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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-01-01 · Heft 1 (1.1.1884) · p. Seite 8

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 1 (1.1.1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 der nach seiner Anschauung mit dem Dienste Gottes zusammenfiel, stellen; die Neuschöpfung des Himmels und der Erde (Jes. 95, 17), eine Vorstellung, die mit der Idee vom „Tag Jahve's" in Verbindung stand, sollte vor sich gehen und auf dem Boden der neuverjüngten Welt das Volk Gottes, das er sich aus den Trümmern der alten Welt rettet, in neuem Glanze erstehen. Mit dem Falle Babels im Sommer 538, welches Jahr als das Erste der Regierung des Cyrus über Babel gilt (Beros. Fragen. 15 ed. Müller), war das Schicksal des Reiches, seiner Vasallenländer und Provinzen besiegelt — der Despotismus hat noch nie Begeisterung für Heimat und Dynastie in dem Herzen der Völker geschaffen; nur die Freiheit allein vermag ein Erglühen für vorhandene oder eingebildete Güter Au erzeugen; darum hat der Despotismus nie ein wahres Volkstum geschaffen — in Asien lösen sich Reiche und Völkerschaften rasch mit einander ab — während die Freiheit im Volkstum, wie sie bei Israel vorhanden gewesen, lebendige, unverwüstliche Keime treibt. Der größte Teil der Provinzen unterwarf sich bald freiwillig; nur Gaza stellte sich dem mächtigen Sieger feindlich entgegen. Aber gerade die Länder diesseits des Eufrat (Abar nahara), von den Griechen Syrien genannt, hatten für Cyrus besondere Wichtigkeit, da sie der eigentliche Schlüssel zu den Pforten Egyptens waren, dessen Äesitz ihn umsomehr reizte, als es nun die einzige Macht war, die über ihre Selbständigkeit aufs Eifrigste wachend, seiner Eroberungslust Schranken setzte. Und dieser Umstand mag wol namentlich auf den Entschluß Cyrus', den Israeliten freien Abzug nach ihrer Heiniat zu gestatten, eingewirkt haben; er wollte einen ziemlich großen Volksstamm an der Grenzscheide' zwischen Asien und Afrika durch Dankbarkeit an sich ketten, um in ihm eine sichere Basis für seine beabsichtigten Operationen gegen Egypten zu besitzen. Jndeß muß hier zuni Ruhme der Völker des Altertuins konstatiert werden, daß ihnen der wilde, ungebändigte Fanatismus, die ungezügelte Rohheit, die die sogenannten Culturvölker des Mittelalters charakterisiert, vollständig abgieng; vielmehr bekundeten die Eroberer den Besiegten gegenüber häufig eine ganz merkwürdige Toleranz in Betreff deren Cultur, Glauben und Volkseigentümlichkeiten. Zumeist begnügten sie sich mit der Huldigung und Leistung des schuldigen Tributes, den die Unterworfenen häufig selbst bestimmen konnten; ja nicht selten unterstützten die Sieger die Heiligtümer der eroberten Provinzen, allerdings in der Absicht, sich die Gunst deren Götter zu erwerben *)• In den Wohnungen der Exulanten herrschte indessen fieberhafte Aufregung, denn noch war die Freiheit nicht verkündet Die Führer des Volkes werden wol nicht unthätig, vielmehr bestrebt gewesen sein, ans bem Umschwünge der Verhältnisse für sich Nutzen zu ziehen; allein die Verhandlungen mit dem ruhelosen Könige zogen sich in die Länge und sein Auftreten als Messias des Volkes ließ lauge auf sich warten. Schon feuerte der ungeduldige Prophet das Volk an, die Gelegenheit zu benutzen und sich selbst die Freiheit durch die Flucht zu verschaffen: „Ziehet aus Babel, *) Vgl. das allerdings idealisierte Bild Xenophons von Cyrus in Cyri inst. 8, 8, X; 8, 2, 7; Aeschylos, Persae 768—770. Die Inschrift eines Ziegels von Sentereh bezeich Kyros als Erhalter des großen Tempels des Merodach in Babel. Trans, bibl. Arch. 2, 148: ebenso wird er als Erhalter des Nebotempels zu Borsippa gefeiert. Kambyses wird als Wiederhersteller des Neithdienstes zu Sais gepriesen, und Darius soll gleich nach seiner Thronbesteigung Boten nach Egypten gesandt haben, um für die Wohnung der Götter und deren Feste Sorge zu tragen. Vgl. Dunker, Gesch. IV. 530 ff. Mit Unrecht bestreitet daher Grätz (Gesch. HB. 100 Änm. 1) die Authentie einzelner Stellen in den B. Esra, Anstoß nehmend an den Berichten von der Freigibigkeit der Könige in Kap. 6 u. ö. Das Nähere in meinem demnächst erscheinenden Kommentar zu Esra u. Neh.

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