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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-11-01 · Heft 11 (1.11.1883) · p. Seite 251

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 11 (1.11.1883)
Date
1883-11-01
Page
Seite 251 (sequence 11)
Language
German
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251 seine Mission gemahnt. Ein Israel ohne Gott, ohne Religion, ohne Moral ist eine Abnormität, auf die sich das Auge der Feinde, das scharfsichtig ist, richtet, und wenn man auch die materialistische Anschauung noch so sehr durch allerlei Götzendienst, den man mit toten Formen treibt, bedecken möchte, um sich in den Schein der Tugend und Frömmigkeit zu hüllen. Herrn Caspis Weisheit gipfelt in dem ungeheuerlichen Satze, die Juden sollen eine Abnormität in der Völkerwelt bilden, nicht in dem edlen Sinne, daß sie als Vertreter des Monotheismus, der Religion und Moral den Völkern voranleuchten, sondern in einem ganz anderen Sinne, daß sie sich nämlich von den Völkern absondern und die Pflege ihrer egoistischen Stammesinteressen als ihren alleinigen Beruf, als ihre alleinige Mission ansehen. Schön ist der von Caspi citierte Satz Ewald's, aber er paßt zu seinen Auslassungen wie eine Faust auf's Auge; wir setzen ihn hierher, da er uns für eine Menge von dialektischem Unsinn, mit dem uns in dem Briefwechsel aufgewartet worden, einigermaßen entschädigt. „Israel bleibt im Ganzen unzerstörbar und unbesiegbar, denn es ist kein mit den Händen greifbares Ding mehr, keine sterbliche Person. Es ist so gut wie eine Idee, wie ein unsterbliches Wesen, welches Menschen aufs Tiefste verachten und mit Wuth verfolgen können, das aber dennoch nicht zu verfolgen ist". Sie sehen, Herr Caspi, diese goldenen Worte eines protestantischen Gelehrten, bei dem Religion und Moral eng verknüpft waren, was Sie doch so sehr perhorreszieren, passen nicht zu ihrem Flickwerk und indem Sie sie anführen, schlagen Sie sich selbst. Israel ist eben mehr als eine greifbare, angreifbare Nation, es ist eine unvertilgbare Idee. Auf dieser Fährte hätten Sie bleiben und in diesen Satz mit ihren Gedanken sich weiter vertiefen sollen und Sie würden Edith zu einer begeisterten Anhängerin des Judentums gemacht haben, anstatt, wie Sie das thun, dieselbe zu einem unschönen Gebilde, zusammengeflickt aus Zeitmaterialismus, Hygiene, Abnormität, zu der sich noch Gesetzeslastträgerei gesellt, zu gestalten, der ihre kluge Abbröcklungstheorie noch die Krone aufsetzt. Aber je weiter wir uns in die Briefe einer englischen Dame hineinlesen, desto mehr haben wir Ursache, die Auslassungen des Herrn Caspi zu bekämpfen, damit nicht das Schweigen von allen Seiten als ein Uebereinstimmen mit den von ihm dargelegten Ideen aufgefaßt werde. Von den Wundern im höheren Sinne, die ihm nichts gelten, steigt der Verfasser zu greifbaren Wundern herab, die dadurch, daß das blödeste Auge sie sehen und sich ihnen nicht entziehen kann, schon den eigentlichen Charakter des Geistigen eingebüßt haben und bei Betrachtung von geschichtlichen Erscheinungen als solchen völlig wertlos sind. Es ist ein trauriges Zeichen der Zeit, daß ein gebildeter Jude auf solche Geistesabwege geraten kann, das viel zu denken giebt. Caspi ist vom Wunderglauben berauscht, der ihn sonst verlassen, wenn er von dem kleinen Häuschen der Rothschilds in ' Frankfurt auf die lange Häuserreihe in der ruo Lafitte zu Paris blickt und es gehört wahrlich eine ganz eigen geartete Geistesverfassung und Gemütsanlage dazu, von der Höhe des Ewald'schen Satzes zu solcher Betrachtung herabzusinken. Er betont es, wie die Rothschild's den Finanzstand Europas beherrschen und wie durch ihre Schöpfung die Papierwerthe gestiegen, Geld flüssiger geworden als Wasser und luftiger als Wind und wie man, ohne daß man sich einer Uebertreibung schuldig macht, behaupten kann, die Rothschild's seien die Schiedsrichter über Krieg und Frieden, da ohne oder gegen sie kaum eine Kriegsanleihe kontrahiert werden kann. Der weltbeherrschende Einfluß der Rothschilds hätte allerdings auch seine providentielle Bedeutung insofern, als dieses Haus wie kein anderes berufen wäre, für die geistigen Interessen des Judentums, welche seine

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