Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1883)
- Date
- 1883-10-01
- Page
- Seite 233 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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233 gusa überall unverhüllt sein Judentum zur Schau trug, kann aus den von uns bereits angeführten vergeblichen Versuche des Kardinal Roberto di Nobili ebenfalls erschlossen werden; aber es muß andererseits zur Steuer der Wahrheit gesagt werden, daß er die Zeit seines fast 40jährigen Aufenthaltes in Ragusa das Judentum nicht öffentlich bekannt habe. Wahrscheinlich war er im Herzen und vielleicht auch, wenn er allein war, Jude sogar in Beobachtung der Zeremonien, aber das Gros der Ragusanischen Bevölkerung wußte nichts von seiner Religion. Folgendes von De. Kayserling aus dem Lateinischen in's Deutsche wörtlich übertragene Epigramm unseres Didacco an seinen Leidensgenossen und Verwandten, den berühmten Arzt und Dichter Drego Joseph (Frankel's Monatsschrift 1862 p. 350 f.) zeigt deutlich, wie sehr Didacco dem Gotte seiner Väter lebte. Dos Epigramm lautet: „Neulich noch warst Du am Duero, jetzt schon weilst Du am Rhein Wer weiß, wie bald, o Diego, am Tiberstrande Du wirst sein? Wirst Du am Gangesufer unter glühendem Himmel noch bauen? O trau auf Gott und glaube! Die Enkel werden erzählen, Was wir erduldet haben —; sie werden das bessere wählen." Der letzte Vers ist allerdings etwas mystisch gehalten und ich kann mich bei diesem Verse niemals des Gedankens erwehren, daß Didacco diesen Vers zur Selbstberuhiguug, daß er seine Religion nicht öffentlich bekenne, niedergeschrieben. Doch dem sei wie immer, es sprechen sehr viele Beweise für die Thatsache, daß er aus seinem Glauben wenn auch kein Geheimnis gemacht, doch auch denselben nicht bekannt gemacht. Es ist zunächst die allgemein zugestandene Thatsache, daß Didacco vor dem Ragusaner Senat einen Panegyricus in lateinischen Hexametern auf St. Blasius, den Patron von Ragusa verlesen. Ein großer Teil dieses Panegyricus besteht noch heutzutage. Wenn es auch heutzutage in unserer freisinnigen Zeit einem jüdischen Glaubensgenossen nicht schwer fiele, seine Kunstfertigkeit durch die Anfertigung eines Lobgedichtes auf einen Heiligen oder Protektor einer Stadt zu verfassen und sich öffentlich als dessen Verfasser zu bekennen, so dürfen wir nicht vergessen, daß wir uns im 16. Jahrhundert befunden und daß die Anpreisung eines Heiligen in den Augen der übrigen Juden dem Verfasser sicherlich ungeheuren Schaden beigebracht hätte. Dieses Gedicht hat sogar bei den Ragusanischen Schriftstellern, wie bei dem Abte Ignatz Giorgi, dem Pater Cerva und dem Pater Dolci die Ansicht entstehen lassen, Didacco sei in Ragusa Professor der schönen Litteratur gewesen, für welche Annahme weder in seinen Werken, noch in den vorhandenen Dokumenten der geringste Anhaltspunkt ist. Ja einige giengen so weit, den Didacco zum Kaplan der Kirche des St. Blasius zu machen, was gleichfalls nach den gründlichen Untersuchungen Appendini's und Chersa's als nichtige Annahme erwiesen wird. Uns will es aber bedünken, daß Didacco bald nach Anfertigung dieses Lvbgedichtes auf St. Blasius die Stadt Ragusa für immer verlassen; bei so zartfühlenden Naturen, wie Didacco aus seinen Gedichten erscheint, mag das Bewußtsein seine Religion durch Verherrlichung eines Heiligen entweiht zu haben, ihn schwer gedrückt haben. Dies mag auch der Grund sein, daß Didacco im Jahre 1582 in Krakau, so weit von Ragusa, seine Gedichte bei Natali veröffentlicht. So viel steht fest, daß Didacco im Jahre 1583 bereits in Castelnuovo, 21