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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-01-01 · Heft 1 (1.1.1884) · p. Seite 3

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 1 (1.1.1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 daß diese Erinnerung für uns veraltet sei? Wo sind denn die neuen Gedanken, die wir in uns erweckt haben, wo sind denn die besseren Anschaungen, die in uns lebendig geworden sind? Wenn solche Betrachtungen nicht mehr den rechten Anklang in unserin Herzen finden, so ist das keineswegs als ein Beweis dafür anzusehen, daß ihr Inhalt für uns zu dürftig und unbedeutend wäre, sondern vielmehr ein trauriges Anzeichen daran, daß in unserer Mitte die Geister arm geworden sind und Kälte und Oede die Gemüter bedeckt, ein nicht wegzuläugirender Beweis, daß wir taub geworden sind gegen die Stimmen der Zeiten, gegen die Lehren der Geschichte. Oder sind denn die Zeiten etwa anders geworden? sind die Waffen, die man von jeher gegen Israel zu führen gewohnt war, sämmtlich weggeworfen und zu Werkzeugen des Friedens umgeschmiedet worden? Werden sie nicht alle wieder aus den Rüstkammern der vergangenen Jahrhunderte hervorgeholt und zum Streite erhoben? Nicht Pharao und Haman nimmt man sich zum Vorbilde, nicht mit den Mitteln heimtückischer Ueberlistung und roher Gewaltthätigkeit will man gegen Israel Vorgehen, nein! Antiochus ist der Lehrmeister unserer Gegner geworden. Im Namen des Rechtes, des Fortschritts, der Wahrheit, der Religion will man gegen Israel zu Felde ziehen. Das Judentum, erklärt man, sei ein überwundener Standpunkt, ein Hemmschuh auf dem Wege der Entwicklung zum Bessern und man habe es schon viel zu lange geduldet, daß dieses finstere Gespenst am helllichten Tage unserer nach Fortschritt ringenden Zeit auf den Gefilden der Menschheit einherwandele. Der Kampf ist zwar bis jetzt noch nicht offen entbrannt, aber die Herzen sind vom Feuer des Hasses erglüht, von brennendem Eifer entzündet. Unter der Oberfläche kocht es--gewaltig, schon sehen wir den finsteren Qualm emporsteigen, die Flammen lodern auf, die Funken fliegen hervor und der Sturm trägt sie nach allen Richtungen hin, da und dort fällt die feurige Saat der Verfolgungssucht in die Herzen hinein und wer weiß, ob wir nicht plötzlich mitten im Kampfe stehen werden, auf allen Seiten von bewaffneten Feinden umringt? Ist es da nicht Zeit, daß Israel sich rüstet und wehrhaft macht, damit es am Tage der Entscheidung dem Feinde sich gewachsen zeige? Nun, welches ist die Rüstung, die wir anlegen, welches sind die Waffen, mit denen wir in den Kampf ziehen sollen? Der Prophet hat es uns längst gesagt, und die Geschichte aller Zeiten hat es bestätigt: Israel, dein Glaube, deine Kraft, deine Lehre ist deine Waffe, der Gottessinn ist dein Schild, der dich panzert und schützet, der Gottesgeist ist dein Schwert, das dir beisteht und dir Rettung bringt. Die Makkabäer mit der geringen Anzahl ungeübter Streiter, die sich um ihre Fahnen gesammelt, hätten unmöglich aus dem Kampfe gegen den zehnmal stärkeren Feind siegreich hervorgehen können, wenn es nicht die gute Sache gewesen wäre, für die sie eingestanden sind, der göttliche Geist der Wahrheit, der ihr Herz erhob und ihre Seele erfüllte. Alle Menschenmacht vergeht, wenn sie gegen das Göttliche ankämpft und auf den Trümmern des zerstörten Heiligtums ihre Siegesteinpel aufbauen will. Wo Gott ist, da ist das Recht, da ist das Licht, der Sieg und der Friede. Wir können den Angriffen, die gegen uns gerichtet werden, den Anfeindungen, denen wir ausgesetzt sind, nicht anders begegnen, als wenn wir unseren Widersachern zeigen, daß Israel noch ein Recht des Bestandes hat inmitten der Menschheit, daß ein höherer Geist in ihin lebt und Gott noch geheiligt und geehrt wird in unserem Thun. Es ist bedauerlich, und wer die Wahrheit liebt, darf darüber nicht schweigen, daß von dem makkabäischen Geiste, von edlem Gottessinne, von heiligem Wahr- 1*

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