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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-12-01 · Heft 12 (1.12.1883) · p. Seite 286

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 12 (1.12.1883)
Date
1883-12-01
Page
Seite 286 (sequence 22)
Language
German
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286 Festen die Synagogen verließen und an die Ufer von Gewässern eilten, um daselbst zu beten. Auch Paulus gedenkt dieser Sitte und erblickt Wünsche mit Recht in der Taschlichceremonie am Neujahrsnachmittage, die heute noch in gewissen jüdischen Kreisen üblich ist, ein Ueberbleibsel dieser alten Sitte. Erzählt uns die rabbinische Literatur von einem Räthselwettkampfe zwischen Salomo und einer fremdländischen Königin, so berichtet Josephus von einem ähnlichen Geisteswettstreite zwischen dem weisen jüdischen Könige und Hirain von Tyrus, dem Abdemon zur Seite gestanden. Der Verfasser wendet sich, nachdem er noch auf die dem Agur ben Jakeh zugeschriebenen Räthsel und auf den phantasiereichen Propheten Ezechiel hinweist, der sich auch dieser Redeweise gerne bediente, zu dem Räthsel im Talmud. Er führt das bekannte Räthsel an: Rab sagte: Der Fischfanger Ada sagte zu mir: Brate den Fisch mit seinem Bruder (Salz), lege ihn in seinen Vater (Wasser), iß ihn mit seinem Sohne (Fischsaft) und trinke ihn mit seinem Vater lWasser). Auch der Midrasch, der literarische Niederschlag der jüdischen Homiletik, enthält Vieles über die Räthselweisheit der Hebräer. So wird in dem Midrasch zu den Klageliedern von den Räthseln berichtet, die ein Athener den Kindern Jerusalems aufgab, um ihre Schlagfertigkeit und ihren Scharfsinn auf die Probe zu stellen. Im Midrasch zur Genesis wird die räthselhafte Antwort Jehudah's des Fürsten an den ihm befreundeten Antonius erwähnt, zu welcher Wünsche eine interessante Parallele mitteilt, in der Aehnliches von Dionysius aus Halicarnaß berichtet wird. Bei den Talmudisten war auch eine besondere Kunstsprache mit Räthselcharakter im Schwünge. So sagt Rabbi Abahu: „Machet die Kohlen orangenfarbig (d. h. machet sie glühend) dehnet die goldschimmernden (d. h. breitet die glühenden Kohlen) aus und bereitet mir zwei Rufer der Dunkelheit", womit er sagen wollte, man solle ihm zwei Hühner bereiten. Aus der mittelalterlichen Literatur weist Wünsche auf Mose Jbn Ezra, Abraham Jbn Ezra, Jehuda Halevi, Alcharisi und Immanuel ben Salomo Romi und deren Schriften hin. Jbn Ezra, dieser Stürmer und Dränger in der mittelalterlich jüdischen Literatur, der seine Stimmung in den Vers gekleidet: Vergebens ist nach Glück mein Streben, Der Himmel will, daß ich verderbe, Wäre Totenklage mein Gewerbe Es stürbe keiner all mein Leben. Wollte ich durch Lichtverkaufen niich heben Es schien die Sonne bis ich stürbe! hat die Nachwelt durch ein wegen seiner Dunkelheit und Schwierigkeit berühmtes Räthsel, das er im Anfänge seines Pentateuchcommentars angebracht, in Athem gehalten,, wie er auch Zahlenräthsel über das Schachspiel verfaßte, die in lateinischer Übersetzung bei Thomas Hyde in seinem Werke äs luäis orisntalibus (Oronii 1694» stehen und neuerdings von Steinschneider in einer Arbeit „das Schach bei den Juden" veröffentlicht wurden. Wünsche geht dann auf Jehudah Halevi und Alcharisi, den jüdischen Hariri, über und auf den Boceaeio der jüdischen Literatur, Jnunanuel ben Salomon Romi, den Zeitgenossen Dantes, und fügt dann als Schluß seiner verdienstlichen

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