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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-10-01 · Heft 10 (1.10.1883) · p. Seite 224

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 10 (1.10.1883)
Date
1883-10-01
Page
Seite 224 (sequence 8)
Language
German
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224 und je nachdem vergilt er Zorn seinen Feinden, ihr Thun seinen Hassern, er vergilt den Ländern ihr Thun Jes. 59, 18. Und die Thatsachen, die sich auf den Kriegsschauplätzen Asiens abspielten, waren geeignet, diesen Vorstellungen bald Leben zu verleihen: der Erlöser rückte heran, der Tag Jahve's war nahe. Etwa dreißig Jahre waren seit der Exilierung des Volkes verflossen, als Cyrus (Kurus, Koresh), nachdem er dem zerrütteten, im Bersten begriffenen Thron Mediens durch persische Kraft aufgerichtet hatte, an der Spitze eines mutigen, zumeist an die nomadisireende Lebensweise, daher an Ausdauer und Entbehrung gewohnten Heeres (vgl. Her. 7, 61 f., Strabo 11 p. 525, Cyrop. 2, 1, 7; Jerem. 50, 42), sich wie ein wilder Gießbach, Felsgerölle und stämmiges Geäste mit sich reißend, über Asien ergoß. Der Stern des Ostens war aufgegangen und Fürsten erbleichten. „Dem Staube gleich wird ihr Schwert, dem verfliegenden Spreu gleich ihr Bogen, er verfolgt sie und zieht sicher einen Pfad, den seine Füße nie betreten" (Jes. 41, 4). Krösus, Lydiens König, mit seinen tüchtigen, mannhaften Schaaren, denen sich das vereinigte Bundesheer der Tracier, Cyprier, Araber, Phönizier, Griechen und Kleinasiaten angeschlossen hatte (Cyrop. 6, 2, 10 f; vgl. Her. 1, 28, 69; 70, 77), wurde geschlagen; die reiche, mit Babylon im Glanze rivalisierende Hauptstadt Sardes fiel in die Hände der rauhen Meder (Her. 1, 84; Plato epp. 4 p. 320 ff. vgl. Xenophon, Cyir inst. VII., 2, 1; 1, 2. 1; Ktesias, Pers. c. 4). Furcht zog vor Cyrus Schaaren einher. Die Bedächtigen in Babel, noch nicht benagt vom Wurm sittlichen Verfalles, scharten sich zusammen, besprachen den Ernst der Lage, sich gegenseitig ermutigend: „Einer hilft dem Anderen und zu dem Nächsten spricht er: Sei stark!" und wie überall und allezeit trieb auch hier die Not zu den Göttern: „der Schmied ermutigt den Schmelzer, der Hammerglätter den Ambosschläger, meint von der Lötung, sie sei gut und heftet mit Nägeln, daß es nicht wanke." Nur Israel allein bangt nicht, in seinen Hütten weilt das Licht Gottes; sein Beschützer ist Jahve, der alle Ereignisse der Zeit in seinen Dienst stellt und zur Befreiung seines Volkes veranstaltet (Jes. 41, 5 ff.) Namentlich war das Heranrücken der Perser geeignet, diese Hoffnung, je mehr Babel fürchtete, zur festen Zuversicht im Herzen des Volkes zu gestalten, zumal alle Propheten nur von einer vorübergehenden Exilierung geweissagt hatten vgl. Jer. 25, 11, 12; 31, 35—40; 33, 17—26, Ez. 20, 40; 34, 26 u. ö.; denn die Berichte über die ernste, strenge Religion der Eroberer, die jede bildliche Darstellung des Gottesgedankens gleich dem Jahvetum verwarf, mochte wenigstens den Schein gewisser Ähnlichkeit der beiden Religionen wecken und der Volksmund hatte seinen Liebling, für den so gewaltig der Erfolg sprach, mit besonderem Wolgefallen ausgeschmückt — Cyrus galt bald schlechthin als König der Gerechtigkeit und Milde (Her. 3, 89). Was Wunder, wenn das gedrückte Volk in ihin seinen Erlöser und Rächer glaubte, den Gott berufen, um das gesunkene Recht aufzurichten? Die religiöse Idee befand sich im vollen Flusse, entbehrte noch jeder Fessel und dogmatischer Fixierung; solche Zeiten aber kennzeichnet jugendliche Empfänglichkeit für mannigfache Einwirkungen. Das Volk harrte der Erfüllung der Messiasidee, deren Träger allerdings ein Sohn Davids sein sollte; allein die Zeit war zu arm an Helden. „Gott sah sich allenthalben nach einem Manne der That um, fand aber keinen" (Jes. 63, 3 f. 50, 2; 59, 16-20; 23, 1—6, besond. V. 5); soll die Hoffnung des Volkes zu Schanden werden? Nein, es komme nur das Heil, wenn auch nichts von einem Sohne Davids herbeigeführt, die Vollführung des Gedankens ist die Hauptsache, die Personell rage aber tritt in den Hintergrund, sind doch alle

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