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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-11-01 · Heft 11 (1.11.1883) · p. Seite 250

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 11 (1.11.1883)
Date
1883-11-01
Page
Seite 250 (sequence 10)
Language
German
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250 die Race zu sehr betonen und in den Vordergrund treten lassen, dadurch die Völker das Recht hätten, uns zu verschlingen, wenn wir ihnen in den Weg treten, weicht Caspi geschickt aus und betäubt sie mit Betrachtungen darüber, wie einst das äußerlich schöne aber durchfaulte Heidentum der griechisch römischen Welt durch einen Sohn des Judentums überwunden wurde, vergessend, daß dieser Stammesgenosse gerade die Fesseln der Nation gesprengt und die Religion, die Moral, den Geist des Judentums in den Vordergrund gestellt hat. Was Caspi geschichtlich unbegreiflich ist, daß die Juden, welche den Unterbau des Christenums bilden, noch nach Entstehung desselben immer keine Ruhe hatten, hat einfach seinen Grund darin, daß die nachchristlichen Juden, wenn wir schon so mit >em Verfasser imnier statt Judentum sagen, auch nicht im Entferntesten den Unterbau des Christentums gebildet haben. Der Verfasser gleitet hier über wichtige religionsgeschichtliche Fragen mit einer bewundernswerten Unkenntnis und Naivetät hinweg. Judentum und Christentum verhielten sich aber nicht zu einander wie Unter- und Oberbau, sondern sie haben sich zu spitzen, sich fortwährend bekämpfenden Gegensätzen ausgebildet, anstatt gemeinsam den Bau der Weltreligion zu gestalten Sie haben sich immer fort und fort befehdet und sind weit auseinander gegangen, sodaß sie sich wie zwei Fremde, ja wie zwei Feinde gegenseitig vorkamen, das Judentum, indeni es sich immer mehr und mehr von seinen Propheten entfernte und national verengte, das Christentum, indem es das Heidentum nicht überwunden, sich ihm vielmehr angepaßt und dadurch von seinem Ursprünge sich immer mehr losgelöst hat. Doch den totgeglaubten Haß gegen die Juden möchte Caspi nicht missen, denn er hat seine Bedeutung, ist für die Nation wichtig und unentbehrlich. „Dadurch soll", wie er sich selber ausdrückt, „eben der Fortbestand der Juden augenfälliger, eklatanter, auch dem blödesten Äuge erkennbar, mit einem Worte wunderbar erscheinen". Die Dornenkrone soll die Glorie erheben und der Leidenskelch gehört zur Bestimmung dieses Stammes. Caspi wird mit einen: Male so wundersam ideal, so überspannt, und fällt von Extrem in Extrein ohne versöhnende Vermittlung, doch mutet uns seine Logik hier etwas fremdartig an, denn wir müßten nach ihr zu allen Verfolgungen, die uns geworden, werden und noch bevorstehen, nicht nur schweigen, sondern uns gar derselben freuen. Habt tausend Dank, ihr modernen Judenfeinde, wo auch immer euere Heiniath ist, ob unter den wilden russischen Kazapen, ob in Staaten der Intelligenz und Bildung, ob in Ungarn, dem Lande der Betyaren, dem Lande des Blutmärchens und der neuesten Judenverfolgungen! Ihr habt ja nach Caspi das Verdienst, uns die Krone zu reichen, die wir zu unfern: Bestände nötig haben. Wir wollen Euch Dankadressen votieren, da ihr durch die gegen uns geschlenderten Verläumdungen unsere Staniinesinteressen in eminenter Weise vertretet. Ja, Sie sehen, Herr Caspi, wo Sie mit ihren ungezügelten Gedanken hingeraten und, wie Sie den Christen, welche die Kreuzigung nach ihrer kirchlichen Änschauung für eine heilsgeschichtliche Notwendigkeit halten, mit Recht zurufen, doch dieserhalb die Juden in Ruhe zu lassen, so dürften wir auch nichts gegen unsere Feinde nach Ihrer Anschauung einzuwenden haben, die uns zur Erfüllung unserer Mission verhelfen und so für uns heilsgeschichtliche Bedeutung haben. Wie ganz anders hat der Geschichtsschreiber des Richterbuches im Altertum die Leiden seiner jüdischen Zeitgenossen aufgefaßt, wenn er ansrnft, wenn Jsral von Gott abfiel und die Religion aus seiner Mitte beseitigte, dann kamen die feindlichen Völker, wenn Israel seiner Sendung untreu geworden und den Tagesgötzen huldigte, dann wurde es durch seine Feinde unsanft aber nachdrücklich an

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