Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1883)
- Date
- 1883-12-01
- Page
- Seite 274 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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274 anstalten, die Diener und nicht Männer leiten. Diener sind die Herren, die führen das Wort, nicht jene Ersten, die an der Spitze der Gemeinde stehen. Wer von Euch spricht aus das Wort Echod? Wer von Euch begreift die Hoheit dieser großartigen Idee? Wer begreift von Euch den Wert dieses wichtigen erziehenden Faktors, der durch Jahrtausende hindurch stand und unerschütterlich dasteht. Ihr traget Wasser auf die Berge, daß es versiege. Den Schwerpunkt haben wir verloren, und Alles wankt. Das jüdische Kind hat zu beten aufgehört, weil es das Ideal verloren, es verehrt nichts, weil diese unendliche Einheit keinen Platz in seinem Leben hat. Wir haben keine jüdischen Lehrer, die die wahren Vertreter dieser Idee sein sollen. Wir haben keine Seminarien, die die Pflanzstätte des reinen jüdischen Geistes sind, von der aus die Idee nach allen Richtungen hin sich verbreiten soll. Wir haben keine zeitgemäßen Gebetbücher für Haus und Tempel. Die Jeschiwots haben die mittelalterlichen Auswüchse gehegt und gepflegt und sind dem Verfalle preisgegeben. Anstatt dem Zeitgeiste Rechnung zu tragen, Seminarien zu schaffen, wurden Schulhäuser prächtig schön ausgestattet, mit Lehrern versehen, die ein Zeugnis oder ein Empfehlungsschreiben vorlegen konnten. In diesen Häusern schlägt das edle jüdische Herz nur selten und muß verkümmern. Aus Haus und Schule ist diese Idee verbannt, was soll erziehen helfen? Die biblische Geschichte etwa, die in der Schule gelehrt wird? — Die wird von der allgemeinen Weltgeschichte, die das Kind gleichfalls aufnehmen muß, in den Hintergrund gestoßen. Was bleibt von der Idee des Judentums zurück? Seht auf unsre künftige Generation hin. Wofür soll diese einstehen? Wohin sich flüchten, wenn die Feinde von allen Seiten mit ersonnenen Beschuldigungen auf sie eindringen? Das sehen müssen und schweigen. — Seminarien baut, daß das Judentum mit seiner ewigen Wahrheit einziehe, verschafft euch zuvor Lehrer, deren Herz rein jüdisch ist, Männer die begeistert sind, weil sie die Hoheit ihres Ideals fassen und begreifen, und ein anderer Geist wird in die Schulen einziehen. Wir werden dem Kinde ein deutsches Gebetbuch dann in die Hand geben, es wird hören, fühlen und beten. Wir werden nicht reformieren, sondern den Ansprüchen der Zeit genügen. An einen alten Mantel kein Stück von neuem Tuche setzen, sondern den alten Geist in seiner Reinheit und Klarheit, wie der Prophet Jesaias ihn uns vorführt, wieder leuchten und strahlen lassen, daß er Herz und Seele vergeistige, erhebe. Wien, im November 1883. Oskar Waldeck. Kver die Ackerbau- und soziale Gesetzgebung der allen Juden. Vortrag gehalten in dein Wolthätigkeits-Verein zu Bielefeld am 10. Januar 1881 von dem Rechtsanwalt und Notar Metz zu Bielefeld. (Schluß.) Eine eigentümliche Bestimmung war die, daß der Gläubiger, dem der Schuldner ein Pfand versprochen hatte, nicht in dessen Wohnung gehen durfte, um sich das Pfand zu nehmen; vielmehr mußte der Gläubiger draußen stehen