Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-10-01 · Heft 10 (1.10.1883) · p. Seite 237

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 10 (1.10.1883)
Date
1883-10-01
Page
Seite 237 (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2969669-2969698-2969709--0870-2971307
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

237 Rabbinate freigespröchen wurde, weil nunmehr dasselbe erklärte, daß der Pantheismus dem Judentum, sogar der Bibel, nicht widerspreche. Was den Bann betrifft, so ist es irrig, daß darin ein Beweis für die fanatische Verfolgungssucht der Juden gegen religiöse Meinungsverschiedenheit liege. Denn der Bann in seiner spätem Form ist ursprünglich nicht jüdisch; das alte Judentum kennt ihn gar nicht, und er kam erst in der Zeit der Sektierung auf, wo er die Ausschließung derjenigen vom Verbände bedeutete, welche sich den Statuten desselben nicht unterwarfen. Darin liegt nichts Anfälliges, wie wir alle ja auch solche nicht in unsere Gesellschaften und Verbände aufnehmen, welche sich den Anordnungen und Bestimmungen derselben nicht fügen wollen, und solche ausschließen, die sich denselben widersetzen. Später, als der Druck des christlichen Mittelalters den Bestand des Judentums und die Erhaltung desselben bedrohte, wurde die Anordnung des Bannes auch auf den Verband der jüdischen Religionsgemeinden übertragen, teils um der christlichen Verleitung zu Häresie und Abfall entgegen zu treten, teils uin hartnäckige Renitenten zur Entrichtung ihrer Beiträge für Schulen und Synagogen zu zwingen, deren Erhaltung in jener Zeit Druck und Erpressung seitens der Christen den Juden so sehr erschwerten. Die Verschärfung des Bannes war aber meistens nur eine Nachahmung der christlichen Kircheuzucht, deren Hartherzigkeit und Strenge jedoch, womit man christlicherseits selbst das Leben bedrohte und nahm, keineswegs auf das Judentum überging. Und außerdem —, der Bann, welchen die Synagoge gegen Spinoza aussprach, ging ja nicht von dieser aus; sie handelte unfreiwillig und wurde gedrängt, sie unterlag dabei nicht blos einem nämlichen, sondern einem thatsächlichen Zwange. In ähnlicher Weise verhält es sich mit den andern Verfolgungen, deren die Synagoge in jenem Blatte angeklagt wird. Johannes Hyrhgn wird angeführt, welcher die Jdumäer bekriegte, besiegte und zur Annahme des Judentums zwang; der einzige Fall, wo Israel Proselyten mit Gewalt erwarb, der einzige Fall, wo bei den religiösen Streitigkeiten Israels das Schwert mitwirkte. Von einer Verbreitung der israelitischen Religion auf diesem Wege kann aber dennoch nicht die Rede sein, denn nicht nur, daß nie wieder ein solcher Fall von Überredung vorgekommen, ist dieselbe religionsgesetzlich verboten. Nicht die Annahme von Proselyten überhaupt ist verboten, sondern die Gewißheit innerer religiöser Überzeugung ist dabei religionsgesetzliche Bedingung. Abgesehen von der Anwendung des Schwerts oder sonstiger direkter Gewalthätigkeit und Unterdrückung oder Bedrohung, selbst indirekter Zwang, wie Zuwendung oder Entziehung materieller Vorteile, ist ausgeschlossen. Auch wenn der Proselyt materielle Vorteile im Auge hat, wie Heirat oder Geldgewinn, so die innere religiöse Üeberzeugung dabei fehlt, muß er.zurückgewiesen werden. Gerade der Fall von Johannes Hyrkan, der, abgesehen von der prinzipiellen Verwerflichkeit, so viele politische Nachteile zur Folge hatte, gab Anlaß, von Religions- und Gesetzeswegen das Proselytenwesen zu erschweren. Außerdem lag aber ursprünglich dem Kriege mit den Jdumäern nicht die Absicht gewaltthätvger Proselytenmacherei, sondern eine politische Tendenz zu Grunde, nämlich dem Reiche vor den wiederholten Angriffen der benachbarten und stets feindlichen Jdumäer Ruhe zu verschaffen. Johannes glaubte, daß nach der Besiegung die Ruhe des Landes um so gesicherter und die Versöhnung der Völker, der innere Friede, um so haltbarer wäre, wenn beide durch eine Religion miteinander verbunden würden, um so mehr, da Israel und Edom blutsverwandte Brüdervölker waren. Übrigens war dies der einzige Fall, wo bei Israels religiösen Fehden das Schwert in Anwendung kam, —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.