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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-09-01 · Heft 9 (1.9.1883) · p. Seite 202

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 9 (1.9.1883)
Date
1883-09-01
Page
Seite 202 (sequence 10)
Language
German
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202 Hiob spricht manchmal verbittert, aber zeigt Klarheit betreff dessen, was er beklagt und was er will; die Reden seiner Freunde hingegen erweisen sich als ungründlich; sie sind mehr sophistisch abschweifend als tief eingehend auf die Klagen und Einwürfe, des Schwergeprüften, dessen Unglück nach ihrer Ansicht einzig und allein in ihm selbst seinen Grund hat, da alle Leiden nur die natürliche Folge der Schuld sind. Auch diesen Anklagen gegenüber behält Hiob Selbstbewußtsein und nachdem es seinen Freunden nicht gelingt, ihm sein Unrecht zu beweisen, noch auch ihm Trost zu verschaffen (vgl. 6, 22 ff; 13, 1 ff; 16, 2 f, bes. V. 4; 19, 2 f, des. V. 5; 21, 2 u. ö.), er aber bereits des Hörens und Widerlegens müde ist, fühlt er sich in seiner geistigen Überlegenheit sich selbst wiedergegeben; er entwirft eine herrliche Schilderung seiner früheren Lage (29) und als Gegenstück, um die Berechtigung manchen herben Wortes, das aus seinem Munde gekommen sein mochte, zu erweisen, eine ergreifende Darstellung seines jetzigen Zustandes (30) und endlich Cap. 31 das herrliche Glaubensbekenntnis wahren Jsraelitentums. Aber noch ist das Rätsel nicht gelöst. Nun tritt Elihu') (Cap. 32—37) ein jüngerer Freund, stürmisch und übersprudelnd als Sachwalter der göttlichen Vorsehung auf. Leiden sind nach seiner Ansicht eine Art Offenbarung, durch die der Mensch zu Gott geführt werden soll. Die Wege Gottes sind geheimnisvoll in dem Leben des Individuums, wie in dem wunderbar herrlichen der Natur und Thorheit ist es daher, wenn der Mensch auch nur zu ergründen sucht die unergründlichen Pfade des Weltenmeisters, thörichter aber ist es noch, ihn meistern und gegen ihn murren wollen. Plötzlich erhebt sich ein Sturm und Gott selbst offenbart sich. (Cap. 38 ff.) Hiob unterwirft sich seinem Ratschlüsse und erhält in erhöhtem Maße wieder das verlorene Glück (Cap. 42) — der Epilog kehrt zum Prolog zurück und zeigt Gott in seiner Gerechtigkeit und Liebe. Ernste Mahnung und lindernder Trost sollte den Exulanten aus dem Buche entgegenklingen. Hiob leidet, er glaubt sich unschuldig und doch, er schweigt und gibt sich nicht ganz dem Schmerze hin (42, 3); also soll auch Israel harren und schweigen und glauben. Leiden sind nicht immer Strafen fiir begangene Sünden, sondern auch geistige Läuterungsmittel; demnach kann auch der Gerechte leiden. Hat er Sünden, so schwinden sie, hat er keine, dann gilt es der Weisheit Gottes, die Zukunft schöner und erhabener zu gestalten. (Forts, f.) und kaum mit Naama, einer Stadt in Juda Jos. 15, 14 zu identificiren, da alle in dem Buche genannten Gebiete außerhalb Kanaan liegen. Hiob selbst lebt in einem heidnischen Lande, ist aber dennoch ein Jahveverehrer. Weniger ist dieses aus den Reden seiner Freunde zu erkennen, die eher gläubigen, aber schlechten Philosophen gleich sprechen In ihren Reden werden die Gottesnamen El. Eloa und Schaddai promiscue gebraucht, während im Prolog und Epilog, in den Reden Gottes an Hiob und umgekehrt 38, 1; 40, l, 3, 6; 42, l, 8, >2 und in den mittleren Reden Hiobs 12, 9, wahrscheinlich ursprünglich auch 28, 28 Jahve gebraucht wird. Möglicherweise wollte der Dichter neben seinem Hauptmotiv auch dem Gedanken Ausdruck verleihen, daß die Heiden, selbst die Weisesten derselbe», Israels Wesen und Geschick nicht zu begreifen vermögen; wahre Beruhigung in allen Lagen quillt nur aus dem Glauben an Jahve und seine Offenbarung * ') Ob die Reden Elihu's von dem eigentlichen Verfasser des B. herrühren, ist eine schwere bis jetzt nicht genügend beantwortete Frage der Bibelkritik. Nach der Anlage des Buches zu schließen, dürfte sie aber entschieden bejaht werden — sie bilden gleichsam die epische Gerechtigkeit zu den Reden der anderen Freunde. Hingegen dürste gegen die Echtheit des Prologs und Epilogs kaum mehr eine Einwendung erhoben werden, ohne die das ganze Buch unverständlich bliebe. (Vgl. Phi ipp'sohns Bibelwerk, Einleitung zu dem Buche.)

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