Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1883)
- Date
- 1883-11-01
- Page
- Seite 255 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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255 Heuchler begrüßen, die Götzendienst mit lächerlichen Riten treiben, die Spuck und Humbug machen und in ihren Maskenfratzen sich gefallen? Sie löschen die Flammen des Geistes in Israel aus und im Dunkel der Nacht sollen Ungeister ihr Wesen treiben nnd das wollen Sie Judentum nennen! Die Halbwissenschaft hat Ihnen den Kern der Religion geraubt und Sie wollen, weil Ihnen nichts übrig geblieben und weil man denn doch als Jude vor der Welt etwas haben muß, Hüllenkultus treiben und mit Ihrer Abbröcklungtheorie heute Judentum nennen, was Sie morgen verlachen. An Schatten wollen Sie sich hängen und das Licht fliehen, den Geist verbannen und Götzendienst mit lächerlichen Formen treiben. Ohne Spur von Riten war Edith, meint Easpi, nur eine Lady wie hundert andere auch, was doch nicht so ganz zutrifft, denn diese hundert anderen halten noch etwas von den von der Ritenlady längst überwundenen Sachen, wie Andacht, Gottesglauben und anderem Unnötigen mehr, so aber macht sie auf die nieder stehenden Juden Effekt und wird als Vorbild verehrt. Weil Easpi die Religion aus dem Judentume streicht, darum macht er Propaganda für thörichte Bräuche. Wir haben lange nicht eine Schrift gelesen, die so recht das Judentum der Gegenwart in Deutschland charakterisiert, wie die Briefe einer englischen Dame. Also da sollen wir ansgelaufen sein! Eine solche Schrift steigert die ohnehin weit genug getriebene Selbstgefälligkeit, und wer auf gedruckte Buchstaben schwört, gerät in Gefahr, um sein Bischen Religion zu kommen. Die Propheten, die man bislang nur lebend getötet, aber tot wenigstens verherrlicht, fängt man jetzt an, in Israel auch tot zu schänden, und solch giftiger Geistessaat entstammt das Unkraut, das den Weinberg zerstört. Wegwenden müssen wir uns von solchem thörichtem Treiben, nicht die Krone uns selber vom Haupte reißen und das goldene Kalb umtanzen. Ja wir werden dann, wenn wir unsere Geistesgüter hoch halten, nicht nur unsere äußeren, sondern die noch gefährlicheren inneren Feinde überwinden, wir müssen uns rühren und rüsten, um entgegenzutreten dem entarteten religionslosen Volke, das auch jetzt wie früher von falschen Lügenpropheten und gewissenlosen Priestern irregeführt wird und nicht soll, wenn auch das jetzige Geschlecht in der Wüste, in der es umherirrt sterben wird, die Jugend um ihr Heiligstes, um ihre Religion betrogen werden. Solche Auslassungen, wie die Caspi's, sind nicht geeignet, das Judentum, welches leider oft mit seinen Trägern identificiert wird, zu Ehren zu bringen. Dieseni Hygieneschwindel müssen wir geistige Gesundheit, Ehrlichkeit, Wahrheitsliebe, Gerechtigkeit, Gesinnungstüchtigkeit entgegensetzen, dann werden wir nicht nötig haben, mit einer Scheinreligion Effekt zu machen und nicht in den Fehler der Pharisäer verfallen, die mit ihrer Pflichterfüllung auch Effekt machen wollten, (Sotah 22a) und Edith wird nicht die Worte R. Josua's über die scheinheiligen Frauen seiner Zeit auf sich beziehen müssen, von welchen er aussagt, daß sie das Menschengeschlecht vernichten. Ein solch' atheistischer Ritualismus und prophetenschänderischer Religionsmaterialismus hat kein Recht des Bestandes innerhalb des Judentums und ein solches hätte den Beruf aufgegeben, das Licht der Völker, der Lehrer der wahren Religion auf der Erde zu sein. Wir müssen hüten die Flamme des Geistes, das heilige Feuer auf dem Altäre erhalten, daß es nicht untergehe. Wir schließen dieses Referat eines westlichen Briefwechsels mit einem Briefwechsel, der vom Osten kommt, zumal der Reinertrag des westlichen Briefwechsels für die Opfer von Tisza-Eszlar bestimmt ist, welches Ereignis den östlichen veranlaßte. Der Brief des Corfuer Rabbiners lautet: