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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-01-01 · Heft 1 (1.1.1884) · p. Seite 6

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 1 (1.1.1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 plündert und jubelt dem Apion entgegen, der als Erlöser der alten Götter den zweiten Homer sich nennen läßt. Und wer war Apion? Seneca nennt ihn den Marktschreier, Plinius die Posaune des eigenen Ruhmes. Ein Mann, der dem abergläubigen Pöbel viel Abenteuerliches zu erzählen wußte, der Lügen ersann, um dem ungebildeten rohen Haufen zu gefallen. Nach Alexandrien ruhmbegränzt zurückgekehrt, fand er im Museum Philo glänzen, den Mann Alexandriens, den Juden, der mit der biblischen Idee im Herzen, mit seinem philosophischen Wissen Herz und Gemüt beherrschte, die Geister regierte. Da benützte er die schwache Regierung des Statthalters Flaccus, Judenhetzen zu provocieren, um die Feinde des Heidentums zu vernichten. Wer waren die Feinde des Heidentums? Der Jude Philo war's, dieser wahre Jude, dieser zweite Plato und der Essenerorden, aus den« das Christentum hervorgegangen. War Apion nicht der erste Antichrist und das beste Vorbild unserer modernen Antisemiten? Gegen wen kämpfen diese Männer? Sind das die Volksbeglücker, die Missionäre des wahren Christentums, die Vertreter des hohen biblischen Gedankens? Oder waren jene Essener keine Apostel des Christentums? Schlagen wir auf das Neue Testament, die Apostelgeschichte K. 18, V. 24. Wer war jener Jude Apollos, der aus Alexandrien nach Ephesus kani, und dort predigte, jener Jude, „der beredt, mächtig in der Schrift und unterwiesen war im Wege des Herrn, der trotzdem Jesu nicht kannte?" War dies kein Essener? Lesen wir das Kulturbild „Apion," das soeben erschienen, und wir finden Aufschluß. War dieser Jude Apollos kein Christ? War dieser Christ, Apollos kein Jude? Lassen wir die Schattenbilder Apions, die Generation der Antisemiten, die nicht aussterben wird, da die biblische Idee eine ewige unverwüstliche Wahrheit, ewig ihre Vertreter, also Juden haben wird, lassen wir jene Herren, die, da sie im Großen nichts leisten können, im Kleinen wüten und zerstören. Sie sollen toben, sich kühlen, das Judentum besteht und kann nicht untergehen. Aber Männer wie Philo müssen wir haben, Prediger, die wie er erhaben über den Zeitenströmen glänzen und als Lichtbild in die Welt hineinragen. Wir müssen Gemeindevertreter wie Onias besitzen, die unerschütterlich, wie eine feste Säule dastehen und rufen: „Hinwegschreiten über die Schwachen und Matten, über die Feigen und Halben." Wir müssen abschütteln den Staub so vieler Jahrhunderte, die Mumie begraben und den Geist erhalten, den Geist der ewigen Offenbarung. Wir müssen die Bibel in deutscher Sprache, wie unsre Jugend sie braucht, in Haus, Schule und Tempel einführen. Wir müssen die Schatten des Ghettolebens aus unsrer Mitte bannen und durch den Geist der wahren Bildung ersetzen. Groß ist die biblische Idee und ruht auf der breiten Grundlage eines edlen feingebildeten Gemütes. Diese Idee muß zu Fleisch und Blut werden, sie muß erzogen werden. Darum müssen wir Lehrer haben und keine Gedankenkrämer. Wir müssen die schwersten Opfer bringen um Schulen, die einzigen Pflanzstätten dieser Idee, zu gründen. In Galizien versiecht und verkümmert das Judentum, bei uns wird der Religionsunterricht feilgeboten und jeder beliebigen Creatur i'iberlassen. Da spart und kargt man, und giebt das Judentum preis. Da giebt es Männer, die ängstlich jeden freien Zug bewachen, Maschinen anlegen, um gewaltsam die Gebilde des Ghettolebens fortzupflanzen. Der Ernst fehlt, es fehlt die Begeisterung, es fehlt an Festigkeit, es fehlt der Entschluß.

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