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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-10-01 · Heft 10 (1.10.1883) · p. Seite 234

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 10 (1.10.1883)
Date
1883-10-01
Page
Seite 234 (sequence 18)
Language
German
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6 Meilen südöstlich von Ragusa sich befand und bis zu seinem Lebensende, dem Jahre 1607, daselbst verblieb. Demnach erreichte Didacco das Alter von 90 Jahren, ein Alter voller Mühsal und Sorgen, voller Enttäuschungen und Entbehrungen, hie und da erleuchtet von Ermunterungen wahrer Dichter und edler Menschen, die es aber trotzdem dem Didacco nicht verzeihen konnten, als Jude geboren worden zu sein und seiner Religion ein treues Andenken gewahrt zu haben. Was nun den dichterischen Wert Didacco's betrifft, so haben die bedeutensten Männer Ragusa's den jüdischen Dichter nicht nur den größten seiner Zeit, sondern den bedeutensten lateinischen Dichtern aller Zeiten beigezählt. Professor Urbano Lampredi schreibt in seinem Briefe an Herrn Castelnuovo in Florenz (Baldinoce bei Ragusa, den 5. Januar 1826.) Didacco gehöre zu den bedeutensten Dichtern aller Zeiten (Didacco puo francamente contarsi non ultimo fra que letterati Italiani, che arrichirono l’Italia di varii generi di letteratura latine, cane il Flaminio, il Fracostero) und darf kühnlich zu jenen Jtaliern gerechnet werden, welche die lateinische Litteratur bereichert. Ein gleiches sagt der Geistliche Franz Appendini in seiner Storia politiea e letteraria dei Ragusei. Eine Anzahl von Didacco's Gedichten wurde vom Geistlichen Urban Appendini, Bruder des eben genannten Geistlichen Franz Appendini, verröffentlicht und zwar unter dem Titel: Urbani Appendini A. Reg. Sch. Piarum. Carmina Illustrium Ragusinorum poemata. In Ragusa 1811. Tommaseo Chersa in seiner Schrift „Deila vita e degli scritti di Didacco Pirro altramente detto Jacopo Flavio Eborense (Florenz bei Magheri 1826) sagt, daß die Gedichte des Flavins Eboreniis denen des Tibullus und Propertius in Nichts an Schönheit nachstehen (se fossero conosciute sarebbono paragonate a quella di Tibullo e di Properzio). Das Lob seines Landsmannes Amatus Lusitanus (Giovanni Rodrignez) darf auch nicht gering angeschlagen werden *). Appendini sagt in seinen Notizie storiche e critiche su Ragusa (p. 324) wo er von den Fremden, die sich in Ragusa im 16. Jahrhundert aufgehalten, daß zwei hochberühmte Männer daselbst gelebt und gedichtet haben und zwar Amatus Lusitanus und Didacco Pirro (Due alteri sommi personnaggi portoghesi soggiornarono in Ragusa nel secentisimo Giovanni Iiodrigues aliter Amato Lusitano e Flavio Giacomo o Didaco Pirrho- Fassen wir den Lebenslauf unseres Dichters kurz zusammen, so werden wir ihn als einen traurigen bezeichnen müssen; zartbesaitete Naturen, wie Didacco es war, empfinden deu Verlust der Heimat doppelt so schwer als gewöhnliche Menschen. Er lebte und starb als Jude, treu seinem Volke, das er durch seine Gedichte verherrlicht und das durch ihn wieder an Größe und Ruhm gewonnen hat. Einen Teil seiner schwer zugänglichen und bisher unedirten Gedichte werden in dem Oktoberhefte von Dr. M. Grünwald's Studien und Kritiken mit erläuternden Anmerkungen veröffentlicht werden, auf welche wir die geschätzten Leser dieser Skizze aufmerksam machen. ') Amatasus Lusitanus wurde am 22. Januar von der Pest hinweggerafft und von seinem Freunde, dem Neuchristen Flavio Jacobo de Evora (Didacco) in lateinischen Bersen besungen. Kayserling, Gesch. der Juden in Portugal p. 271.

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