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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-11-01 · Heft 11 (1.11.1883) · p. Seite 256

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 11 (1.11.1883)
Date
1883-11-01
Page
Seite 256 (sequence 16)
Language
German
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256 „Ehrwürdigster Herr Archimandrit! Ich habe den von Ihnen im „Sion“ vom 29, Juni veröffentlichten glänzenden Artikel über den vielbesprochenen Tißa-Eßlarer Proceß gelesen. Die von Ihrer Feder geschriebenen Worte, welche voll edlen Ünwillens und durchweht von dein Hauche der Liebe und Gerechtigkeit sind, zeigen, daß Sie der würdige Priester einer Religion sind, welche wie jene, aus der sie hervorgegangen, die Liebe zu Gott und unserm Nächsten zur Grundlage hat. Dadurch bewogen fühle ich die Notwendigkeit, Ihnen meine unbegrenzte Bewunderung und zugleich die tiefste Verehrung meiner Glaubensgenossen in Griechenland für Euer Hochwürden auszudrücken. Ich zweifle nicht, daß die von Ihnen vorgetragene unverhüllte Meinung jeden Bekenner der christlichen Religion überzeugen und ihn über die Verleumdung aufklären wird, welche oblgeich tausendmal widerlegt, doch in der Weise der siebenköpfigen Hydra immer wieder niedergeworfen wird und immer wieder erwacht. ' Ich begrüße Sie, ehrwürdigster Herr, im Namen jener brüderlichen Liebe, in welcher wir mit unzerreißbaren Banden durch Ihre und meine Religion verbunden sind. Der Oberrabbiner I. E. Levi. Corfu, 4. Juli 1883." Die Antwort des Athener Archimandriten lautet: „Ehrwürdigster Oberrabbiner Herr Levi! Mit Vergnügen haben wir den aus Corfu unter dem 4. Juli an uns übersandten Brief erhalten, ihn mit Freude gelesen und wir sandten den heißesten Dank zu dem Höchsten für den Fortschritt, welchen mit göttlichem Wolgefallen in unseren Tagen der wahre Geist der Religion herbeiführen kann. Wir danken Ihnen vom Herzen dafür, daß Sie uns die Gefühle der Freundschaft und Liebe ausgedrückt haben aus Anlaß dessen, daß wir einen Artikel gegen die in der christlichen Welt erkannte Lüge und gänzlich unbegründete Verleumdung gegen das israelitische Volk geschrieben haben. Erkennen Sie gleichwol, Ehrwürdigster, daß wir, indem wir dies thaten, keinen anderen Dienst verrichtet haben, als den unserer christlichen Religion als deren unterthänige Diener. Die Geschichte des Menschen bezeugt deutlich, daß der bunteste Aberglaube, die irrigsten Meinungen, die verkehrtesten und trügerischesten Überlieferungen so sehr über den Geist der Menschheit Macht gewonnen haben, daß sie diese für viele Jahre zur Dienerin und blinden Sklavin falscher und verderblicher Principien gemacht haben. Aber unser Heiland Jesus Christus hat die Befreiung der Menschheit aus jener Sklaverei verkündet, welche Befreiung er gestützt hat auf die Erkenntnis der Wahrheit. „Und ihr werdet erkennen die Wahrheit und die Wahrheit wird euch befreien" lEv. Joh. 8, 32). Jeder Aberglaube, jede falsche Überlieferung, jede falsche Meinung ist der christlichen Religion Feind. Da nun wir, Ehrwürdigster, hingestellt sind als geringste Diener unserer Religion, ist es unsere Pflicht mit aller Macht und mit jedem Opfer gegen die Lüge zu kämpfen und der Wahrheit zum Siege zu verhelfen. Daß es aber eine Lüge ist u. z. eine schamlose Lüge und eine allgemein widerlegte und eine vor langer Zeit gegen die christlichen Gemeinschaften selbst erhobene, daß die Juden Christenkinder schlachten und ihr Blut trinken, haben wir mit Wort und Schrift klargestellt und wollen dies immer wieder verkünden, so lange wir auf dieser Erde noch athmen. — Schließlich sprechen wir es Ihnen, Ehrwürdigster, noch^ aus, daß die zwei ausgezeichnetsten Völker, die Juden nämlich und die Hellenen, welche in

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