Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-09-01 · Heft 9 (1.9.1883) · p. Seite 208

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 9 (1.9.1883)
Date
1883-09-01
Page
Seite 208 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2969669-2969698-2969708--0840-2971276
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

208 Seinen ersten Unterricht erhielt er von seinen Eltern, und als er herangewachsen, war der bekannte Dominicaner Pedro de Soto aus Segovia sein Lehrer in der Dialektik. Der Dominicaner Soto aber lehrte in Salamanca, wo zu jener Zeit eine sehr berühmte Universität bestand. Lange dürfte jedoch Flavins Eborensis nicht daselbst verblieben fein j denn schon in seinem 19. Lebensjahre ist er gezwungen, sein von ihin heißgeliebtes Vaterland zu verlassen, das er nie wieder sehen sollte. In seinem für die Biographie unentbehrlichen Gedichte De exilio snoa) „über feilte Verbannung" sagt er, daß er auf Befehl seines Vaters die Heimat habe verlassen müssen. (Sub hoc rege [Joanne tertio] juaau patris, adoleacena vix dum XVIII. annum egreaaua, id quod non eine lacrymis acribo, et patriae fines et dulcia rura reliqui anno 1535.) Warum sein Vater ihn aus Portugal, wo die ganze Familie das Christentum zum Scheine angenommen, gewiesen, läßt sich nicht mit Gewißheit angeben; wahrscheinlich fürchtete der Vater, daß der Sohn in Folge seiner natürlichen Begabung und seiner erworbenen Kentnisse leicht der väterlichen Religion den Rücken kehren und rückhaltlos dem Christentum sich zuwenden würde. Tommaseo Chersa, der erste und fast einzige Biograph unseres Dichters, glaubt hingegen, der Vater des Flavins habe diesen deshalb die Heimat zu verlassen gezwungen, weil der Sohn in jugendlichem Übermut die Familie leicht in Gefahr hätte bringen können als verkappte Judenfamilie erkannt und bestraft zu werden. Auch Rabbiner M. Lattes in Mailand gibt in seinen Notizie der Ansicht Ausdruck, daß Didacco auf Veranlassung des Eborensischen Inquisitors Paredes:i) seine Vaterstadt verlassen, sein Vater also blos den zögernden Sohn vom unrettbaren Martertode retten wollte. Flavius Eborensis gieng von Portugal zunächst nach Flandern und zwar finden wir ihn bereits am 25. April 1536 in Lüttich. Falls also unser Dichter in Spanien oder Frankreich sich aufgehalten, muß dies eine sehr kurze Zeit gewesen sein. Doch behagte ihm der Aufenthalt in Flandern in keiner Weise, das kalte und nasse Klima dieses Landes stand in zu grellem Gegensatz zu dem heiteren Himmel Evora's und in der That schreibt Didacco, er wolle lieber in Evora Schuster als in Flandern König sein. Daraus läßt sich schließen, daß unser Dichter nicht allzu lange in Flandern geweilt, und bald in südliche, seinem heimatlichem Klima verwandtere Gegenden gezogen sei. Von seinem eventuellen Aufenthalte in der Schweiz wissen wir nichts näheres; sicher ist es, daß er im Jahre 1552 sich bereits in Italien und zwar in der Stadt Ancona aufhielt. Hier schloß er innige Freundschaft mit dem berühmten Professor Nicandro di Toledo, der in Ancona das Lateinische und Griechische lehrte. Durch Nicandro di Toledo wurde er mit dem Kardinal Roberto di Nobili, einem Ürenkel des Papstes Julius III., bekannt und erhielt einen Geleitbrief nach Rom. Didacco machte kein Geheimniß daraus, daß er Jude sei; deshalb versuchte der Kardinal Roberto di Nobili* * * 4) ihn in den Schoß des *) De exilio suo, scripsit Novae (Castelnuovo) oppido Dalmatiae 1583. s) Die Ansicht Leo Luzzato's, Didacco sei von den beiden Inquisitoren Paredes (Paride) und Melio verbannt worden (Machest des Corr. Israel 1876, p. 73) ist nicht richtig; Melio war Inquisitor für das ganze Portugal, während Paredes die Stadt Ebora, die Heimat unseres Didacco beaufsichtigte. 4) Appendini berichtet hierüber, daß der Kardinal Roberto di Nobili am 20. Mai 1552 an seinen Agenten Giovanni nach Rom geschrieben habe, ja nichts zu vernachlässigen, damit der berühmte Literat, (Didacco) von dessen Unterhaltung er entzückt sei, zum katholischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.