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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-12-01 · Heft 12 (1.12.1883) · p. Seite 284

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 12 (1.12.1883)
Date
1883-12-01
Page
Seite 284 (sequence 20)
Language
German
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. -j'-T •■;'*'***&£C& — 284 — die, wie der Talmud richtig hervorhebt, geradezu seinen Untergang herbeigeführt haben, haben nur politische und religiöse Gegensätze mitgewirkt, ein Klassenhaß und eine gegenseitige Bekämpfung von Arm und Reich haben diese Parteikriege nicht noch besonders vergiftet. Wie in dem ersten israelitischen Staate die Regierung des Königs Salomo, so bildete im zweiten, die des Makkabäer-Königs Johannes Hyrkanus den Glanz- und den Höhepunkt. Von da an begann, anfangs langsam, dann immer schneller, der Verfall. Die heftigen und blutigen, religiösen und politischen Parteikämpfe der Pharisäer und Sadduzäer, die Thronstreitigkeiten und Praetendentenkönige der letzten Makkabäer, welche die verderbliche Einmischung der Römer herbeiführten, das tyrannische und mörderische Regiment des nichtswürdigen Herodes und seiner verlotterten Nachkommenschaft, endlich die grausame und blutsaugerische Gewaltherrschaft der römischen Landpfleger ließen das jüdische Gemeinwesen immer tiefer sinken. Auch das soziale Leben der Nation konnte bei diesen unglückseligen Verhältnissen nicht ganz ungetrübt bleiben, die alte Einfachheit der Sitten waren namentlich in der glänzenden Hauptstadt mit ihren von griechischer und römischer Üppigkeit angesteckten Großen und ihrer käuflichen Priesterschaft, verschwunden. Handel und Geldwirtschaft, begünstigt durch den regen Verkehr mit Ägypten und Syrien und die vortreffliche Lage im Hintergründe des Mittelmeeres, hatten immer mehr Überhand im Lande genommen. Hatte doch schon 100 Jahre vor der Zerstörung des Tempels der fromme Hillel als Haupt des Sanhedrins sich gezwungeil gesehen, eine besondere gerichtliche Form von Schuldverschreibungen einzuführen, welche den Gläubiger vor den Folgen des Erlaßjahres schlitzen sollten, indem der Verkehr derartige Einschränkungen nicht mehr duldete. Indessen blieb der Ackerbau immer noch die Hauptbeschäftigung des Volkes. In einem glänzenden Bilde führt uns der Talmud die feierlichen Festzttge vor, in denen die jüdische Bauernschaft, nach Gemeinden geordnet, ihre Erstlingsopfer und ihre Zehnten nach Jerusalem zu bringen pflegten. Musikbanden eröffneten den Zug, es folgte ein Stier mit vergoldeten Hörnern und sodann die Landleute mit ihren geschmückten Gaben und ihrem zahlreichen festlich gekleideten Gefolge, Jubellieder und Hosianah singend. Galliüa, das Jugendland des großen Stifters des Christentllins, war eine Provinz mit einem außerordentlich entwickelten, blühenden Ackerbau. Seine Eingesessenen, obgleich sie so dicht gedrängt wohnten, wie jetzt die Bevölkerung in den industriellen Kreisen Rheinlands und Westfalens hatten sich, nach dem Zeugnisse der Evangelien, den einfachen und idyllischen Charakter ihrer Vorfahren bewahrt. Jerusalem war allerdings eine glänzende Hauptstadt, welche sich in mancher Hinsicht den blühendsten Städten der damaligen Zeit, Rom, Alexandrien und Antiochia zur Seite stellen durfte. Der Tenipel, der Stolz der Station, erglänzte in ungeheurer Pracht; der Gottesdienst in demselben war der großartigste und feierlichste, den die Welt bis dahin und vielleicht auch seitdem nie wieder in ähnlichem Maaße gesehen hat. Alles dies gieng in den, letzten Verzweiflungskampfe der Nation unter. Mit der Zerstörung Jerusalems und des Tempels durch Titus wurde der Staat Palästina und die jüdische Nation als solche zu Grabe getragen, die Juden in alle Welt zerstreut und ihre selbständige Nationalität vernichtet. Nur ihr alter Gvttesglaube, ihr heiliges Religionsgesetz war ihnen geblieben. Seit jetzt 1813 Jahren bilden >vir Juden nur noch eine religiöse Gemeinschaft.

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