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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-10-01 · Heft 10 (1.10.1883) · p. Seite 227

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 10 (1.10.1883)
Date
1883-10-01
Page
Seite 227 (sequence 11)
Language
German
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227 wie ein Garten angebauten Landes. Sie mochten wol denken, daß ihnen, den Unüberwindlichen, ein leichter Sieg und unermeßliche Beute bevorstehe. War doch die römische Armee eine so zahlreiche, wie eine asiatische Provinz sie lange nicht gesehen hatte. Sechzig Tausend Krieger, gestählt und erprobt in den Kämpfen dreier Weltteile, gewöhnt an eine Manneszucht, wie sie damals nirgends und auch später nicht oft zu finden gewesen ist, erfahren in allen Kriegeskünsten, die denkende Strategen bis dahin ersonnen hatten, versehen mit einer furchtbaren Artillerie, — wobei wir allerdings nicht an Kanonen und Mörser denken dürfen — der noch kein Festungswerk zu widerstehen vermocht hatte, bildeten eine hinreichende Macht, um jeden Feind des römischen Staates, und sollte er noch so mächtig sein, niederzuwerfen. Um wie viel mehr mußte dieses gelten den Inden gegenüber, welche kein stehendes Heer, keine disciplinierten Soldaten, sondern nur eine ungeübte Landmiliz hatten, die mit Waffen schlecht, mit Geschütz gar nicht versehen, und welche, was noch das Schlimmste war, durch religiöse und politische Faktionen, die einander auf das Grausamste und das Blutigste bekämpften, zerrissen waren. Die jüdischen Anführer waren ohne Kriegserfahrung und auf das Bitterste unter einander verfeindet, während die römischen Feldherren ihre Erfahrungen auf den Schlachtfeldern Asiens, Deutschlands und Britanniens gesammelt hatten, und das römische Feldlager damals noch ein fest gegliedertes, einem Willen unterworfenes Ganze bildete. Wie konnten die im wilden Aufruhr begriffene, von heißblütigen Revolutionären zu blutigen Excessen hingerissene, von ihren eigenen Fürsten und Vornehmen verratene jüdische Bevölkerung, welche dazu noch mitten im eigenen Lande in manchen festen Städten und Burgen von ihren Todfeinden, den griechischen Syrern bedrängt wurde, nur daran denken, dem weltbeherrschenden Rom einen ernsten Widerstand leisten zu wollen. Und doch zog sich dieser Krieg vier Jahre in die Länge. Die Römer verzweifelten fast ob des tapfern und zähen Widerstandes, welchen ihnen die jüdischen Milizen entgegensetzten. Mochten deren ungeordneten, dürftig bewaffneten Schaaren noch so oft im offenen Felde geschlagen werden, imnier sammelten sie sich wieder in den befestigten Städten und führten einen Verteidigungskrieg, welcher nicht eher endete, bis auch der letze Mann gefallen war. Jerusalem selbst wurde erst erobert, nachdem die Vorräte an Lebensmitteln durch den Frevelmut und die Nichtswürdigkeit der eigenen Anarchisten in Flammen aufgegangen, nachdem das letzte Brod verzehrt und der quälende Hunger bereits Tausende hinweggerafft hatte. Und doch leisteten die ausgehungerten, zu Skeletten abgemergelten Verteidiger hinter der letzten Mauer auf den letzten Triimmern des zerstörten und ausgebrannten Tempels einen verzweifelten Widerstand, bis sie schließlich dem Schwerte, dem Feuer und dem Hunger unterlagen, und die wenigen Ueberlebenden sich dem grausamen Sieger ergeben mußten, der sie kaltblütig abschlachten ließ. Das Land aber, das so wunderbar angebaute, war verödet und blieb es bis auf den heutigen Tag. Was war es nun, was die jüdische Nation, trotz der ungünstigen äußeren in dem Spiegelbilde einer nicht minder trüben Vergangenheit Hoffnung auf bessere Tage in einer glücklicheren Zukunst, in der die Tyrannen der verdienten Strafe anheiinsallen, entgegenhalten, zugleich aber auch den Zeitgenossen ein mahnendes und erhebendes Vorbild echter Glaubensstärke für das eigene Verhalten aufrollen wollte, seiner Abfassung nach keinesfalls der Zeit des Exiles, sondern der weit späteren makkabäischen angehört. Vgl. Bleck, Einleitung; Hitzig, exeg. Handb. und Grätz, Gesch. II. B.

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