Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Pheten nennen kann, ist der Hauch göttlicher Weihe und ethischer Erhabenheit gebreitet. Es zeigt sich das in dem kunstvoll ausgeführten Gedankenbau des ganzen Buches des Propheten Ezechiel, in deren einen Hälfte er das Gericht und in deren anderen Hälfte er das Heil Gottes verkündet. Der Stil Ezechiels zeichnet sich durch vornehme Reservirtheit und aristokratische Sorgfalt aus, die einzelnen Redestücke, gleichsam die Bausteine des großen Riesenwerkes sind sorgfällig und geduldig bearbeitet und darum die überwältigende Wirkung des Ganzen, die im Einzelnen sich nicht gleich zu erkennen giebt, und nur wo er von seiner unvergleichlichen Phantasie bewältigt wird, die er in Dienst der Rede stellt, wirkt er unmittelbar wie Jeremia, der durch sein Feuer überall packt und zündet. Wegen seiner Schreibweise wurde Ezechiel der Irrgarten göttlicher Geheimnisse genannt und sollten nach der Ansicht der Rabbinen, deren Auslegungen zu dem Propheten Ezechiel wir Herrn Cornill zum Zwecke tiefer geistiger Erfassung des Propheten empfehlen, einzelne Stücke erst nach vollendetem dreißigsten Jahre, wo der Geist eine gewisse Reife erlangt hat, gelesen werden. Der Prophet Ezechiel hat darum zu allen Zeiten sich großer Beliebtheit bei großen Geistern erfreut. Georg von Nazianz, der große Rhetor der griechischen Kirche, nennt ihn den wunderbarsten und erhabendsten aller Propheten. Herder bezeichnet ihn als den Aeschylus und Shakespeare der Hebräer und Schiller hatte eine so große Vorliebe für ihn, daß er äußerte, er niöchte Hebräisch verstehen, um nur Ezechiel in der Grundsprache lesen zu können. Möchte die interessante lehrreiche Schrift des Herrn Cornill viele Leser finden, die sich durch dieselbe angeregt fühlen mögen, dem prophetischen Lichte nachzugehen. „Im re Sch es er." So nennt Dr. Ge.lbhaus, vormals Rabbiner in Karlsstadt, jetzt in Nordhausen, seine hebräische Übersetzung der fünf „Schma Jsroöl-Reden" von Dr. Jellinek. Der kostbare Wert dieser Reden besteht bekanntlich darin, daß sie eine Lücke in der jüdischen Predigt-Literatur ausfüllen, daß sie die erhabensten religions-philosophischen Ideen meisterhaft rhetorisch darstellen in alten« Geiste lind in moderner Form. An eine solche Aufgabe durfte sich nur ein Mann wie Jellinek wagen, der das besondere Genie besitzt, für den alten Wein ein neues Gefäß zu formen; denn nichts ist schwerer als die Ideen der jüdischen Religionsphilosophie in moderner Sprache mundgerecht und der modernen Gesinnung und Anschauung zugänglich und einleuchtend zu machen, und Mancher, der dies rednerisch versuchte, hätte sich besser den Ausspruch ben Sira's vor Augen gehalten „begodol mimoch al tidrosch,“ was dir zu hoch steht und deine Fähigkeit übersteigt, das predige nicht. Diese Hochwichtiben Reden hat Herr Dr. Gelbhaus in einem schönen fließenden und kernigen Hebräisch wiedergegeben und hat dadurch das Verdienst, sie in jene Kreise eingeführt zu haben, wo man noch vorzugsweise hebräisch liest. Das Buch liest sich wie die . einschlägigen Werke eines Saadja, Gabriol, Maiinonides re., in die Gelbhaus sich vorzüglich eingelesen hat, und wird dasselbe jedem Freunde des Hebräischen eine angenehme Lektüre sein. Freilich hat der Übersetzer oft zu frei übersetzt, nach eigenen! Willen hier gekürzt und dort erweitert und verändert, so daß der urkräftige rhetorische Stil des Originals zuweilen verloren geht, doch dem Geist desselben und den Umrissen der Form ist er immer treu geblieben, deshalb zollen wir dieser Arbeit die vollste Anerkennung und wünschen, daß dieselbe weitergeführt und gefördert werden möge, wie es sich der Translator vorsetzt.