Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1883)
- Date
- 1883-09-01
- Page
- Seite 201 (sequence 9)
- Language
- German
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des merkwürdigsten Produktes des jüdischen Geistes, das Buch Hiob mit seinem Versuche, das undurchdringliche Rätsel spekulativ zu durchdringen, das Problem vom Menschenschicksal und göttlichen Walten zu lösen — eine tiefsinnige Dichtung voll epischen Charakters mit den glänzendsten Schilderungen aus dem Leben der Natur und den tiefsten psychologischen Blicken in die Gedanken der Zeit Jjjobder Angefeindete, ist ein Gerechter im Lande Uz, der, obgleich seine Freunde, die ihn im Unglücke anfsuchen, um ihn zu trösten, an ihm Unrecht' finden, keineswegs so schweres Leid, wie ihn getroffen, verdient. Wie in dem Buche Rut mit den Namen zugleich auch der Charakter und das Schicksal der Personen angedeutet wird (vgl. Geiger, Urschrift, S. 50), so ist es auch hier mit dem Namen Jjjob der Fall — nicht der Name, sondern der Gedanke beherrscht die Geschichte* 2 3 4), zumal in der theatralischen Geschichtsschreibung der Einzelne nur insofern in Betracht kommt, als er ein Glied des Volkes ist. In dem individuellen Leid ist hier ein Universalleid, in Hiob wird Israel in seiner Leidenszeit im Exile dargestellt. In den mannigfachsten Tonarten wird die Frage, die die Herzen schwer drückt, aufgeworfen; Hiob steht im Mittelpunkte des Dialogs und repräsentirt die rein menschliche Ansicht über die göttliche Weltregierung; seine Freunde^) hingegen erscheinen als Organe theoretischer Speculation. 1) Vgl. Schlottmann, das B. Hiob, S. 42, Rosenkranz, die Poesie und ihre Gesch. S. 346, Alex. v. Humboldt, Kosmos II. 2) Ewald's Erklärung des Namens „der sich wieder zu Gott Wendende" ist abgesehen von sprachlichen Gründen unrichtig, weil Hiob eigentlich nie von Gott abgefallen war, vgl. 42, 7. 3) Bgl Talm. B. batra 15a, wo es heißt: „Hiob hat nie existirt, sondern ist eine dichterische Figur", vgl. auch Gen. r. 57; Jer. Sota 20, 3; B. batra 15a; Gen r. c. 9; 50; 57; 70; 80; Ex. r. c. 1; 11; 21; Num. r. c. 14; 17; 22; Koh. r., wo in einzelnen Stellen das Exil als Zeitalter Hiob's angenommen wird; vgl. More Ncb. III, 22; Junilius, de partib. leg. div. I, auch Luther's Bemerkung „daß alles so sollte geschehen und gehandelt sein, glaube ich nicht". Allerdings redet Ez. 14, 14 von Hiob neben Noa und Daniel als gerechten Männern; allein aus dieser Stelle folgt durchaus nichts für die Existenz Hiob's, zudem muß jedenfalls das Leben Hiob's von der Abfassung des Buches dieses Namens gesondert werden. Abgesehen von der aramaisirenden Sprachlose, die das ganze Buch beherrscht, und sonstigen Merkmalen von Einflüssen des Exils, weist die ganze Situation auf diese Zeit hin. Hiob wohnt im Lande Uz, 1, 1, eine Landschaft in Jdumäa, das namentlich gelegentlich der Eroberung Jerusalems durch Babel Juda gegenüber eine feindselige Rolle spielte (Klage!. 4, 21 und Obadja), also in einem Israel feindlichen Lande; 1, 13 15 berichtet die festliche Stimmung im Hause Hiob's, die durch die Nachricht unterbrochen wird, Sabäer - Sept. die Gefangennehmenden -- wären über sein Gut hergefallen und hätten seine Jünglinge getödet — es sind die räuberischen Äachbarstämme gemeint. Esau, der stets auf der Lauer stano, um Israel zu tödten (Obadja 1. 10; 2 Ehr. 28, 17; vgl. damit Jes. 63. 1). Bald darauf berichtet ein anderer Bote, die Kasdim seien über seine Habe hergefallen und haben seine Jünglinge mit der Schärfe des Schwertes geschlagen — die Kasdim sind die Babylonier, die Israels Glück in den Staub traten. Nach 1. 19 zu schließen, hat Hiob keine Kinder mehr, 19, 7 aber werden noch seine leiblichen Söhne erwähnt Jjjob ist das Volk, das trotz aller Stürme und Leiden nicht zu Grunde geht. Übrigens wird Hiob 42, 10 ausdrücklich ein Afangener genannt, vgl. 12, 16 und 19 mit Jes 44, 28. Hiob 7, 6; 30, 9, wo von dem Spotte der Völker gesprochen wird, gibt mit Bezug auf den Mann von Uz keinen Sinn, und erst auf das Volk bezogen, wird der Ausdruck verständlich. Zum Verhältnis unseres B. zu Jer. und Klaget, vgl Jer. 17, 1 mit Hiob 19.24; Jer. 20, 14 -18 mit Hiob 3, 3—10; 10, 18; Jer. 20, 7, 9 mit Hiob 12, 4; 19, 7; Jer. 44, 19 mit Hiob 9. 19; Klaget. 2, 15; Hiob 12, 4; 17, 6; 30, 1; Klaget. 2, 16 mit Hiob 16, 9, 10; 27; 23; Klaget. 3, 7-9 mit Hiob 19, 7, 8; Klage!. 3, 14 mit Hiob 30, 9; Klage!. 3, 15 mit Hiob 9. 18, 4) Eliphas c. 4 u. 5; 15 u 21, ein Jdumäer aus Taiman, das wegen seiner Weisen berühmt war, Jer. 49, 7, Ob. 1, 9; Bar. 3, 22, 23 tritt besonders hervor. Bildad, c. 8, 18 und 25 aus Schuach, ein arab. Stammgebiet, vgl. Gen. 25, 23; Jer. 49, 8; Zophar c. 11 u. 20 aus Naama — Sept. Minaios, aus Maon — wahrscheinlich ebenfalls ein arab. Landstrich