Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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— 20 — Der zweite Band enthält die Erzählungen: „Der Dorfgeher", „Eine Verlorene", „Trenderl" und der dritte Band im Gegensätze zu den Erzählungen aus der Vergangenheit eine der eigenartigsten Dichtungen Koinpert's „Am Pflug", welche aus dem Leben der Gegenwart geschöpft ist, und in welcher die Frage behandelt wird: „Wie stellt sich das Ghetto zu dem brennendsten Axiom seines Bestandes: zur Ackerbaufrage oder vielniehr zur Besitzfähigkeit? Wer dieses Thema unter der Hand des Dichters niit aufmerksamen Äugen verfolgt, wird gestehen müssen, er habe psychologisch wie politisch die große Schwierigkeit seiner Aufgabe durchaus meisterhaft erfüllet. Der Roman ist, um die Worte eines Beurteilers zu gebrauchen, „ein Roman der Furcht" zu nennen, Furcht mit allen psysiologischen Details, wie sie nur der tiefblickende Verfasser kennt, vor den Schrecknissen eines Unbekannten und Ungeahnten. Die glückliche Lösung tragischer Konflikte befriedigt den Leser und eröffnet ihm eine zukunftsverheißende Perspektive. Die Figur des Knechtes Woytech gehört zu den ergreifendsten Gestalten des Dichters. Der vierte Band „Neue Geschichten aus dem Ghetto" enthält die Dichtungen „Eisik's Brille", „Roßhaar", „Die Schweizerin", „Der Min", „Franzefuß", „Die Prinzessin" und „Jnlius Arnsteiners Beschau." Wir schließen unser Referat, und wünschen, daß unsere Leser durch Ankauf dieser Schriften sich in die Zeiten versenken, die wie sie ihre Leiden gebracht auch ihre humoristische Seite hatten, und aus denen wir ein Stück Geschichte der Juden kennen lernen, das noch kein Historiker beachtet hat. Die Ausstattung ist, wie man es an der bewährten Verlagsbuchhandlung gewohnt ist, geschmackvoll und schön. Der Prophet Ezechiel geschildert von Lic. D. C. H. Cornill, Privatdozent der Theologie an der Universität Marburg und Repetent am Seminarium Philippinum daselbst. Heidelberg, Carl Wiuter's Verlagsbuchhandlung. 1882. In dem engen Rahmen eines klar durchdachten Vortrages bringt uns der Verfasser das Bild eines der erhabensten Propheten, dessen Reden für hie dunkelsten und schwersteil gehalten werden, weil deren Sinn sich dem eifrigen Leser nicht gleich erschließt und erst später bei tiefem Eingehen ihn ebenso mit Entzücken erfüllt, als er ihn anfangs wegen seiner scheinbaren Unverständlichkeit abgestoßen. Es ist das eben das Charakteristische der prophetischen Schriften, daß man mit idealer Stimmung an sie herantreten muß, will nian den mächtigen Flügelschlag rauschen hören, will man ein Stück von dem Geiste erfassen, der die Propheten gewaltig durchzog. Die Propheten, diese Leuchttürme ans dem Meere der Geschichte, das nimmer rastende Gewissen des jüdischen Volkes, sie haben niit ihrem Geistesauge die Vergangenheit durchblickt, die Zukunft durchschaut und daraus die Gegenwart zu gestalten gesucht. Und wahrlich das war kein leichtes Werk, das war nicht Jedermanns Sache, dazu gehörte eine Begeisterung für das Ideale und Göttliche, die nur selten im alten Juda anzutreffen war, wo die gottlosen Könige, die falschen Priester und die Lügenpropheten das Volk verführten und ihm den Weg zum Heile versperrten, und gemeinsam einen festen Bund bildeten, um jedes höhere Streben lahm zu legen und jeden göttlichen Funken auf Erden zu ertöten. Die Propheten sind mit Nichten als Träumer und Schwärmer zu betrachten, die ziellos dahinstürmten, sie hatten ein festes