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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-01-01 · Heft 1 (1.1.1884) · p. Seite 5

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 1 (1.1.1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 spielten, verbreiteten einen Hellen Schimmer, der die Nacht des Heidentums erleuchtete und die Schatten in ihrem Frieden störte. Philo war ein Jude, er war, wie die Griechen ihn nannten, ein zweiter Plato. Die Theologen hören diesen Namen nicht gerne und fürchten, wenn ein Christ Stellen aus Philo's Schriften hervorholt. Sie wollten ihn vergessen, wollten ihn verdunkelt haben, nachdem er ein Jude gewesen. Und doch finden wir nur wenige Philosophen, die so rein und lauter, mit solcher Klarheit den edlen Kern der menschlichen Natur aus sich hinausgetragen haben. Die Macht seiner idealen Anschauung, die er aus der biblischen Idee geschöpft, in diesem Prinzipe alles fühlend und denkend, hat fortgewirkt und eine neue Zeit erbaut, eine Zeit, die wieder untergehen mußte. Welch' Wunder, wenn eine solche Lichtgestalt, wie Philo,' der zahllose Jünger begeisterte, so viele Seelen klärte, mit feinem edlen und warmen Herzen beglückte, viele kleinen Geister, die neben ihm in den Staub sanken, zu Feinden sich gemacht! — Das ist das traurige Loos edler Männer. Die wahre Erkenntnis hat in der großen Zahl ihrer Vertreter nur Wenige, deren Herz gebildet, deren geheimnisvolles Innere geläutert, deren Gefühlsleben vergeistigt, geklärt im Bewußtsein erscheint. Das Wissen liegt wie eine schwere Last in der Seele und drückt sie nieder, oder kultiviert die Schwächen der inenschlichen Natur. Das erziehende Moment des Herzens und des Gemütes ist der reine biblische Gedanke. Das ist das Diadem des jüdischen Geistes, das ist die Erscheinung der Offenbarung, die immer wieder das Völkerherz bekehrt, umbildet und neu belebt. Mit Philo taucht dieser Geist der Offenbarung in der Form der Platorischen Idee wieder auf und erhält den kosmopolitischen Ton, die Sprache der Zeit. Wir hören in Alexandrien die Inden in ihren Synagogen griechisch beten, die Bibel in griechischer Sprache lesen. Darin unterscheiden sie sich von den palästinensischen Juden. Und auch in Palästina sehen wir vor Aristobul bereits eine Sekte entstehen, die mit den Alexandrinern übereinstimmt, sich vom Ceremonialgesetz lossagt und zur Bibel zurückkehrt. Den Zersetzungsprozeß hat die griechische Philosophie eingeleitet und Jahrhunderte hindurch ausgebildet, Philo war der rechte Mann, Alexandrien der Boden, wo das Judentum verjüngt und rein in seiner Klarheit wieder erstehen sollte. Der Essenerorden, den Philo begünstigt in seinem Unternehmen gefördert hat, obgleich er selbst aus Pietät für die alte Tradition nicht zu den Essenern gehört, war der Sendbote der Idee, die von Philo's Geist getragen ward. Aus diesem Essenerorden ging das Christentum hervor. Davon wollen die Theologen nichts wissen. Sonst wäre Philo der Begründer und das Verdienst darf ein Jude nicht haben. Und doch ist es so.— Wozu auf Irrfahrten den Geist führen, wenn die Straße frei und eben? Schon Eusebius zählt die Essener zu den Christen. Das ganze Wesen dieses Ordens gibt Zeugnis dafür. Das Bild, das Philo selbst und von dieser Sekte liefert, veranlaßt den Kirchenvater Eusebius, Philo mit dem Apostel Petrus in Rom zusammenzuführen. Die Vertreter des Heidentums erkannten die große Gefahr, die von diesem Orden der alten Götterwelt drohe. Apion, der Grammatiker, der neben Philo wie ein Schatten im Museum zu Alexandrien einherschlich, nahm seinen Homer zur Hand und wanderte durch die Welt, um das gesunkene Ansehen der alten Götter wieder herzustellen. Vergebens zieht er gegen den Essenerorden los, vergebens bemüht er sich dem geistigen Strome sich entgegen zu stellen. — M rüttelt die Feinde des neuen Judentums auf, bewaffnet den Pöbelhaufen — der

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