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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-10-01 · Heft 10 (1.10.1883) · p. Seite 228

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 10 (1.10.1883)
Date
1883-10-01
Page
Seite 228 (sequence 12)
Language
German
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228 Verhältnisse, trotz der entsetzlichen Zuckungen im eigenen Innern, befähigte, ihren Todeskampf mit so zäher und heroischer Energie zu bestehen? Man pflegt gewöhnlich die religiöse Begeisterung, Andere nennen es den Fanatismus, der Juden als dasjenige Moment zu bezeichnen, welches die Vorkämpfer des reinen Gottesglaubens so gekräftigt und ermutigt hatte, ihr Land, ihre Stadt, ihr Heiligtum, ihre Frauen und Kinder und endlich ihren Gott gegen die grausamen heidnischen, ihre lasterhaften Kaiser als Götter verehrenden Römer zu verteidigen. Und sicherlich ist diese religiöse Begeisterung unserer Ahnen nicht zu unterschätzen. Hat doch keine Nation, keine Religionsgemeinschaft der Welt ein solches Maaß von Heroismus, von aufopferndem Martyrium gezeigt, wo es sich um Erhaltung der reinen Gotteslehre handelte, als unsere Vorväter zu allen Zeiten. Aber die Anhängligkeit an die Religion war es sicherlich nicht allein, welche dem jüdischen Gemeinwesen die zähe Widerstandsfähigkeit verlieh, welche es nicht allein in diesem letzten Verzweiflungskampfe, sondern durch die ganze, vielhundertjährige Dauer des jüdischen Staates bethätigt hatte. Im Gegenteile waren es häufig religiöse Streitigkeiten, welche allerdings fast immer mit politischen zusammenfielen', die oft genug die Existenz dieses Staates auf das Spiel gesetzt hatten. Das wesentlich erhaltende Element in dem jüdischen Gemeinwesen, wodurch dasselbe jene Widerstandskraft erlangte, war vielmehr das Vorhandensein gesunder Verhältnisse in den gesellschaftlichen Beziehungen der Staatsangehörigen, namentlich des altjüdischen Bauernstandes. Der sehr zahlreiche, an Körper und Geist tüchtige Stand der jüdischen Ackerbauern bildete das kernige und kräftige Knochengerüst des Staates. Dieser Stand hatte durch seinen Fleiß, seine Thät'igkeit, seine Beharrlichkeit die natürliche Fruchtbarkeit des Landes so zu erhöhen gewußt, daß es nicht nur die damals überaus große Zahl der Bewohner gut und reichlich ernährte, sondern auch eine große Menge von Landesprodukten ausführen konnte. Allerdings wird Palästina als das Land geschildert, in welchem Milch und Honig fließt, allein wahrlich nicht von selbst. Hat es doch in seiner jetzigen Verödung bis auf wenige Stellen seine alte Fruchtbarkeit eingebüßt, so daß oft genug Hungersnot in Jerusalem und au den einst so blühenden Gestade des See's von Genezareth herrscht. Palästina hat keinen Nilfluß, der es alljährlich von Neuem mit befruchtendem Schlamm überzieht, und sagt auch schon die Bibel, daß das Land nicht sei, wie das Land Ägypten, wo der Bauer nur das Trittrad der Schöpfmaschiuen in Bewegung zu setzen braucht, um seinen Feldern das segenspendende Wasser zuzuführen. Auch für Palästina galt zu allen Zeiten der alte Spruch, daß der Mensch sein Brod nur im Schweiße seines Angesichts essen solle. Die allen Juden waren ein wesentlich ackerbautreibendes und viehzüchtendes Volk. Ein jeder Blick in die Bibel belehrt uns, wie innig das ganze Volksleben mit Ackerbau ilnd Viehzucht verwachsen war. Was waren die täglichen Beschäftigungen der Patriarchen und der später« Häupter und Führer des Volkes? Sie weideten ihre Rinder, schoren ihre Lämmer, gruben Brunnen und Wassergräben, trieben den Stier vor dem Pfluge zur Aussaat, brachten ihre Gersten- und Weizenerndten in die Scheunen und feierten frohe ländliche Feste mit ihren Kindern und ihrem Gesinde. Der erste König Saul war aus dem Bauernstände hervorgegangen, David der Sohn eines Ackerbürgers von Bethlehem; er hatte selbst noch die Heerde« seines Vaters gehütet und hierbei manchen Strauß mit den wilden Raubthieren des Landes bestanden. Davids Söhne hatten eigene

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