Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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'i ■» — 14 - welches in bunter oft jäher Aufeinanderfolge den Staat regiert, will in der Schule seinen Ausdruck finden, in dem Erziehungssystem sich und feine Ideale verkörpert sehen. Den Kämpfen der nationalen und politischen Parteien giebt die Schule das vornehmste, wirksamste und mächtigste Schlagwort, ein Schlagwort von blendendem Glanze, welches jede Stimme der Menschen im Munde führt und jedes Echo der Welt widerhallt, welches alle Sympathieen und alle Huldigung der Völker an sich gebracht hat. Von den Liberalen angerufen, von den Nationalen begrüßt, von den Conservativen zurückersehnt ist die Schule das Zauberwort, welches die Massen bewegt und fortreißt. Ihr Schlachtruf erfüllt selbst die Lauen und Lässigen mit regem Eifer, entzündet die Kiihlen und Erkaltenden zur flammenden Begeisterung, zieht die Ruhigen und Gleichgültigen mit in den erbitterten, nimmerendenden politischen Kampf; sie wird zur Fahne der widersprechendsten Bestrebungen. Ausgang und Mittelpunkt alles Fortschrittes ist sie die bewegende Kraft unseres Zeitalters, welches von ihr seine Physiognomie, seine Originalität, seine Macht und seinen Glanz erhält. Einer liebenswürdigen Einladung von Seite der verehrten Leitung des Deutschen Schulvereines, Ortsgruppe Floridsdorf, habe ich es zu danken, wenn ich Sie, meine hochverehrten Damen und Herren von dem Schulwesen bei den alten Völkern, in Berücksichtigung speziell der Fragen, welche im Flusse der öffentlichen Discussion sich befinden, diesen Abend unterhalten darf. Ich weiß die mir erwiesene Ehre um so höher zu schätzen, als ich vor wenigen Wochen die an mich ergangene Einladung, Ihrem Vereine als Mitglied beizutreten, zu meinem Bedauern und sicherlich nicht aus Indifferenz ablehnend beschieden habe. Zähle ich also auch nicht zu Ihren Mitgliedern — heute sehen Sie mich in Ihrer Mitte; diesmal folgte ich Ihrem Rufe willig und freudig. Mögen politische und nationale Ziele uns weit auseinander führen: auf dem Boden der die Geister befreienden Wissenschaft werden wir uns stets zusammenfinden; in dem gemeinsamen Streben nach Bildung und Erkenntnis können und wollen wir uns die Hände reichen. Ich lade Sie ein, all' den unleidlichen politischen und nationalen Hader, welcher die Gemüter verbittert, eine ruhige und unparteiische Würdigung der Vergangenheit hindert, für eine kurze Weile zu vergessen; aus der staubbedeckten, parteizerklüfteten Gegenwart voll widriger, religiöser Zwietracht und niederen Racenhasses mich zu begleiten in eine altersgraue ehrwürdige Vorzeit, dahin der Lärm der Parteien nicht dringt, in die lichten Morgenstunden der Geschichte, in die heiter frohe Jugendzeit des Menschengeschlechtes. Die Geschichte der Elementarschulen gleicht dem Laufe eines breiten Stromes, welcher von zahllosen mächtigen Nebenflüssen gespeist wird, sich in eben so zahlreiche Arme zerteilt, dessen Lauf genau zu verfolgen, und auch nur in äußerster Kürze zu skizzieren in dem Rahmen eines einzigen Vortrages nimmermehr gelingen kann. Wenn wir dementsprechend in weiser Beschränkung die für die Kulturentwickluug der Menschheit weniger wichtigen Völker aus dem Rahmen unserer Betrachtungen ausscheiden, und unser Augenmerk blos jenen Staaten des Altertums zuwenden, in deren Erbe die Vorsehung die europäische Völkerfamilie eingesetzt hat, so werden wir zunächst durch ein gradezu frappirende Wahrnehmung überrascht. Die Geschichte scheint in Antithesen zu reden, die schrillen Übergänge zu lieben und an Widersprüchen besonderen Gefallen zu finden. Das innerlich Gegensätzliche bildet oft den Typus historischer Erscheinungen. - Jene Völker