Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 heitseifer, von lichtem Verständnis, von Treue des Herzens, da, wo es um unsere heilige Lehre sich handelt, gar wenig zu merken ist. Ja, so Manche, die sich zu unseren Vorkämpfern gemacht, sind seid Jahr und Tag nicht müde geworden, in den anderen Religionskreisen Fehler, Schäden und Jrrtümer hervorzukehren, sie in Schatten zu stellen, ohne deshalb im eigenen Herzen auch nur einen Funken der Liebe zur Lehre Israels zu bewahren. Das ist keine gerechte und edle Kampfesweise, das ist nicht der Weg, auf dem wir siegen können. Im Geiste des Judentums liegt es keineswegs, Haß und Unduldsamkeit gegen andere Religionen zu erregen, besonders gegen die, die Zweige seines Stammes sind, Ströme, die aus seiner Quelle hervorgegangen sind. Im Gegenteile. Wenn jene beiden Religionen, die als die Sendboten des Judentums nach dem Westen und nach dem Osten hinausgezogen sind, zu Festigkeit und Blüte gelangen, so ist es der jüdische Geist, der durch sie in das Herz der Menschheit hineingetragen wird, sie sind,, „die zwei Röhren," die aus der goldenen Schale des Judentums das köstliche Ol ausgenommen und aus denen das herrliche Licht der ewigen Gotteslehre sich über die Gefilde der Völkerwelt ergießt. Wir haben kein Recht' und haben keine Ursache, diesen Religionen den Boden streitig zu machen, es bleibt uns noch Raum genug übrig für unfern Bestand, wenn die auch über alle Welt sich ausbreiten sollten. Uebrigens haben wir wahrlich genug im eigenen Hause zu thun! Das ist nicht die beste Haushälterin, die, statt um das eigene Hauswesen sich zu kümmern, imnier über die Unwirtschaft loszieht, die in anderen Kreisen vorhanden ist. Gegen die Verderbnis und Verkehrtheit, die auf dem Boden des Judentums sich breit macht, sollen wir unsere Stimme erheben, das Unkraut ausjäten, das auf unserem Acker die edle Pflanzung der göttlichen Wahrheit überwuchert; unser Heiligtum müssen wir säubern, da wieder die rechte Weihe Herstellen und das reine Licht entzünden und wieder angehören unserem Gotte in des Herzens Treue und Erfurcht. Das ist der Boden, auf dem wir zu wirken haben. Nein! Wir können nicht siegen, wenn wir den Sieg nicht verdienen, wir können nicht bestehen, wenn wir den inneren Verfall immer tiefer einreißen lassen, anstatt uns aus ihm zu erheben. Der Geist der Wahrheit muß wieder in uns wach werden, Heiligkeit der Gesinnung wieder unsere Herzen erfüllen. Werft das unreine verdorbene Oel der Liige und Tücke aus euren Heiligtümern heraus und weiht euch dem ewigen Gotte im heiligen Dienste der Treue und der Wahrheit! Dann wird das Licht Israels wieder in hellem Glanze erstrahlen, es werden die Schatten weichen und die Nebel entschwinden, verstummen wird der Haß und schweigen wird die Bosheit, denn das Wort Gottes zieht erlösend durch die Welt dahin bis einst die ganze Menschheit sein Heiligtum ist, darin er thronet in seiner ewigen Weisheit und Liebe. Antisemit I.*) Die Glanzperiode feierte das Judentum zur Zeit Philo's. Das war eine schöne Zeit. Die Lichtstrahlen, die von Alexandrien nach Osten und Westen hin *j Apion, ein Kulturbild aus bei« erste» christlichen Jahrhundert (Wien bei Alfred Hölder t883).