jur Belehrung nöer ftus n ithen tu in für Gebildete aller Konfessionen. Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Herausgegeben von »I-. Adolf Brüll. Abonnementspreis Mk. 6 per Jahr. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten des In- und Auslandes. 4. Jahrgang. Frankfurt a. M., den 1. Februar 1884. Nummer 2. Jas Meujafir der Wäume. (Zum IS. Cchebat.) Wenn man gegen die Lehre Israels den Vorwurf erhebt, daß sie das ganze Leben ihrer Bekenner für ihre Uebung in Anspruch nehme, in der ganzen Thätigkeit und Handlungsweise des Menschen sich Ausdruck und Geltung verschaffen wolle und überallhin mit ihren Mahnungen und Erinnerungen uns begleite, so ist dieser schon dadurch widerlegt und entkräftet, daß in ihm gerade der schönste Vorzug des Judentums ausgesprochen liegt und hier auf dem Wege der Anklage eigentlich nur die Herrlichkeit desselben hervorgehoben und in's rechte Licht gestellt wird. Es will das Judentum eben keine Schein- und Formreligion sein, es will seinen Beruf nicht halb und oberflächlich erfüllen, es sollen eben unsere Gesinnung und Haltung, unser Bewußtsein und unsere Lebensrichtung in allen ihren Beziehungen durch dasselbe geweiht und von ihnen jeder Mangel und Makel ferne gehalten werden. Die Lehre Gottes bewacht uns auf allen unfern Lebenswegen, daß wir nicht etwa in Irrtum und Verderbnis geraten, und wir bedürfen bei unserem menschlichen Leichtsinn und Wankelmut allerdings auch jenes höheren Schutzes und sicheren Geleites; aber das Judentum beengt und beschränkt deshalb nicht unfern Ausblick in das Leben, es öffnet uns alle Bahnen der Wohlfahrt und Thätigkeit, des geistigen Fortschritts und Heiles. Es haben so manche Religionen mit der Zeit eine so trübe Richtung und Färbung angenommen, daß in ihrem Lichte das Leben selbst schon sündhaft erschien, daß man der aus ihnen hervorgegangenen Anschauung gemäß einen Frevel gegen Gott begienge, wenn man ihn aus seinen Werken erkennen und bewundern wollte. Sie zogen