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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-09-01 · Heft 9 (1.9.1883) · p. Seite 213

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 9 (1.9.1883)
Date
1883-09-01
Page
Seite 213 (sequence 21)
Language
German
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213 sich auf sicherem Boden zu bewegen, hat der Verfasser gewisse aus vielfachen Wahrnehmungen hervorgegangene Gesichtspunkte aufgestellt, von denen aus zu erkennen ist, auf welche Weise in der Regel Verwechslungen, Verschiebungen und sonstige Irrungen in den alten Texten stattgefunden haben (S. 121 ff». Grätz erkennt überhaupt in der Textkritik, die die friiheren Schrifterklärer als den letzten Notanker ansahen, die erste und wichtigste Vorarbeit einer gesunden wissenschaftlichen Exegese und in der That ist ohne dieselbe auch ein richtiges philologisches Verständnis der biblischen Schriften nicht möglich. Fast hat der Verfasser es zumeist nur darauf abgesehen, die wunden Stellen aufzudecken und selbst solche, die dem Auge des Lesers sonst verborgen bleiben und nur bei näherer Einsicht erkennbar werden, ans Licht zu stellen. Die Exegese wird geradezu von der Textkritik beherrscht, deren Resultate dem Verfasser auch für die Bestimmung der Abfassungszeit der einzelnen Psalmen, für welche der Verfasser übrigens zumeist mit vielem Geschicke auch die tiefer liegenden Momente sich zu Nutze zu machen weiß, maßgebend sind. Der Verfasser sieht die philologische und historische Behandlung derselben so sehr als seine Hauptaufgabe an, daß die Auslegung ihres Inhalts, die Verdeutlichung der Gedanken und Anschauungen, die in ihnen niedergelegt und in den einzelnen Sätzen und Ausdrücken enthalten sind, fast nur, soweit sie sich von der Untersuchung der Textesbeschaffenheit nicht trennen läßt, im Connnentare hervortritt. Bei einer solchen blos den äußeren Wortlaut in Betracht nehmenden und an den Buchstaben allein sich anschließenden Erklärungsweise werden aber gerade die religiösen Motive, von denen die Poesie der alten Psalmlieder getragen ist, hie und da verkannt und unterschätzt. So schließt der Verfasser seine Bemerkungen zu Ps. 16 mit den Worten: „Von Auferstehung und zukünftigem Leben ist in diesem Psalm keine Spur vorhanden." Allerdings, wenn das Schlußwort desselben („ewig") blos als dichterische Hyperbel betrachtet, der demselben vorangehende Ausdruck «„in deiner Rechten") ohne Weiteres durch Supposition eines willkürlich gewählten Wortes (ini Sinne der dem Verfasser beliebten Conjektur wäre „bimeonecha“, „in deiner Wohnung" hier das passende Wort) ersetzt und darauf ein besonderes Gewicht gelegt wird, daß „mein Fleisch" (V. 9) nicht buchstäblich zu fassen ist. Die trockene Beweisführung ist aber, selbst wenn ihre Richtigkeit zugegeben wird, an solchen Stellen bei weitem allein nicht entscheidend Es ist gar nicht daran zu zweifeln, daß in der Seele des Dichters, der diese Worte sprach, die Vorstellung von einem über das Grab hinausreichenden Leben vorhanden war; Ausdrücke wie „Fülle der Freude vor Gottes Angesicht," „Wonne in Ewigkeit" und der ganze Gedankeninhalt V. 8—11 lassen mit Entschiedenheit darauf schließen, daß der Glaube an ein zukünftiges, jenseitiges Leben in dem Herzen des Psalmisten ein Gegenstand der festesten Zuversicht war. Auch in Kap. 17, V. 15 niacht die sehr zu bezweifelnde Conjektur, für die der Verfasser eintritt, den Text nicht verständlicher als er ist; die autorisierte massoretische Leseart, mit deren Feststellung doch eine dein Sinne derselben entsprechende Auffassung verbunden sein mußte, darf unbedenklich nach wie vor als Beleg dafür gelten, daß der Auferstehungsglaube schon frühzeitig in der Synagoge als schriftgeniäß anerkannt wurde. Hinsichlich mancher Einzelnheiten wird man dein Verfasser überhaupt nicht geradewegs bestimmen können, da neben vielen sehr einleuchtenden Verbesserungen auch sehr bedenkliche Conjekturen vorgebracht »verden, indes ist sowol durch die in der Einleitung aufgestellten zum großen Teile neuen und beachtenswerten Gesichtspunkte wie auch durch die tüchtig angebahnte textkritische Behandlung so ziemlich der Boden geschaffen worden, auf welchem ein

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