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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-09-01 · Heft 9 (1.9.1883) · p. Seite 205

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 9 (1.9.1883)
Date
1883-09-01
Page
Seite 205 (sequence 13)
Language
German
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205 ihr Selbstbewußtsein Preisgaben, ihren Namen, ihren Glauben, ihre Überlieferung Preisgaben, um dem Sieger zu schmeicheln und seine Gunst zu erlangen, so wäre auch zu erwarten gewesen, daß Israel sich in das Unvermeidliche fügen würde, nachdem der Feind seine äußere Macht gebrochen, daß es da mit seinem bisherigen Bewußtsein brechen, sich in Gesinnung und Gewohnheit dem Feinde unterordnen und so aufhören müsse, eine durch ihre gemeinsame Überzeugungen verbundene Gemeinde zu bilden. Daß Israel noch eine Zukunft habe, daß die Harfen, die stummen, welche an den Weiden Babylons hiengen, noch einst von Dankliedern und Preisgesängen ertönen werden, das konnte als ein frommer Wahn, als eine trügerische Einbildung, als eine schmeichelnde Hoffnung, als ein Traum der Selbsttäuschung erscheinen, nachdem doch Babylon, wie es die Welt beherrschte, auch der Zeit zu trotzen, für die Ewigkeit gegründet zu sein schien. Und gerade das Unmögliche erwies sich als das allein Wirkliche! und mächtiger als alle Macht war der Wille des Herrn! und erhaben über alle Klügeleien menschlicher Berechnung erwies sich die göttliche Weisheit! „Wer bestimmt des Ewigen Geist", konnte dann tröstend der Prophet ausrufen, „welcher Mensch kann seinen Rat ihm kund thun, mit wem überlegt er, um Erkenntnis zu erlangen, wer lehret ihn des Rechtes Pfand, wer zeiget ihm der Weisheit Gang; dem Tropfen, der am Eimer hängt, dem Staube, der auf der Waagschale liegt, gleichen die Völker und Eilande fliehen gleich Splittern hin." Auch die Weltmacht Babylons wurde erschüttert, brach zusammen, stürzte hin, kein Feindesjoch, keine Sklavenfessel, die Israel mehr zu tragen hatte, frei und selbständig konnte Juda nun in seine Heimat zurückkehren, zu eigener Blüte sich erheben und nun fester seine Einheit begründen. Aus dieser Geschichte seiner Leiden und seiner Erlösung hatte es aber für die Zukunft die Überzeugung gewonnen, daß es selbst an dem Rande der Vernichtung noch immer seine Verjüngung erhoffen, daß es selbst mitten in seinen Leiden nicht an seinem Fortbestände verzweifeln müsse. Tröstet, tröstet mein Volk, lautet der Gottesruf. Doppelt trostvoll war diese Wiederehebung Israels, weil sie mit der Freude an der bessern Gegenwart auch die Hoffnung für die Zukunft erweckte. Als die erlösten Juden das prophetische Wort vernahmen, lehren sinnig unsere Weisen, da fragten sie ihn, gilt dein Trostruf etwa nur für die Gegenwart, für das Geschlecht, das auf das zerstörte Heiligtum hinblickt, und wird nicht eine Zeit kommen, wo wir wieder in das alte Elend znrückkehren müssen? und er erwiderte, es ist nicht ein tröstlicher Ruf, der verklingt, sondern eine tröstliche Verheißung, die sich stets bewähren wird, welche ich euch heute künde, und wenn je eine Gefahr euch droht und ein Leid euch bedrückt, blickt immer vertrauensvoll zu dem Ewigen empor, der unerwartet das Heil euch sendet und dessen Lehre euch stets ein Quell des Trostes bleiben wird. Nie sollen wir, selbst wenn für den Augenblick die Stützen unseres irdischen Bestandes dahinsinken, wenn das Ungemach sich auf unser Haupt herniederwälzt, wenn kummervolle Ereignisse an uns herantreten und kein Hoffnungsschimmer aus den Gefilden der Zukunft uns entgegenleuchtet, bei solch trostlosem Anblick in Verwirrung und Verzweiflung versinken, denn vergänglich ist wie alle irdische Hoheit auch aller irdische Schmerz; es waltet ein Gott über uns, dessen Wille stärker ist, als alle menschliche Macht; durch die Trübnisse des Erdendaseins leitet er uns zum Lichte und erhebt uns zu den Höhen des Heiles, des Friedens, des Segens und der Beglückung. „Wol mir", ruft ein Psalmendichter aus, „daß ich gedemütigt wurde,

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