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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-11-01 · Heft 11 (1.11.1883) · p. Seite 245

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 11 (1.11.1883)
Date
1883-11-01
Page
Seite 245 (sequence 5)
Language
German
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245 und dauernde Bedeutung haben, daß sie die Symptome einer tieferen Erkrankung darlegen, welche bei Feststellung der Diagnose nicht umgangen werden können, soll die Heilung rasch und sicher von statten gehen. So hat denn auch der Briefwechsel einer englischen Dame über Judentum und Semitismus, dem diese Randglossen gelten,' in welchem einer fragenden Edith ein antwortender Caspi Belehrung spendet, den Wert eines Aussichtspunktes, von dem uns Ausblick und Einblick in einen gefährlichen schauerlichen Abgrund wird, der sich vor uns aufthut. Die traurigen, trostlosen, inneren Zustände des Judentumes der Gegenwart in Deutschland sind durch diese Briefe, ohne daß es der Verfasser beabsichtigte, von einer neuen Seite beleuchtet und es ist höchste Zeit, daß wir unsere ganze Kraft und Energie entfalten, um einem Nebel zu steuern, das, wenn es nicht bald behoben wird, von den gefährlichsten Folgen für uns begleitet sein kann. Angenehm ist es uns, daß wir uns bei Beurteilung dieser Schrift nicht mit Personen zu befassen haben, damit nicht Sympathie oder Antipathie unwillkührlich die Farben mische und die Feder führe, und daß wir die in derselben zu Tage tretenden Aeußerungen, ohne Rücksichtnahme, objectiv auf ihren Wert und Gehalt prüfen und beurteilen und ihnen mit aller Schärfe entgegentreten können, da wir nicht einmal gegen ein Gesetz der Galanterie verstoßen und uns mehr gegen den antwortenden Caspi als gegen die fragende Edith wenden müssen. Wir haben es in dieser Schrift mit einem religionslosen Racenjuden zu thun, der in seiner Selbstgefälligkeit maßlos ist, und ein Gemisch von Materialisnius und Ritualismus als des Judentums Ideal hinstellt, das, seines geistigen religiösen Inhalts entkleidet, nach unserm Dafürhalten in dieser Form weder innere noch äußere Berechtigung des Bestandes hat, da abgerissene Nationaltrümmer nicht den Palast bilden können, in den einst alle Völker verbrüdert eintreten sollen, und Verbreitung von Gottlosigkeit unmöglich der Beruf des Judentums sein kann. Wie traurig wäre es um das Judentum bestellt, wenn es nach so langen: Regen und Ringen, nach so vielen Mühen und Kämpfen da angelangt sein sollte, wo Caspi in seiner Geistesverblendung es hinwünscht! Eigentlich gewinnen wir aus diesen Briefen, ohne daß es der Verfasser darauf abgesehen, nicht das Ideal eines Juden, wie er sein soll, sondern das abschreckende Zerrbild eines solchen, wie er nicht sein soll, und die hier construierte Figur, wie wir sehen werden, zusammengefügt aus Hygiene, Abnormität, Mammonismus, wozu sich noch effektvoller pharisäischer Ritualismus und die Abbröcklungstheorie gesellt, ist ganz dazu angethan und wie eigens dazu angefertigt und hingestellt, um unseren Feinden zur Zielscheibe zu dienen, gegen die sie ihre Pfeile fehllos abdrücken können. Es ergieng uns bei der Lectüre dieser Schrift wie jenen« alten Rabbiner, der» einst einer der Kollegen seinen Commentar zu den Klageliedern zur Beurteilung vorgelegt hat und der ihm nach Durchsicht desselben bedeutete: Sie haben einen Commentar zu den Klageliedern verfaßt und ich schreibe ein Klagelied über ihren Commentar. Und es sind in der That die Geisteszustände innerhalb des Judentums der Gegenwart, das elend dahinsiecht und krankhaft fortvegetiert, sehr beklagenswert, inehr denn je bedarf es des raschen energischen Eingreifens aller unverdorbenen edelgesinnten Geister, um es auf der Höhe seiner geschichtlichen Sendung zu erhalten, durch die es sich nach innen und außen als ein Segen erweisen soll. Wir wollen es gerne zugeben und rühmend anerkennen, daß Caspi über ein ziemlich umfangreiches theologisches und literarisches Wissen verfügt, daß er in der Zeit «md in ihren Bewegungen tüchtig Uinschau gehalten, aber es geht ihm, um über das Judentum, über seine

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