Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1883)
- Date
- 1883-10-01
- Page
- Seite 222 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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dem Willen Gottes entspricht (42), also auch in Folge eigener Schuld leidet, dessen aber thatsächlich eine srohe Zukunft wartet: Leid und Geschrei wird aufhören und nach aller Erniedrigung soll ihm dauernde Freude, wahres Glück werden vgl. Hiob 42, 12; Jes. 42, 19, 25; 43, 10—21 u. ö. Dieser Heilsgedanke schuf Elasticität im Drucke und das Volk, einmal sich seinerSendung bewußt geworden, fand bald Selbstbewußtsein in der Erkenntnis geistigen Übermacht gegenüber seinen Bedrückern. Stolz aber hat auch in Sklavenketten etwas Jmponirendes und so ward unwillkürlich in den Siegern Interesse für die Besiegten geweckt. Thatsächlich besserte sich auch späterhin die sociale und politische Lage der Exulanten, die sich wieder dem Ackerbau zuwandten und gegen das Ende des Exils hin erfreuten sich einzelne unter ihnen bereits eines ziemlichen Wolstandes (Jes. 58, 3—6, Esra 2, 65), so daß wol manche leicht verlernen mochten, den Blick sehnsüchtig nach Palästina zu wenden'). Anders aber lebte Jerusalen im Herzen der treuen Gottesverehrer, in deren Mitte sich ein frisches Geistesleben kundgab. Namentlich war es ein Prophet — sein Name ist uns nicht bekannt; gewöhnlich wird er, weil seine Schrift dem älteren Jesaja angehängt ist (Jes. 40—66) der babylonische oder kurz: der 2. crud) Deutero-Jesaja2) genannt — vielleicht ein Prophetenkreis, der den Prophetismus wieder, wie es in den schönsten Zeiten des Reichslebens der Fall war, zu einer bedeutenden Macht innerhalb des Volkslebens erhob. Mit festem Griffel und den lebendigsten Farben wird das Jerusalem der Zukunft in seiner großen Ausdehnung und seiner wunderbaren Herrlichkeit gezeichnet. Ein gewaltig strahlendes Licht geht auf in Israel und dringt nach allen Erdenenden 60,1 f, Israel besteht aus lauter Gerechten — Israel und Gott werden Eins. Das Volk stirbt nicht; in ihm wurzelt die Vollendung der Menschheit — Israel und die Menschheit werden Eins (Jes. 44, 3; 49, 15; 54, 13; 56, 16, 19; 60, 3—10, 12; 61, 5, 6 u. ö.) Eine wunderbare Geistesfrische kündet dieses Gemälde der Zukunft, unübertroffen von allen Zeiten und Geschlechtern und um so merkwürdiger erscheint die Frische, als die damalige Gegenwart das trübste Dunkel über den Horizont des Volkes ausbreitete. Allein dieses großartige Ahnen des prophetischen Geistes ist die Frucht des Lebens, das Resultat innerer und äußerer Erfahrung. Nur wer die Schmach der Zeit selbst mitgetragen, konnte die Zukunft so herrlich denken; nur wer den Beruf des Volkes so tief erfaßt, so lebendig gefühlt und gelebt hat, konnte der Erlösung eine solch' große völkergeschichtliche Bedeutung beilegen. Dem Propheten war es Gewißheit, daß sich aus den Trümmern neues Leben, schöneres Sein emporringen müsse; der Gott, der seinem Knechte Hiob nach den Leiden der Zeit zu erhöhtem Glanze geholfen; er wird auch seinem Knechte ') Nach Hitzig beabsichtigten sogar einzelne in Babel einen Tempel zu erbauen, wogegen der Prophet mit Jes. 66 eiferte. *) Als zweifellos gilt es der vorurteilslosen Kritik, daß diese Kapitel aus der Zeit des Exiles, kurz vor Cyrus Auftreten, dessen Name auch genannt wird vgl. Jes. 45, 1 mit 41, 2-7, 25; 44. 23-45; 46, 11, 13 stammen. Ob die Rabbinen dieses ahnten, da sie Lada datra 145, wo die Reihenfolge der Bücher der heil. Schriften angegeben wird, Jesaja nach Jeremia und Ezechiel setzten? Fraglich ist es, ob alle Kap. von einem Verfasser, oder von mehrerer» herrühren. Am einfachsten und annehmbarsten ist die Annahme eines Verfassers, der die verschiedensten Episoden der letzten Zeit des Exiles behandelt. Nach Ewald (Gesch. IV., S. 56a.) lebte der Verfasser in Egypten; allein die Art, wie der Prophet an den Leiden des Volkes teilnimmt, Cyrus als Gottgesalbten beschreibt, Babel und das Ende des Exiles vor Augen hat, widerlegt vollständig diese Annahme.