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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-01-01 · Heft 1 (1.1.1884) · p. Seite 23

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 1 (1.1.1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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Archäologische Beschreibung Jerusalems, von I. S. Kolbe aus Warschau, derzeit Wien. Wien 1888, im Selbstverläge des Verfassers. Der Verfasser hat sich bemüht, auf Grundlage vielfacher literarischer Studien und mehrerer Papiere, die im Vatikan liegen, eine klare und wahrheitsgetreue Darstellung von dem alten Jerusalem und seinem Tempel zu liefern. Man liest das Buch mit großeni Interesse, es stellt in der ersten Abteilung den Leser vor die inächtigen Mauern der jüdischen Königsstadt, läßt ihn durch verschiedene, bereits durch Bibel und Talmud bekannte Thore eintreten, führt ihn durch die wichtigsten Gassen hindurch, bis er nach einem Ausfluge auf den Ölberg und die fünfunddreißig berühmten Gräber daselbst, im zweiten Teile des Buches zum Herzpunkt der Stadt, zum Tempel gelangt und ans die Unterschiede des salomonischen und des nachexilischen Heiligtums aufmerksam gemacht wird. Weiter beschäftigt sich das Werk mit der Beschreibung der einzelnen Einrichtungsstücke, Kabinete und Kammern, schildert das Priesterwesen, den Opferdienst und andere interessante Zeremonien, wobei nicht nur Historisches und Sagenhaftes am richtigen Platze angebracht, sondern auch viel Neues dem Leser geboten wird. Illustrationen der beschriebenen Gegenstände sind dem Buche angefügt und als Beigabe folgt eine hübsch ausgeführte Ansicht der alten Stadt Jerusalem, ein großes Bild, das als Ergänzung des Werkes, zu dem ein Sachregister notwendig gewesen wäre, willkommen ist. Erwähnen wollen wir noch, daß Herr Kolbe sich mit der Absicht trägt, die Stadt Jerusalem und ihren Tempel, plastisch dargestellt, in Wien dem Auge des Beschauers darzubieten, und zwar soll nach der Angabe des Verfassers, der seine Absicht schon in den nächsten Wochen auszuführen gedenkt, das Ausstellungs-Objekt so großartig angelegt sein, daß man bequem in die Gassen und Straßen der Stadt seinen Fuß wird setzen können und die Geräte des Teinpels dem Publikum demonstriert werden. Der Antisemitismus in Ungarn kompromittiert sich selbst immer mehr und erhält auch von der öffentlichen Meinung Schlag auf Schlag. Während der Mitredakteur des hiesigen antisemitischen Blattes, „Westung. Grenzbote," Anton Windisch, vor mehreren Monaten verhaftet wurde, weil er Wechsel im Werte von fl. 25000 auf einen fremden Namen fälschte und bereits von einer Instanz zu dreijähriger Zuchthausstrafe verurteilt wurde, ist jetzt das erste antisemitische Blatt in Budapest, Függetlenseg, in üblen Ruf gekommen, weil es zu wolthätigen Zwecken gesammelte Gelder nicht abgeliefert, sondern zu eigenen Zwecken verwendet, also in optima forma eine Defraudation begangen hat. Gegen Redaktion und Administration dieses Blattes — das edle Brüderpaar Verhovay — der agitatorische Typus dieses Namens ist gewiß auch im Auslande bekannt — ist jetzt die Untersuchung, die iinmer mehr und mehr Enthüllungen bringt, angeordnet, während bereits viele Klub's in Ungarn dieses Journal aus ihren Kasino's ausgeschlossen haben. — Eine starke Zurechtweisung hat der Antisemitismus in dem Erlaß des Unterrichtsministers Trefort erhalten, den er vor Kurzem angesichts der Thatsache, daß viele Professoren der Mittelschulen in der Hauptstadt wie in der Provinz sich an der antisemitischen Propaganda beteiligen, und dieselbe in die Schule verpflanzen, an die Ober-Schuldirektoren gerichtet, derselbe lautet: Es ist zu meiner Kenntnis gelangt, daß einige unter den Mittelschul-Professoren selbst an öffentlichen Orten so unbedachte Ausdrücke gebrauchen, welche zur Erweckung feindseliger Gefühle gegen die Staatsbürger mosaischer Konfession Veran-

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