Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1883)
- Date
- 1883-11-01
- Page
- Seite 248 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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248 Wunders ihre Wurzeln in dem rein Geistigen hat und nur in verschiedenen Seiten verschiedene Gestalt und Form annimmt, so will Caspi in acht dialektischer, ich möchte sagen populistischer Weise, da nun einmal die Menschen aus der stumpfen Alltäglichkeit heraus- und vom Wunderbaren hingerissen werden wollen und weil der Heroenkultus einem tiefinneren Bedürfnis derselben entspricht, ihnen ein neues Wunder vor die Augen führen, das aber mit dem persönlichen Bedürfnis der Einzelnen gar nicht im Zusammenhänge steht und einem seelischen Verlangen derselben nicht im Entferntesten entspricht. Caspi zeigt, indem er die Frage aufwirft, giebt es noch Wunder oder hat es welche gegeben? daß er von der falschen Kultur der Tage geblendet ist, daß er längst sein religiöses Geisteslicht eingebüßt und daß er in Bezug auf das Judentum farbenblind geworden, indem er schwarz und weiß, hell und dunkel nicht zu unterscheiden vermag, und daß darum seine Urteile über dasselbe wie seine Vorschläge zu seiner Erhaltung völlig wertlos sind. Der Glaube an Wunder ist aber gar nicht unvernünftig, sondern im höchsten Grade vernünftig und die Unmöglichkeit der Wunder könnte nur dann bewiesen werden, wenn es keinen Gott gebe, wie Caspi allerdings annimmt und sogar als das Wesen des Judentunis hinzustellen sich erdreistet. Caspi begnügt sich nicht daniit, von der Höhe seiner Weisheit nur die äußeren Wunder im alten und neuen Testamente auf nichts zu reduzieren, sondern spricht auch von der vollständigen Beseitigung der Wunder der Natur durch die Erfahrungswissenschaft. Herr Caspi kann den Dusel der Halbgebildeten nicht los werden, liegt noch im Delirium als geistig Fieberkranker, der fort und fort von thörichten Dingen träumt und spricht, die seinen engen Geist gefangen halten. Caspi wäre hier etwas mehr Nüchternheit zu empfehlen, damit er einsehen lerne, daß das Gesammtwunder der Natur, das sich allen ihren einzelnen Erscheinungen aufprägt, weder überwunden, noch gelöst, noch je lösbar sei, und solche Geistesblinde, denen die Elemente einer vernünftigen Weltanschauung fehlen, wollen sich an das Judentum machen, hier ihr frevles Unwesen treiben und es zum Objekte ihrer häßlichen Geistesoperationen mißbrauchen! Nie wird die Brücke von materieller Bewegung zur Geistesthätigkeit gefunden werden und es giebt Räthsel, deren Lösung dem Menschengeist, dem Grenzen und Schranken gesetzt sind, nie und nimmer gelingen wird. Die moderne einseitige materialistische Erfahrungswissenschaft ist überhaupt kein Fundament, auf dem die Religion im allgemeinen und das Judentum insbesondere ruhen kann, und die Wissenschaft in ihrer Ausartung kann dem Menschengeiste keine dauernde Befriedigung gewähren, denn es ziehen gewaltige Stürme im Leben heran und die morschen Säulen der sogenannten Wissenschaft zerreißen, als wären es nur dünne Fäden, die nicht Widerstand leisten können. Eine Religion, der nicht der Glaube an Gott Wurzel und Krone ist, kann der Welt keinen Frieden und kein Heil bringen und gar ein Judentum, in dem der heilige Geist nicht rauscht, ein Judentum ohne die höheren idealen Gedanken, die ihm Kraft, Bestand und Berechtigung geben, ist ein Unding. Wir finden Caspi ebenso wie Edith übertriebenen Vorstellungen über die moderne Wissenschaft hingegeben und die schwankende Tagesweisheit hat ihn mit solch eitler Ueberhebung erfüllt, daß er ganz und gar unfähig wird, höhere Fragen aus höheren Gesichtspunkten zu betrachten, geschweige denn auch nur halbwegs eine befriedigende Antwort derselben zu geben. Die Menschheit wird trotz aller Erfahrungswissenschaft nie den Urgrund der Dinge zu erforschen im Stande sein, wie ihr auch das ureigentliche Wesen und Ziel derselben stets verhüllt bleiben wird. Und da wo die beschränkte Vernunft ihre unübersteigliche