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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-09-01 · Heft 9 (1.9.1883) · p. Seite 214

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 9 (1.9.1883)
Date
1883-09-01
Page
Seite 214 (sequence 22)
Language
German
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214 tieferes Verständnis der Psalmen erzielt werden kann. Auch manche in dem rabbinischen Schrifttums zerstreute Daten werden hiebei nicht ohne Nutzen zu Rate gezogen werden können. So hätte S. 630, A. 1 die Bemerkung in Siphre II, 331b erwähnt zu werden verdient, in welcher es als selbstverständliche Voraussetzung gilt, daß die „Feinde Jehuda und Binjamins" (Esra 4) Samaritaner gewesen seien, wodurch Josephus Zeugnis eine glänzende Bestätigung findet. Mit der vollen Anerkennung der bedeutenden Leistung, die uns der Verfasser in seinem Werke darbietet, verbinden wir den Wunsch, daß der geübte und scharfsinnige Textkritiker einmal auch auf den Text unseres jetzigen Judentums, der bekanntlich von falschen Lesearten nicht frei ist und im Laufe der Zeit manche Verunstaltungen erfahren hat, sein Augenmerk richte. Eine gründliche Revision würde hier dringend not thun. (Gießen.) Das traurige Beispiel der Absonderung und Sektiererei, wie es jetzt der Volksmund mit dem Ausdruck „Frömmigkeit erster, zweiter und dritter Klasse" ironisch bezeichnet, hat leider auch seine Nachahmung und Pflege in den kleinen jüdischen Gemeinden gefunden und zu unseligen Misverhältnissen und Wirren Veranlassungen gegeben. Die Giftsaat ist aufgegangen und verbreitet Schmach, Schande und Verderben. Am deutlichsten finden wir dies in der benachbarten israelitischen Gemeinde in Friedberg ausgeprägt, dort wütet schon seit Jahren ein unversöhnlicher, nie endenwollender Kampf. Verwaltungsbehörden werden unausgesetzt mit Klagen und Gegenklagen wahrhaft bombardiert, und alle Versuche zur Beilegung dieses Zwistes scheitern an der Hartnäckigkeit der streitenden Parteien. Welch' eine Schmach für dieses Am Seguloh, viel schrecklicher als der krasseste Antisemitismus. Doch kommen wir auf die Entstehung dieses Aussatzes zurück! Der schon vor mehreren Jahren begründete Stipendienfonds für unbemittelte Seminaristen bot den bekannten Kampfhähnen eine willkommene Gelegenheit zur Gründung und Befestigung ihrer menschenbeglückenden Theorieen. Unter den verlockensten Versprechungen verblieb die größere Anzahl der Seminaristen in Friedberg, und der durch seine verdienstvollen Leber-Dissertationen wolbekannte Dr. H. wurde als Lehrer der rabbinischen Wissenschaft dorthin berufen, d. h. seitens der tilgend- und glaubensstarken Gottesmänner, und Israel war — gerettet. Doch das Vergnügen dauerte nicht lange. Eines schönen Tags wurden die Seminaristen kurzer Hand sammt und sonders nach Alzey verwiesen und dem Herrn Dr. Rothschild dort der Religionsunterricht übertragen. Darob große Entrüstung im Lager der allein Gottbegnadeten. — Alzey — das moderne Babel — sollte als Pflanzstätte dereinstiger Religionslehrer erscheinen! Jedoch eingedenk des Schiller'schen Wortes: „Und mit des Geschickes Mächten ist kein ew'ger Bund zu flechten" machte man gute Miene zum bösen Spiel und wartete auf bessere Zeiten. Nicht lange darauf erfolgte die Synagogenweihe in Friedberg, und gab man sich der süßen Hoffnung hin, daß diese endlich den lang ersehnten Frieden bringen würde. Aber auch dieses war eitel Trug und Täuschung. Die erhabene Feier war kaum zu Ende, und wiederum Zeter und Mordio wegen des vielgehaßten Harmoniums. „Die Religion in Gefahr" war das Losungswort. Besondere Gebetsversammlungen wurden improvisiert, Trennung und Austritt allenthalben proklaniiert, und — um des lieben Friedens willen — der Vorsteher gab nach und kasiirte das liebgewordene Instrument. Doch die Ruhe war dahin. In Folge der kurze Zeit darauf für die sog. Frommen äußerst günstig betriebenen Vorstandswahl, es sitzen jetzt vier Dunkelmänner und ein

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