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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-09-01 · Heft 9 (1.9.1883) · p. Seite 204

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 9 (1.9.1883)
Date
1883-09-01
Page
Seite 204 (sequence 12)
Language
German
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204 der Hoffnung in den Herzen Israels, weithin lag die Nacht der Trübsal über seiner Zukunft ausgebreitet und in ihr Dunkel mischten sich die Tränen des Jammers, laut drang die Klage, der Ruf nach Trost und Hilfe in die Kreise der Menschheit hinaus, doch niemand, der ihr sein Ohr öffnen wollte, kein Tröster war da unter den ehemaligen Freunden und alle hatten gebrochen das Wort der Treue und alle ergriffen das Schwert zum Kampfe; dem Weherufe des Besiegten klang nur das Hohngeschrei des herzlosen Siegers entgegen. Unvermeidlich schien Israels Untergang, ja er war vollzogen, gleichsam mit Einstimmung aller Völker vollzogen — und doch, und auch nach solch' unsäglichem Elend, nach solch langen und vielfachen Leiden, erhob es sich von neuem, verjüngte sich Israel zu neuein, zu höheren,, zu ewigem Bestände. Und ob auch kem Tröster und Annemer auf die Klage Israels hörte und alle nur mit boshafter Freude auf das erniedrigte Israel herabsahen, der Trost und die Erhebung blieben nicht ans, es war die Gottesmacht der Religion, die es über die Erniedrigung erhob und „tröstet, tröstet mein Volk" lautete der Ruf der Erlösung, der aus dem Munde der gottbegeisterten Seher erklang, „redet Jerusalem zu, verkündet es ihm, daß seine Leidenszeit geendet, daß es, geläutert durch schwere Prüfungen, nunmehr verjüngt zu neuem Heile sich erheben werde". Trost in, Leiden, Hoffnung im Unglücke gewährt uns die Religion, wenn wir ihrem Rufe unsere Herzen öffnen, ja selbst die Leiden sind zu unserem Glücke, indem sie den Übergang zu neuem Heile und die Läuterung unseres Sinnes von Wahn und Sünde bewirken. Nach menschlicher Berechnung hätte mit dem Untergange Jerusalems und mit der Wegführung Israels in die babylonische Gefangenschaft der Untergang dieses Volkes als eine vollzogene Thatsache angesehen und jede Möglichkeit selbstständigen Fortbestandes ihm abgesprochen werden müssen, denn nicht das Glück des Zufalls, nicht die Gunst des Augenblicks, nicht ein zeitweiliger Vorteil war es, was es dem Feinde ermöglicht hatte, Israel zu unterjochen und sich ein Land zu erobern, das Jahrhunderte hindurch, obwol von feindseligen und kriegslustigen Völkern umgeben, nicht nur seine Selbständigkeit bewahrt, sondern auch eine angesehene Machtstellung erlangt hatte, ein Land, in dessen Mitte die Segnungen des Fleißes und der Gesittung sich zu reicher Blüte entfaltet hatten; es waren vielmehr die Gegner Israels thatsächlich die Beherrscher eines Weltreiches, denen sich mächtige und zahlreiche Völker hatten unterwerfen müssen, es waren die babylonischen Heere mit unwiderstehlicher Macht siegreich über weite Ländergebiete dahingeschntten, ihre Überlegenheit war so gewaltig, daß selbst der heldenmütigste Widerstand vergebens sein mußte. Jeremia, der weise Seher, der das Verderben vorher erkannt, der edle Dulder, der um der Wahrheit, die er kündete, so vielfach verfolgt worden war, der empfindungsvolle Klagedichter, der den Untergang Israels mit so tiefem Schmerzgeftihle beklagte, hatte darum selbst zur freiwilligen Unterwerfung unter Nebukadnezar geraten, und unablässig davor gewarnt, daß man sich in den Kampf mit dem übermächtigen Feinde-stürze, er hatte nur weil er es war, der die Wahrheit offen aussprach, kein Gehör gefunden. Das Loos der vertriebenen Söhne und Töchter Judas hätte, wenn man mit dem Maßstab der damaligen Erfahrung über ihr Geschick urteilen wollte, eigentlich kein besseres, ja vielmehr noch ein schlimmeres, als das der anderen Völker sein müssen, indem es ja durch seine verzweifelte Gegenwehr den Haß und die Erbitterung des Feindes nur noch mehr gegen sich gerichtet hatte und so wie andere zahlreiche Völkerschaften, nachdem sie ihrer Selbständigkeit verlustig geworden, auch

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