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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-10-01 · Heft 10 (1.10.1883) · p. Seite 219

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 10 (1.10.1883)
Date
1883-10-01
Page
Seite 219 (sequence 3)
Language
German
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219 Demut, Hingebung und Festigkeit, in der Wahrheit des Glaubens und in dem Adel des Strebens, in der Reinheit des Wollens und in der Beharrlichkeit im Guten, in der Heiligkeit der Gesinnung und in liebevoller unverfälschter Ehrfurcht dem Ewigen zugethan bleibt. Ja wenn die Hand Moses, das ist die Macht der ewigen Wahrheit und des göttlichen Geistes, hochsteht in Israel, da haben wir den Sieg und noch mehr, den kampflosen Sieg, den ewigen Frieden, da dann keine Feinde sich wider uns erheben werden. Ist aber die Moseshand, die allein uns den Segen Gottes auf das Haupt legt, erschlafft und niedergesunken, lassen wir Israels höheres Geistesleben, den Gottesgeist und die Gotteserkenntnis, deren treue Pflege die Völker von uns erwarten, wie der Herr der Welten uns hiezu berufen, verfallen und in leeren Tand aufgehen, so daß auf dem Boden Israels, der vor Gott ein heiliger Boden des Lichtes und der Wahrheit bleiben soll, nur der Ungeist der Lüge zu üppigem Gedeihen gelangt, dann wird die ganze Menschheit, dann wird Gott selbst uns zum Feinde, kühn erhebt Amalek das Haupt, und sein ist der Sieg! Nicht die Kraft der Hände, nicht die Mittel irdischer Macht und Größe, nicht die klingenden Münzen und nicht die blitzenden Schwerter sind es, durch die Israel sich den Weg bahnt, auf welchem es in dem sicheren und ruhigen Besitze seines Rechtes und Friedens verbleibt; wir haben nur einen Weg, auf dem das Heil unserer Zukunft zu suchen und zu finden ist, der, auf dem wir über alle die finstern Abgründe, die sich vor uns öffnen, ruhig hinwegschreiten, es ist dies der Weg, der aufwärts führt zur Höhe des Lichtes, das nicht getrübt ist durch die Schatten des finsteren Frevels und Wahnes. Nach aufwärts muß unser Geistesblick gerichtet sein, mit dem Trotz und Eigendünkel, der kein anderes Gesetz als das der dünkelhaften menschlichen Laune kennen will, müssen wir brechen, jene wahnwitzige, rechthaberische Selbstgefälligkeit die auch das Schlechte gutheißt, wenn es dem eigenen Belieben entspricht, müssen wir ablegen und unser Herz beugen vor dem himmlischen Vater und unfern Willen unterwerfen den Gesetzen der ewigen Wahrheit. Das allein schafft uns die Ehre vor Gott und Menschen und sichert uns den Sieg über alle die feindlichen Gewalten, die sich gegen uns erheben; ohne solche sittliche Arbeit und Herzensveredlung ist vergeblich alles Ringen und Kämpfen, zu dem wir uns ausrüsten, denn durch den Abfall von Gott beschleunigt und besiegelt Israel nur den eigenen Verfall und Niedergang. Die Frage, die wir heute im Hinblick auf unsere Zukunft an uns zu stellen haben und die von allen denjenigen, die das ernstere Denken noch nicht verlernt haben und in deren Herzen der letzte Funke treuer jüdischer Gesinnung noch nicht erloschen ist, sorgsam und ernstlich zu erwägen hätten, kann nur die sein, ob denn Israels Blick auch noch in Wahrheit nach oben gerichtet ist, ob denn noch das Bewußtsein der hohen lichten Heilesziele, die es für alle Menschheit zu erstreben und anzubahnen hat, noch in seiner Mitte gekannt, genährt und beachtet wird, ob dieses Bewußtsein und Streben denn überhaupt in Israel in Wahrheit noch lebt. Lebt? werden Viele ausrufen, welche Frage! Gewiß lebt es, und in welcher Stärke und Vollkraft! Ein Wink und tausend Hände können sich sofort erheben, um zu zeigen, daß Israel noch heute mit,hocherhobenem Arme einherschreiten kann, wie zur Zeit seiner Erlösung aus Ägypten, wie in den Tagen seines im Lichte der goldenen Freiheit erblühenden Jugendalters. Allein so ist es in dieser Frage nicht gemeint. Nicht das Leben, das in den Händen und in den Armen liegt, sondern das Leben in den Herzen und Geistern ist es, da- 20*

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