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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-11-01 · Heft 11 (1.11.1883) · p. Seite 244

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 11 (1.11.1883)
Date
1883-11-01
Page
Seite 244 (sequence 4)
Language
German
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244 edlen Gesinnungen beseelt, dich zu guten Handlungen befähigt. Weltlichkeit und Göttlichkeit, Menschtum und Judentum, die sollen in reinem Einklänge, in engem Bunde mit einander stehen, sie gehören beide für unser Leben wie für das Auge Licht und Schatten, wie für das Saatfeld Sonnenschein und Regen. Lassen wir uns daher nicht beirren von denen, die von dem Tauniel der Aufklärerei verwirrt, alles Religiöse aus dem Leben zu bannen suchen, aus ihrem Munde spricht mehr finstere Leidenschaft als lichte Weisheit, sie kennen kein Ziel ihres Strebens, sie wissen selbst nicht, was sie wollen. Laßt uns aber auch nicht weichen vor dem wilden Zetergeschrei bethörter Schwärmer und böser Heuchler, die, bar jeder wissenschaflichen Erkenntnis des Judentums, weil ohne rechtes Verständnis für, wie auch ohne jedes Vertrauen auf die unsterbliche Kraft des jüdischen Geistes mit heiliger Bedächtigkeit an dem Baume unserer Lehre alle die welken Blätter und verdorrten Zweige, in die ja doch kein Leben mehr einkehren wird, hüten, aber nicht dafür sorgen, daß sein lieblicher Blütenschmuck immer schöner hervorstrahle, daß seine köstliche Frucht immer voller heranreife. Ein Baum des Lebens will das Judentum sein allen, die es im Geiste und im Leben erfassen und erhalten; das Todte und Dürre, das ihn mehr verunziert als schützt, das können wir fallen lassen, wenn wir nur die lebenskräftigen, fruchtbringenden Zweige nicht verletzen und abbrechen. So laßt uns denn mit rechter Einsicht, mit festem Sinne, mit herzlichem Ernste, mit inniger Teilnahme die Lehre Israels bewahren, erforschen, hüten, Pflegen, bethätigen und verwirklichen, laßt uns den Weg wandeln, auf dem Menschtum und Judentum zugleich uns führen unb begleiten, und wir werden nicht irre gehen, werden unsere Lebensziele nicht verfehlen, werden den Frieden finden in unserem Herzen, Freude an unserm Dasein. Mögen die Feste in diesem ernsten Entschlüsse uns bestärken, uns den Geist der Weisheit und der Einsicht näher führen, auf daß lichtvolle Klarheit unsere Seele umstrahle und nie uns mangle die rechte und wahre Erkenntnis, daß unser Herz in Erhebung zu Gott seine eigene Größe und Hoheit erlange, und daß wir immer höhere Stufen der Vollkommenheit ersteigen mögen. Bandgtoffen zu dem „Briefwechsel einer englischen Dame über Judentum und Semitismus".*) Es gibt krankhaft geistige Stimmungen inmitten gewisser Menschenkreise, die man nicht für möglich, geschweige denn für wirklich hielte und in das Reich der Fabel und Phantasie verwiese, wenn sie nicht ab und zu in Buchform leibliche Gestalt annehmen würden, um uns dadurch klar und deutlich zu zeigen, daß sie dem Reiche der lebendigen Wirklichkeit angehören, so zwar, daß ihr Dasein ferner nicht gut wegdisputiert oder gar weggeläugnet werden kann. Bücher, in welchen derartige Stimmungen größerer Gruppen zu kräftigem Ausdrucke gelangen, sind daher nicht als ephemere vorübergehende Zeitstimmen zu betrachten, die, >vie sie heute ertönen, morgen wiederum verhallen, nein! sie sind als beachtenswerte Zeichen der Zeit aufzufassen, die dadurch schon großen Wert *) Stuttgart, Berlag von Levy & Müller, 1883.

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