Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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24 lassung bieten können, was unter den gegenwärtigen Verhältnissen und mit Rücksicht auf die Erregung der Gemüter insbesondere von Männern des Lehrfaches, die auf einer höheren Stufe der Bildung stehen und durch ihr Beispiel im Guten, aber auch im Bösen großen Einfluß auf die Jugend ausüben, aufs strengste verinieden werden muß. Ich mache daher die einzelnen Mitglieder der Professorenkörper aufmerksam, daß sie, die Tragweite ihrer Stellung richtig erfassend, unter den obwaltenden bedauerlichen Verhältnissen sowol in der Öffentlichkeit wie im Lehrsaale, in ihren Worten wie in ihren Ausdrücken — Alles sorgfältig vermeiden mögen, was in der erwähnten Richtung auch nur zur geringsten Bemerkung Veranlassung bieten könnte. — Eine ausdrückliche, wenn auch indirekte Misbilligung hat aber der Antisemitismus noch von höchster Seite erfahren, von Sr. Majestät dem König Franz Josef I. bei seinem jüngsten Aufenthalte in dem neu erstandenen Szegedin. Dort erwiederte nämlich auf die Ansprache der israelitischen Gemeinde der König wie folgt: Ich empfange gnädigst Ihre Huldigung und es gereicht mir zur Zufriedenheit, zu erfahren, daß in dieser Stadt und in dieser Gegend Ihre Glaubensgenossen mit sämmtlichen Bürgern der anderen Konfessionen in brüderlicher Eintracht und in Frieden leben. Betrachten Sie es auch in Zukunft für Ihre allererste bürgerliche Pflicht, die Treue, für den Thron und das Vaterland unbefleckt zu bewahren und die Gefühle des gegenseitigen Vertrauens und der Brüderlichkeit, Ihrerseits mit ermunterndem Beispiele vorangehend, zu befestigen und Sie werden auf wirksame Unterstützung jederzeit rechnen können. — Daß diese königlichen Worte die freudigste Erregung unter den Juden in Ungarn hervorgerufen, ist leicht begreiflich. Preß bürg, Anfangs November 1883. Rabb. Dr. David. (Bade n). Der am 18. Mai 1883 in Bruchsal gegründete Verein „Pensionsfouds für israelitische Religionslehrer und Kantoren Badens und deren Relikten" versendet seine 35 Paragraphen umfassende Statuten. Der Betrag für außerordentliche Mitglieder beträgt nur 1 Mk. Die Bestrebungen dieses Vereins, der auch für die geistige Hebung der Lehrer besorgt ist, sei hieinit zur Förderung bestens empfohlen. _ (Wien.) Am 2. November 1883 starb hier Frau Adelheid v. Goldschmidt in ihrem 44. Lebensjahre. Die Verstorbene war eine ebenso wolthätige wie geistvolle Dame, welche Kunst und Wissenschaft förderte und sich in den literarischen Kreisen Wiens einen ausgezeichneten Namen erworben. An ihrem Sarge hielt Rabb. Dr. Güdeinann die tiefempfundene Trauerrede. Friede ihrer Asche! Ehre ihrem Andenken!_ Herrn T. K. in St. Die Monatsblätter werden vom nächsten Manate ab regelmäßig eine Chronik der wichtigsten Tagesereignisse in im Judentume auf sozialem und literarische Gebiete bringen^ _,_ Inhalt: MräeE'Weihe. — Antisemit l. Bon Oskar Waldeck. — Das babylonische Exil und das Jahrhunoert nach demselben mit besonderer Berücksichtigung ans die religiöse Entwicklung des Judentums. Von Dr. Adolf Rosenzweig, Rabb. in Teplitz. — Bon der Elementar-Schule und dem Erziehungswesen des Altertums. Vortrag von Dr. I. S. Bloch, Bezirksrabinner und Reichsrats-Abgeordneter. — Referate und Mitteilungen. —_ _ _ _ Verantwortlicher Redakteur nnd Herausgegeber: Dr. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Ausfarth; Druck von H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein), sämmtlich in Frankfurt am Main.