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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-01-01 · Heft 1 (1.1.1884) · p. Seite 21

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 1 (1.1.1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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21 sicheres Zukunftsziel vor Augen, den: sie mit aller Kraft zusteuerten, dem sie unentwegt folgten, nicht achtend der Stürme und Kämpfe, die darob über ihrem Haupte dahinzogeu. Es ist darum ein großes Verdienst, wenn man in unserer Zeit den prophetischen Geist im Volke wieder wirksam und lebendig macht und jede populäre Darstellung auf diesen! Gebiete kann nur dankend begrüßt werden, zumal wenn sie, wie im vorliegenden Vortrage so schön, so wahr und warm ausgeführt ist. Jesaia, Jeremia und Ezechiel, diese drei großen prophetischen Leuchten, haben in Juda zu Zeiten, als die Wogen der Geschichte sehr hoch giengen, ihre Gottesstinime erhoben. Und während elfterer zersägt worden sein soll, haben die beiden letzteren sein Geisteserbe ausgenommen und gezeigt, wie man das in den Staub getretene Banner der Wahrheit in Zeiten geiftiijer Not hoch zu halten habe. In die Zeit der Kultusreform unter dem Könige Josia fällt die Wirksamkeit des Landpriesterpropheten Jeremia und die Geburt des jernsalemischen Priesterpropheten Ezechiel, dessen Vater Buzi der Tempelpriesterschaft angehörte. Jereniia hat den Todeskampf Inders mit angesehen und über dem Grabe der Vernichtung ergreifende Klagelieder angestimmt. In seinen Tagen floß Prophetenblut in Strömen, und jedem Worte, das er spricht, stellt sich ein Schwert entgegen, weil er gleich Ezechiel auch Hochachtung für Nebukadnezar empfand, in dem er die Zuchtrute des strafenden Gottes erblickt, der eintritt, weil in Juda ein entsetzlicher geistiger Verfall das ganze Volk ergriffen hat. Der von uns glühend verehrte Jeremia galt bei den jernsalemischen Teinpeltheologen als ein Ketzer, als ein Neuerer, der vom Tempel und Kultus nichts wissen wollte, er war die bestgehaßte, weil unverstandenste Persönlichkeit. Und es ist mit Recht darum nicht hoch genug anzuschlagen, daß Ezechiel, dessen Lust der Duft der Brandopfer und der Weihrauch gewesen, sich selbst geistig bezwungen und überwunden und mit Jeremia im Geiste Gottes wirkte. Fünf und zwanzig Jahre alt wanderte Ezechiel in's babylonische Exil und entfaltete am Flusse Kebar eine Thätigkeit, die nichts weniger als den Aufbau des Zerstörten bedeutet und ein Auferstehen des Toten bewirkte, zumal die Exulanten durch die Donnerpredigt des Jahres 586 geistig geweckt auf die früher verachtete Prophetenstimme zu hören begannen. Ezechiel predigt dem Volke Buße, durch welche allein nur der Weg zum Heile gebahnt werden soll, er wälzt die Schuld des Unglücks aufs Volk und weist nach, daß nicht des Herrn Wege verkehrt waren, wie Viele in ihrer nicht zu brechenden Selbstgefälligkeit meinten, sondern wie jeder nur die Folgen seiner eigenen Sünde trage. Ezechiel hat mit aller Kraft gegen den religiösen und materiellen Dünkel, gegen die Selbstgerechtigkeit angekämpft und predigte über die Strafe als Mittel zum Heile. Nicht sollte der Gerechte sich auf seine Gerechtigkeit verlassen, sie kann brüchig werden, so sie die Probe ihrer Bestandfähigkeit zu bestehen hatte und ebenso sollte der Ungerechte nicht verzweifeln und sich für aufgegeben nnd verloren halten, sondern von Neuem sich zum ©uten mit aller Kraft äufraffen. Die Exulanten mußten durch das Band der Bruderliebe zusammengehalteu werden und Recht thun, die Armen stützen und sich vom Wucher ferne halten, das waren die Hauptgesichtspunkte, von denen aus Ezechiel verbessernd und veredlend auf sein Volk wirken wollte, das er durch gänzliche Abschaffung der Götzen und durch Heilighaltung des Sabbats fest zusammenhalten wollte, der heidnischen Zwingherrschaft gegenüber. Ezechiel hat den Eigenwillen des Volkes gebrochen und hat alle Gebilde eitler Selbstgerechtigkeit und falschen Trostes unbarmherzig zerstört und über das ganze theologische System Ezechiels, den man füglich den Dogmatiker unter den Pro-

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