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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-11-01 · Heft 11 (1.11.1883) · p. Seite 252

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 11 (1.11.1883)
Date
1883-11-01
Page
Seite 252 (sequence 12)
Language
German
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— 252 eigentliche Mission bilden, auch einzutreten und von ihrem aufrichtigen Bekenntnisse, das Caspi so sehr betont, Zeugnis zu geben und dadurch auf die Reichen in Israel anregend zu wirken. Wir wollen auf diese Seite der Briefe nicht näher eingehend müssen aber hervorheben, daß das Judentum neben seinen Finanzkönigen auch noch eine große Anzahl anderer Juden besitzt, denen man doch nicht den Mammon allein als die Mission des Judentums hinstellen kann und die Presse im Dienste der Juden gegen Judentum und alle Religion überhaupt. Caspi erblickt bald in der Hygiene, bald in schmollender Abnormität, bald in der Dornen- und gleich darauf wieder in der Goldkrone die Mission des Judentums, was sogar Edith zu dem Ausrufe veranlaßt, man könnte meinen, des Judentums Aufgabe bestehe darin, daß einige Juden viel Geld haben und einige gute Zeitungsartikel unter und über dem Striche schreiben. Jedoch Caspi geht noch weiter, er versteigt sich sogar, vom Mammonismus berauscht, zu der Behauptung, die Religion sei nicht im Stande, tugendhaftes Leben zu fördern, Gott und Unsterblichkeit sind ihm innerhalb des Judentums wertlos, so daß er sich zu dem thörichten Ausrufe veranlaßt sieht, der Glaube an Gott habe wol schwerlich eine verderbte Natur umgewandelt, vielmehr nur religiösen Fanatismus erzeugt, der Soerates den Giftbecher von Seiten der Heiden und den Baalspriestern Abschlachtung von Seiten des Judentums brachte. Wir sehen Caspi hier für die armen verfolgten Baalspriester in die Schranken treten, und stillschweigend für Ahab und Jsebel, seine Ideale, eine Lanze brechen und den eifrigen Propheten Elia verdammen. Das heißt denn doch die Geschichte des Judentums auf den Kopf stellen! Caspi hat kein Verständnis für Religion, nicht nur weil er selbst keine besitzt, sondern weil er nicht einmal die Geschichte derselben und ihren Einfluß auf die Menschheit kennt. Wer will sie aufzähleil, die edlen Regungen und Stimmungen, die die Religion in bem Herzen des Menschen geweckt, den Trost und die Erhebung, die sie gespendet! sie lehrt, uns das Leben von höheren Gesichtspunkten aus erfassen, sie ist ein Strahl des ewig Göttlichen, das in unser Herz hineinleuchtet, sie ist die Wurzel und Krone des Idealen und alles Schöne Wahre und Gute stammt aus ihr. Wer wird das Feuer verdammen, weil es auch verzehrt und den Sonnenstrahl hassen, weil er auch verwundet? Ein Judentum ohne Glauben, ohne Religion, ohne Gott, wie Sie das, Herr Caspi, wünschen, ist nicht denkbar, ist ein Körper ohne Seele. Der Gottesglaube ist der innere lebendige Kern des Judentums, dessen Beruf es ist mit aller Kraft für denselben einzustehen und ihn laut zu künden und zu predigen inmitten der Völker, und iin Leben und Streben sollen die Bekenner desselben Zeugnis ablegen, daß sie, von demselben durchdrungen und erfüllt ihn höher achten als alle Scheingüter der Erde Ja, unser Caspi begnügt sich nicht damit, die Goldkönige als die Wunder in der Geschichte zu preisen und die Religion als Etwas Verwerfliches zu bezeichnen, sondern er bezeichnet auch die Männer, welche ihr ganzes Leben der Religion weihen, als solche, die der Unthätigkeit verfallen und die nicht int Stande sind, sich zu einer energischen That aufzuraffen. Wir müssen gestehen, einer solchen Geistesschändung innerhalb des Judentmns sind wir noch nicht begegnet, und die Auslassungen Caspi's ftttb nicht nur originell, sondern phaenomenal. Seid verdammt, ihr unthätigen energielosen Propheten, die ihr Euer ganzes Leben dem Dienste der Religion geweiht, Ihr Jesaia und Jeremia, die ihr so viel Geistesenergie entfaltet, welche die Bewunderung aller Welt erregt, beugt Euch vor Caspi und mit ihm vor dem Mannnon! Ihr habt nichts gethan, Ihr wäret unthütig, Ihr habt kein Geld zusammengescharrt

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