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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-09-01 · Heft 9 (1.9.1883) · p. Seite 199

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 9 (1.9.1883)
Date
1883-09-01
Page
Seite 199 (sequence 7)
Language
German
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199 gefunden. — „Gott ist's, Jahve, er allein und keiner sonst; er ist's, der das Licht bildet und die Finsternis schafft, der den Frieden macht und das Böse erschafft" (Jes. 45, 7) und „seinem Munde entstammt das Böse sowol, wie auch das Gute"') (Klgl. 3, 36). Nicht minder spiegelt sich der babylonisch-persische Einfluß in den poetischen Schriften dieser späteren Zeit deutlich ab. Wie die Schriftzeichen und Bauten jener alten Culturvölker den Charakter des Gigantischen, Ungeheuern an sich tragen, so erscheinen auch die Weissagungen jener Zeit riesenhaft, gigantisch. Die Gesichte, die Ezechiel an den mächtigen Flüssen des stromreichen Babels geschaut, die dunklen Visionen Secharja's, die pittoreske Apocalyptik Daniels unterscheiden sich gar gewaltig von der ruhigen, künstlerisch geformten und dem rhetorisch-poetischen Schwünge in der Darstellungsweise der früheren Propheten *). Die Schwäche der Poesie sollte eben durch die Kraft der Symbolik ersetzt werden; der Donnerwagen, der Gottesthron, die Seraphim, alles erinnert unwillkürlich an die Riesenbauten zu Persepolis und Babel, an denen geflügelte Stiere, einherschreitende Löwengestalten mit Adlerköpfen, zuweilen auch mit Menschenköpfen und Flügeln, nicht selten auch adlerköpfige Dämonen, die Ornamentik bilden. Schließlich darf nicht unerwähnt bleiben, daß das Exil auch auf die Schriftzeichen seinen Einfluß geltend machte. Seit jener Zeit wurden die heiligen Urkunden nicht mehr in der althebräischen Schrift, sondern in der fremden assyrischen (unserer Quadratschrift) niedergeschrieben8). Mit dem Exile war es Winter für das Volksleben geworden, ernst und düster, Winter aber auch, der neue Säfte für den anbrechenden Frühling zuführte. Mit Recht dürfen wir gerade für diese Zeit eine frische Regsamkeit auf dem Felde der Literatur voraussetzen und annehmen; denn einerseits mahnte die Zerstreuung an die Sammlung des Nationalsschatzes, den kein Feind rauben konnte und der des Volkes einziber Reichtum geblieben, an die Sammlung des Schrifttums, das an glorreiche Zeiten erinnerte; andrerseits aber schufen Not und Leiden, die Hoffnung und die Sehnsucht nach besseren Tagen ein verjüngtes Leben im Denken und Dichten der Volksseele. Bedeutsam, wie der Tag des Auszuges aus Egypten in politischer Beziehung für das Volkstum Israels gewesen, ward das babylonische Exil als Scheidegrenze zweier gewaltiger Epochen, des Prophetismus und des Soferismus, durch seine Rückwirkung auf die nationale Geistesarbeit, deren Monument sich in der Literatur erhebt. Die Sonne der ursprünglichen nationalen Poesie war im Untergehen begriffen, noch einmal sollte sie, auf der Höhe angelangt, ehe sie sich in die Tiefe senkte, in voller Kraft aufstralen, den Horizont der bald im Dunkel ruhenden Gegend vergolden. Der Volksgeist raffte noch einmal alle seine Kraft zusammen, um sich, selbst im Untergehen begriffen, in seiner wahren Größe zu zeigen — eine Erscheinung, wie ') Vgl. Kohut, Antiparsismus im Deut.-Jes. in der Zeitschrift der D. M G. 1876, S. 711 ff. ®) Die spätere Agada kennt wol auch diesen Unterschied, führt ihn aber auf die individuelle Begabung der einzelnen Propheten zurück; vgl. Talm. Chagiga 13b; Sanh. 69a; Lev. rab. c. 10; 15; Peffikta rab. c. 11 u. 33; Jalk. Deutr. 812; zu Spr. 919; zu Jes. 40. 3) Jer. Meg. I. 7Id; Tosifta Sanh. 4; Babl Sanh. 21b, 22a, 97b. Meg. 1, 9. Sebachim 62a; vgl. zu letzterer St. Maimonides Mischnacommentar, wo er die hebr. Schrift mit der samaritanischen identificirt; (s. hiezu die Ansicht R. Chisda's in Sanh. 21b), vgl. s. Mischnacommentar Ber. 8, 8. Siehe hierüber Meor Enajim ed Wien S. 276; Geiger, Zeitschrift V, 115 ff. Levy, Gesch. d. jüd. Münzen 145, 146; Zeitschr. d. D. M. G. XIV, 615-618.

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