Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7 Nehmen wir „Apion" her, dieses Kulturbild, das die Aufmerksamkeit der gebildeten Welt auf sich lenkt, und lernen wir Juden bewundern, die Juden des ersten christlichen Jahrhunderts und bedauern die Juden des 19. Jahrhunderts. Oskar Waldeck. Aas babylonische Grit und das Jahrhundert nach demselben mit besonderer Werückstchtigung auf die religiöse Entwicklung des Judentums. Von vr. Adolf Rofenzrveig, Rabbiner in Teplitz. An einem Feste, da dunkle Nacht über Babel ausgebreitet lag, seine Bewohner aber vom Taumel der Sinnlichkeit erfaßt waren, „der Tisch gedeckt, die Decken ausgebreitet, sie essen und trinken" (Jes. 21, 5), stürmten die rastlosen Schaaren derPerser in die leichtsinnige Stadt und von Mund zu Mund gieng die Schreckenskunde: Es fällt, es fällt Babel! in Brand steckt man die Wohnungen, erbrochen werden ihre Riegel (Jer. 50, 30), zerschmettert sinken die Götzen zu Boden und Läufer um Läufer eilt, Bote um Bote, Kunde zu bringen dem Könige von Babel, daß seine Stadt erobert worden (der König weilte also zur Zeit nicht in der Stadt), „die Übergänge sind eingenommen, die Seen aufgezehrt vom Feuer (Beziehung auf das Ableiten des Stromes) und erschrocken sind die Kriegsleute (Jer. 51, 31f) *). So war denn das stolze Babel gesunken, der glänzende Stern, der Morgenröte Kind, war gefallen, und freier atmete Israel auf. Wie ein Wunder mußte die in ungewöhnlicher Art erfolgte Einnahme der gewaltigen Stadt auf die Exulanten wirken und je mehr die Tagesereignisse besprochen wurden, desto geschäftigter zeigte sich die leicht entzündbare Phantasie; die längst verschollenen Geschichten, die über den Auszug aus Egypten im Munde des Volkes lebten, verjüngten sich und mit ihnen die Gewißheit, daß Gott die Kinder Zijon's, wie einst die Ahnen, mit Wunderzeichen durch die Wiiste nach Kanaan führen werde, (Jes. 63, 11f vgl. Jes. 40, 3, 4; 41, 17—20; 48, 20, 21; 49, 19, 20; 50. 2; 55, 12, 13); alle Elemente sollen sich wieder in den Dienst des Volkes, ‘) Jeremia 50 und 51 sind Zusätze späterer Hand und stammen aus der Zeit der Eroberung Babels. Ihren Schluß bildete wol ursprünglich 51, 58. Erwiesen wird die Annahme eines andern Verfassers durch die topographischen Angaben 51, 27, 32/ 50, 16s; auch kennt der Verfasser genau Babels Götterwelt 50, 2, 38 und gehört nach 51, 10 zu den Exulanten. Ebenso zeigt der lebhafte Ausdruck der Wünsche und Hoffnungen die Aufregung in den Gemütern jener Zeit, vgl. 50, 14, 21, 26, 27, 29; 51, llff, 27ff. Man hat es vielfach versucht, für die Kap. die Autorschaft Jeremias zu retten; allein bedenkt man, daß uns der Inhalt derselben in die Zeit des Cyrus führt, Jeremia aber sein Prophetenamt bereits im 13. Regierungsjahre des Josia, um 627 antrat, diese Weissagungen also ein Alter von 90 Jahren voraussetzen, so wird dessen Autorschaft kaum mehr verteidigt werden, zumal seine Wirksamkeit ihn nie nach Babel führte. Hingegen kann die Abhängigkeit der zwei Kap. von dem eigentlichen Buche Jeremia nicht geleugnet werden, vgl. 50, 40 mit 49, 18, ferner 50, 41, 42 mrt 6, 22, 23; 50, 44-46 mit 49, 19, 21 u. 51, 15—19 mit 10, 12—16. Jos. ant. 10, 5, 1 spricht von zwei Büchern Ezechiels; ob wir nicht in Jer. 50 u. 51, Teile dieses zweiten Buches, von dem uns nichts bekannt ist, vor uns haben?