Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1883)
- Date
- 1883-10-01
- Page
- Seite 223 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Israel zu neuem Erwachen verhelfen, „die Erlösten Jahve's werden wieder zurückkehren und nach Zion kommen mit Jubel, ewige Freude schwebt dann über ihrem Haupte, Freude und Wonne treffen ein" (51, 11). So schlummerte still im tiefdurchsurchten Boden des schwergeprüften Volkslebens der mit Trauer getränkte Keim belebender Hoffnung, des freundlichen Sonnenstrales harrend, der ihn an die Oberfläche fördern sollte. Die Idee des „Knechtes Jahve's," mit der einerseits die Hoffnung auf die Erlösung des Volkes aus den Leiden der Zeit, anderseits die allgemeinere Lichterfüllung auf dem ganzen Erdenrund in Verbindung stand, war, wie bereits erwähnt, als neuer Gedanke in's Volksbewußtsein gedrungen. Der Gedanke als solcher vermag sich zwar vollständig von Raum und Zeit loszulösen, allein er erfordert, wenn ec tatsächlich realisiert werden soll, in erster Reihe einen Träger materieller Kraft, der ihm zum Durchbruche verhilft, sodann eine bestimmte Zeit, in der er als sich vollziehende Thatsache in's Leben tritt. Die Sehnsucht nun nach der die Erlösung herbeiführenden Kraft und Zeit weckte auf's Reue die bereits früher im Volke wurzelnde Messiasidee, sowie die Vorstellung von dem „Tage Jahve's." Schon in der Familiengeschichte des dritten Patriarchen tritt Juda durch Kraft und Energie unter seinen Brüdern hervor und wie der Ahne, so verstand es der Stamm in der Zeit des zersplitterten Stammlebens die Führerrolle an sich zu bringen. Seinen besten und bedeutendsten Vertreter aber fand er in David, der durch seine kräftige Regierung den Stämmen nach Innen zur Volkseinheit, nach Außen zu einer achtunggebietenden Stellung im Völkerleben »erhoffen hatte; er war der Einzige, der eine große und mächtige Dynastie begründete, an die sich die Erinnerung der schönsten Zeiten des Staates knüpfte und auch die Theokratie hatte allen Grund mit ihm zufrieden zu sein, namentlich da Jerusalem ihm die ganze Stellung, die es im Leben des Volkes einnahm, verdankte. So wurde die Gestalt Davids der Mittelpunkt aller Zukunftsgedanken des Prophetismus, der reale Boden, auf dem sich der Aufbau der idealen Gedankenwelt der Propheten erhob. Schon Jesaja schwebte das Bild Hiskia's als des künftigen Messias vor (9, 5, 6), Jeremia kündete zu wiederholten Malen von David's gerechtem Sprosse, der Recht üben und alles Heil herbeiführen soll (23, 5, 6; 30, 1—11; 33, 14, 16 besond. 17) und auch Ezechiel hoffte, daß der Hirt und Gesalbte kommen werde, mit dem der ersehnte Friede wieder eintreten und alles Ungetüm schwinden soll (34, 23—30). Je trüber nun die Zeiten waren, je düsterer sich der Abend über das Volksleben ausbreitete und je weniger die Gegenwart dem Zukunftsideale entsprach; desto kräftiger lebte der Gedanke an dem hellen Morgen auf, der, von dem Erlöser herbeigeführt, neuen Glanz über Israels Fluren ausgießen soll. Und init dieser Hoffnung ging die Vorstellung von dem „Tage Jahve's," an dem er erscheint, um zu richten die Erde, Hand in Hand. Israel seufzt, aber nicht ewig zürnt Gott; der leidende Knecht soll einst der siegende werden, dann können aber die Bedrücker unmöglich dem Strafgerichte entgehen. Die Erfahrung hat es gelehrt und die Geschichte mit Consequenz und Strenge bestätigt, daß der Uebermut und das Unrecht der Züchtigung nicht entrinnen; sollte Babel allein ungestraft bleiben? Nein, es kommt der „Tag Jahve's" auch für es als Offenbarung der Macht und Gerechtigkeit Gottes und gestraft werden am Tage des Zornes und des Schreckens die Sünder der Erde (in Babel und Israel geht jetzt nach der Anschauung der Propheten die ganze Welt auf Jes. 13, 6, 9 u. ö.)