Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1883)
- Date
- 1883-09-01
- Page
- Seite 207 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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207 sicht und Besonnenheit in die Geister wiedergekehrt. Das gemeinsame Leiden hatte die Eintracht gestärkt, aus der Thränensaat des Kummers war die Segensfrucht neuer Erkenntnis und Tugend erwachsen. Die Leiden waren zum Guten, indem sie die Besserung bewirkten und den Weg des Heiles für die Zukunft bahnten. Das Ungemach, das uns trifft, soll darum uns stets als ein Mahnruf zur Selbstprüfung, zur Selbstveredlung gelten, die Thränen, die wir in den Stunden der Trübnis vergossen, sollen wie ein kräftiger Regenguß den in der Glut der Leidenschaft verhärteten Herzensboden erweichen und erfrischen, daß die Saat lichter Erkenntnis und besseren Strebens da zu immer schönerer, zu immer reicherer Entfaltung gedeihe und aus ihr die Frucht der Wahrheit und Zufriedenheit hervorgehe, die das Leben beglückt und erfreut, die uns das Dasein erheitert und verfreundlicht- Und so mögen wir denn, getrost, erhaben über alle uns zugefügte Unbill, hinausblicken in eine bessere Zukunft, von dem Bewußtsein erfüllt, daß die Wahrheit, wenn auch augenblicklich getrübt, doch zum Siege gelangen wird, und daß vor dem Lichte einer reineren Erkenntnis schwinden müssen die Schatten des finsteren Wahnes. Mdacco Uyrrßo auch Itavius Gvorensts genannt. Ein Lebensbild entworfen von l>r. M. Grünwald, Bezirksrabbiner in Belovar und Anton Casnacich, k. k. Hauptmann i. R. in Gravosa bei Ragusa. Einer der bedeutendsten Latinisten seiner Zeit, der Jude Flavius Eborensis, wurde zu Ebora in Portugal am 4. April 1517 geboren. Wer sein Vater gewesen, läßt sich nicht mit Sicherheit bestimmen. Sein Lebenslauf selbst ist nur aus seinen Schriften zu erschließen. Daß Flavius Eborensis den Beinamen Didacco Pyrrho trägt, rührt daher, daß er der berühmten Familie der Edomim (— de Rosst) angehörte, die ursprünglich Spanier, sich in Italien später niedergelassen haben*)• Er hat auch den Beinamen Jacopo (- Giacomo) erhalten, und wahrscheinlich war dies derMame seines Vaters. Seine Mutter wäre jene Bona, die in der am 23. Jjjar 1563 abgehaltenen Sitzung in Betreff des Friedhofes zu Mantua erwähnt wird. Wenn nun Flavius Eborensis' Biograph aus dem an den Ragusaner Patricier Scipione Luccarri gerichteten Epigramme den Schluß ziehen will, daß sein Vater ein unberühmter Mann gewesen, so ist das jedenfalls voreilig. Die Familie der Edomim war zu jener Zeit berühmt, und auch ihr Verwandtenkreis erfreute sich eines guten Rufes. So war auch u. a. der berühmte Arzt Diego Joseph aus Porto ein naher Anverwandter und, wie wir später sehen werden, sein Leidensgenosse. ‘) Siehe Additamenta zur Familie des Dichters Flavius Eborensis vom Oberrabiner Marco Mortara und vr M. Grünwald in Belovar im Jüdischen Centralblatt H. Rr. 8. p. 74b. Ueber unseren Dichter schrieb Di . M. Lattes in seinen Notizie e documenti di letteratura e storia giudaica p. 32—34, und Rabb. Leone Luzzato im vorrisrs Israslitioo XV. p. 12 und 131. Ausführlich behandeln diesen Dichter mehrere Schriftsteller Ragusa's, auf deren Arbeiten wir in der Folge zurückkommen werden.