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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-01-01 · Heft 1 (1.1.1884) · p. Seite 12

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 1 (1.1.1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 hieher verpflanzt wurden'), nach freiem Ermessen, als wären sie die eigentlichen Besitzer des Landes, ausgebreitet hatten. Ohne Kampf wäre dieses kaum möglich gewesen, doch da Scheschbazar im Namen des Königs auftrat, ward es leicht, die Eindringlinge zu bewegen, den Exulanten ein Gebiet von etwa 5 Meilen im Umfange von Nord nach Süd und ebenso von Ost nach West, von Jerusalem aus gerechnet, zu überlassen. Die Verteilung und Besetzung des Gebietes gieng auf Grundlage der auch im Exile fortgeführten Geschlechtsregister vor sich. Die alte Einteilung, nach der sich die Gliederung des Volkes in Babel vollzog, Ez. 14, 20, 1 wurde beibehalten. Die Stammhäuser, an deren Spitze Familienhäupter standen (Esra 4, 2, 3) tvurden nach altpatriarchalischer Sitte als selbständige unmittelbare Instanz für innere Angelegenheiten beibehalten und die Zwölfzahl als Ideal des altisraelitischen Volkslebens wieder ausgenommen; (vgl. Esra 6, 17; 8, 16; Apoc. 7, 5—8; vgl. auch Esra 2, 2, wo nach Neh. 7, 7 ein Name ausgefallen ist.) Die Ansiedelung als Ganzes, welche „medina“, die Provinz schlechthin genannt (vgl. Esra 2, 1; Neh. 7, 6) und in „kikar“ Kreis und „pelech" Bezirk (Neh. 3, 22; 12, 28) eingeteilt wurde, stand unter einem vom persischen Hofe gewählten (Esra 4, 8; 5, 6; 6, 6; Neh. 2, 9), häufig einheimischen Pascha, der auch den Namen Tirschata führte (Hag. 1, 1, 4; 2, 2, 21; Esra 2, 63; Neh. 5, 14, 18; 8, 9; 10, 2); Edle und Vorsteher (Neh. 2, 16; 4, 19; 5, 7); Bezirksbeamte und Richter (Neh. 3, 9, 14, 15 und Esra 7, 25) bildeten die Verwaltungsorgane, zugleich die Vertretung der Volksgemeinschaft. Sobald die ersten sozialen Einrichtungen getroffen waren, trat die Gemeinde zur Wahl der leitenden Organe zusammen. Die Kräfte, die den Mittelpunkt des vorexilischen Volkslebens bildeten, sollten wieder in den Vordergrund treten: das Haus David's, das in Serubabel und das Haus Ahron's, das in Josua, der nunmehr Hohenpriester wurde, den Vertreter gefunden; weltliche und geistliche Macht sollten vereint das iMe Leben anbahnen und ihm nach außen und innen Festigkeit verschaffen. Inzwischen war dersiebente Monat angebrochen (Esra 3,1 ff.), das Volk versammelte sich in Jerusalem zur gemeinschaftlichen Begehung der Festzeit. Auf altem Grunde wurde ein Altar errichtet und das Laubhüttenfest nach vorgeschriebener Satzung gefeiert. Allerdings hatten sich die Kinder der Gola in der Verbannung von einer gemeinsamen Stätte der Gottesverehrung emanzipiert und durch die Verhältnisse es gelernt, den Mangel ail Opfern verschmerzen; dennoch aber trat in der neuen Gemeinde das Bedürfnis hervor, als reale Gemeinschaft ein einigendes Band zu besitzen, welches das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit — demselben Zwecke hatte einst auch das Salomonische Heiligtum seine Entstehung verdankt — nähren und festigen sollte. Auch tveckte die Freude, da die Kinder der Gola sich nach langer Zeit durch einen gemeinsamen Gottesdienst geeint sahen, noch stärker die Sehnsucht nach dem Heiligtum, und so traten die Vertreter der neuen Gemeinde bald mit den Thriern in Verhandlung, die wieder, wie zu Zeiten Salomo's, den Tempel bauen sollten. Schon im zweiten Monate des zweiten Jahres nach der Rückkunft au§ Babel wurde der Grundstein zum Gotteshause gelegt. Die Priester, umgeben von der dienenden Levitenschar, hatten wieder ihre Prachtgewänder angelegt, die Sänger stimmten heilige Lieder an mit dem immer wiederkehrenden Refrain „danket dem Herrn, er ist gütig; ja ewig ist seine Gnade!" und die versammelte Menge fiel voll Jubel in den Ge- ') Ueber Osnappar Esra 4, 10, der mit Asnrbanipal identisch ist, vgl. Schräder a. a. O- S. 238, s. Rosenzweig a. a. O. S. 46.

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