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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-11-01 · Heft 11 (1.11.1883) · p. Seite 253

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 11 (1.11.1883)
Date
1883-11-01
Page
Seite 253 (sequence 13)
Language
German
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253 und habt nicht gehuldigt der eitlen Scheinweisheit der gottvergessenen Könige, der Lügenpropheten und der falschen Priester, Ihr habt die Mission des Judentums nicht verstanden. Und wenn wir auf die letzte geschichtliche Entwicklung des Judentums zurückblicken, wie müssen wir die Männer wie Moses Mendelssohn, Luzatto, Geiger, Einhorn, Rappoport, Zunz u. Awegen ihrer Untätigkeit verdanimen. Es waren eigentlich träge Menschen und ihnen untreu werden, was ja die Signatur des Judentums der Gegenwart in den deutschen Gemeinden bildet, und den Mammon bewundern, unter den Völkern eine Abnormität bilden, materialistische religions-zerstörende Tendenzen verbreiten, das heißt Thätigkeit entfalten und segensreich wirken, darin besteht die Mission des Judentums! Wir stehen hier vor einem noch schauerlicheren Abgrunde als vor dem, den uns Oettinger in seiner Moralstatistik zeigt. Wir haben es hier mit einer geistigen Pest zu thun, die, wenn sie weitere Kreise ergreift, den Untergang, nicht das Aufblühen des jüdischen Volkes bedeutet. Wenn es in Wirklichkeit mit dem Israel der Gegenwart dahin kommen sollte, dann wird die wunderbare Macht Gottes sich in der Strafe liebend für Israel bewähren müssen, er wird eingreifen, um den schlafenden Geist des Judentums zu wecken, der gleich Jona im Weltenschiffe ruht, während die Stürme tosen und das Meer seine verschlingenden Wogen wirft, auf daß er sich seiner Sendung inmitten der Menschheit nicht entziehe und ausrufe: ein Hebräer bin ich und fürchte Gott, der den Himmel und die Erde gemacht hat. Oder heißt es etwa nicht schlafen, in einer Zeit wo es so nötig ist, daß wir wach sind, wenn ein Jude in einer Schrift ausruft, wir sollen Gott und Religion aus dem Judentum beseitigen und auf das Nationale einzig und allein unser Auge richten? Zum Schluß richtet noch Edith an Caspi die Frage, wie man es halten sollte mit allen den tausenden von Vorschriften und Alfanzereien, die uns lächerlich machen in den Augen Anderer und uns selber lächerlich Vorkommen. Das Judentum, ruft Edith aus, bei seiner Geburt und bei seinem ersten Gange in seinem Brautstande so herrlich, so farbenreich, so prachtvoll, und in der Gegenwart so kleinlich, so verfallen, so poesielos, vieles daran so albern und kleinlich! Caspi setzt durch die Beantwortung dieser Frage, der er anfangs auf alle mögliche Weise ausweicht, der ganzen gedankenlosen Stilübung die Krone auf. Nach seiner Ansicht bildet das Judentum einmal eine Ausnahme, daß es als Ethik zur Welt gekommen, daß diese so zu sagen das Primäre und Cardinale seines Lehrinhaltes sei, während die Religion hingegen das Secundaere ist. Das Judentum ist nicht eine Religion für Andachtsstimmung und mystische Verquickung, da es das Diesseits in den Vordergrund stellt. Wir finden in diesen Worten nach Caspi's früheren Auslassungen nichts mehr, was uns überraschen könnte. Wenn man ein Judentum ohne Gott und Religion konstruiert, wozu denn noch solche Kleinigkeiten, wie Gebet und Unsterblichkeitsglaube? Daß es auch jüdische Psalmdichter gegeben, deren Lieder die Gebete der Welt geworden, Religionsphilosophen, um nur Maimonides, Bachja, Creskas, Albo zu nennen, die den Unsterblichkeitsglauben innerhalb des Judentums vertieft haben, das thut zur Sache nichts, das waren gewiß nach Caspi auch solche träge Menschen, die sich nicht zu einer That aufzuraffen im Stande waren und denen wir nicht zu folgen haben. Und doch hat kein Volk mit tieferer Andacht im Herzen sein Gebet zu Gott emporgesandt, als Israel in Tagen der Noth, und der Glaube an Unsterblichkeit hat gerade in seiner Mitte sich bis zum Auferstehungsglauben verdichtet. Wir können mit Caspi nicht rechten, seine religionslose Ethik, wie sie

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