Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1883)
- Date
- 1883-09-01
- Page
- Seite 210 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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210 die Höflichkeit, die Sie mir durch ihr Schreiben bewiesen haben, läßt mich hoffen, daß Sie mich immer lieben werden. Paolo Manuzio. Venedig, den 22. Mai 1550." (Schluß folgt). Hleftrate und Mitteilungen. Kritischer Kommentar zu den Psalmen nebst Text und Übersetzung von Or. H. Grätz, Prof, an der Universität zu Breslau. Druck und Verlag von S. Schottländer. 1. u. II- Band 1882 u. 1883. Es darf bereits als eine sichere Thatsache angesehen werden, daß die Texte der biblischen Schriften von Fehlern und Verunstaltungen, die auf unrichtige Conception oder irrige Schreibung sich zurückführen lassen, nicht frei geblieben sind. Die Autorität der Massora, auf welche die Behauptung sich stützt, daß die Bibel von diesem Geschicke aller aus alter Zeit stammenden Bücher verschont geblieben sei, hat ihre Beweiskraft verloren, seitdem es bis zur Zweifellosigkeit nachgewiesen ist, daß die fachmäßige Thätigkeit von Massoreten, die es sich zur Aufgabe machten, über die Reinhaltung der Texte zu wachen und sie durch die Feststellung gesicherter Lesearten wie durch die genaue Registrierung der gleichartigen oder auch der ähnlichen Wortformen vor Schwankungen zu schützen, erst viele Jahrhunderte nach dem letzten Abschlüsse des biblischen Kanons begonnen hat. Es war durch dieselbe eigentlich auch nur dafür gesorgt, daß in Zukunft nicht neue Fehler in die Texte eindringen, die Entstellungen, die dieselben in früheren Zeiten erlitten hatten, wurden, nachdem Zeugnisse fiir ältere und bessere Lesearten nicht mehr vorhanden waren, als echte Überlieferung angesehen und wurden überdies auch bei der mechanischen Methode, mit der man bei der Herstellung mustergiltiger Codices zu Werke gieng, als solche auch nicht mehr erkannt. Das überaus große Verdienst, das die Massoreten durch die treue Festhaltung und sorgfältige Bewahrung des überlieferten Schrifttextes sich erwarben, wird dadurch, daß sie unabsichtlich auch die durch allerlei Jrrtümer entstandenen Fehler stabil machten, nicht geschmälert; ja es besteht dasselbe gerade darin, daß sie, von aller eigenen Combination sich fernhaltend, in eine kritische, inhaltliche Prüfung des textlichen Materials nicht eingiengen und, blos auf die Bewahrung und Reinhaltung desselben bedacht, sich darauf beschränkten, es in correkter und genauer Fassung herzustellen. Hat es nun die umsichtige Sorgfalt der Massoreten dahin gebracht, daß wir — bis auf verschwindend wenige Varianten von wesentlicher Bedeutung — einen völlig einheitlichen Text der hebräischen Originalschriften der Bibel besitzen, so wird doch, da ihm in den früheren Zeiten eine solche bei Weitem nicht in so umfassendem Maße zu Teil geworden war, dem Schrifterklärer, dem es um die Erforschung des wahren Sinnes der einzelnen Stellen zu thun ist, die Aufgabe nicht erspart bleiben, dem ursprünglichen Wortlaut des Textes nachzuforschen und durch