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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-10-01 · Heft 10 (1.10.1883) · p. Seite 218

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 10 (1.10.1883)
Date
1883-10-01
Page
Seite 218 (sequence 2)
Language
German
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218 noch manch' harte Kämpfe und schwere Prüfungen zu bestehen haben werden, eine Zeit, in der Israel von Neuem davon wird Zeugnis zu geben haben, daß es für seinen Gott noch einzustehen weiß und daß noch lange nicht in seinem Herzen versiegt und ausgetrocknet ist der Quell der lebendigen Gotteserkenntnis, aus dem ein Strom des Heiles und der geistigen Erleuchtung ausgehen soll über alle Gefilde der Menschenwelt. Und da gilt es, für eine solche von finsteren Gefahren umlauerte, von großen Aufgaben begleitete Zukunft uns ernstlich vorzusehen, uns umzusehen nach den Stützen, an denen wir mitten in den Stürmen, die das Zeitenmeer aufwühlen, den festen und sichern Anhalt finden, nach den Grundlagen, auf denen das Haus Israels für die Ewigkeit aufgebaut ist, da wo sie unterhölt und durchbrochen und hinweggerissen sind, die Schäden zu verbessern, die Lücken zu beseitigen, die Risse auszufüllen, und das Haus Israels auf seinen Grundlagen wieder festzustellen. Die Lösung der ernsten und schwerwiegenden Fragen, von der das Heil unserer Zukunft, ja der weitere Bestand unseres ganzen Daseins abhängt, kann unmöglich mehr lange aufgeschoben werden, wenigstens müssen wir sie mit dem Eifer und Ernste in die Hand nehmen, mit welchem gegenwärtig unsere Feinde an ihr arbeiten. Und diese Lösung — nicht haben wir in weiter Ferne nach ihr zu suchen und auszuspähen, sie ist uns längst gezeigt und vollends gegeben in der uralten Losung Israels, deren Wort durch die Weisen des Talmuds uns für den Neujahrstag zur besonderen Erinnerung und Beherzigung vorgelegt wird. Als Israel dem Feinde, der zu allen Zeiten es verfolgt hat, das erste Mal in offener Fehde gegenüberstand, da schrieb es auf seine Fahnen das kurze inhaltschwere Wort: „Wenn Moses seine Hand erhebt, da hat Israel den Sieg, und wenn er seine Hand sinken läßt, da siegt Amalek". Wie? fragen hierauf unsere Weisen, ist das denkbar, daß in einer blutigen Schlacht Sieg und Niederlage von der Handbewegung eines einzelnen Menschen abhängen? Und wenn dieser auch ein Moses wäre, dessen Arm Meere zerteilt, dessen Hand Brod vom Himmel herabgeholt hat! Kann denn auch Einer Alles bewirken? Ist es die Hand des Führers allein, die im Kampfe die Entscheidung bewirkt, den Streit beendet, den Sieg erringt? Muß nicht vielmehr das ganze Volk wie ein Mann dastehen, wo es gilt, des Feindes Angriff mutig abzuwehren und erfolgreich zurückzuschlagen? Und sie sagen hierauf: das ganze Volk ist es in der That, das hier gemeint ist, Moses und Israel, die müssen, sofern nicht die Verkehrtheit die Geister ergriffen, allezeit als eine Einheit dastehen, die dürfen überhaupt nie von einander getrennt und geschieden sein, geschweige denn, daß sie gar als Gegensätze einander gegenüber stehen. In dem Maße, in welchem Moses seinen Arm erheben kann, der göttliche Geist Mosis in Israel lebendig ist, steigt auch unsere Größe und Hoheit, wie aber dieser Arm sinkt, dieser Geist in Israel verfällt und verkümmert, da welkt auch bald seine stolze Pracht und Blüte dahin und es breitet das wachsende Amalek seine finsteren Schatten über uns aus. Darum rufen unsere Weisen uns zu: merkt es euch und werdet dessen eingedenk, wenn ihr an der Zeiten Wende und Grenzscheide steht, wenn wiederum ein Jahresring sich geschlossen und an die lange Kette eurer Vergangenheit sich angefügt hat und ihr an die Schwelle einer trüben und zweifelhaften Zukunft euch" hingestellt seht! Nur auf dem Boden der Lehre, die Moses euch verkündet, kann der Lebensstamm Israels feste Wurzel schlagen ein Israel ohne Gott hat auch keinen Bestand inmitten der Menschheit. Die Zukunft ist euer, die Ewigkeit ist euer, der Sieg über alle Gefahren ist euer, wenn nur der ewige Gott stets euer ist, und ihr in des Herzens Treue,

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